Deutschland und zehn Partner fordern Stopp der Waffenhilfe im Sudan-Krieg

Ein Jahr nach den Massentötungen von Al-Faschir erhöht Deutschland gemeinsam mit zehn internationalen Partnern den diplomatischen Druck: Staaten sollen den Sudan-Krieg nicht länger mit Waffen oder Geld unterstützen.

Deutschland und zehn internationale Partner fordern alle Staaten auf, den Krieg im Sudan nicht länger durch Waffenlieferungen, Finanzierung oder andere Formen der Unterstützung zu ermöglichen. Die gemeinsame Erklärung wurde am Montag, dem 26. Oktober 2026, zum ersten Jahrestag der Gräueltaten in der sudanesischen Stadt Al-Faschir veröffentlicht. Die Unterzeichner verlangen die vollständige Einhaltung des UN-Waffenembargos für Darfur und eine strafrechtliche Aufarbeitung schwerer Menschenrechtsverletzungen. Sie warnen zugleich vor weiteren Massengewalttaten, während Drohnenangriffe, Vertreibungen und sexualisierte Gewalt die Zivilbevölkerung weiterhin bedrohen.

Die Erklärung stammt von der Koalition zur Verhinderung von Gräueltaten und für Gerechtigkeit im Sudan. Ihr gehören neben Deutschland die Europäische Union, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Dänemark, Irland, die Niederlande, Norwegen, Schweden und Sierra Leone an.

Staaten sollen den Krieg nicht länger mit Waffen und Geld unterstützen

Die Koalition richtet sich ausdrücklich nicht nur an die sudanesischen Kriegsparteien, sondern auch an Staaten, die Einfluss auf den Konflikt ausüben.

Sie fordert alle Regierungen auf, ihre internationalen Verpflichtungen einzuhalten und ihren politischen Einfluss zu nutzen, um die Zivilbevölkerung zu schützen und weitere Gewalttaten zu verhindern.

Dazu gehört insbesondere, den Krieg nicht weiter durch Waffen, finanzielle Mittel oder andere Formen der Unterstützung zu ermöglichen.

Die Unterzeichner verlangen außerdem die vollständige Umsetzung bestehender Sanktionen der Vereinten Nationen, einschließlich des Waffenembargos für Darfur.

Konkrete Staaten, denen eine Beteiligung an der militärischen oder finanziellen Unterstützung der Konfliktparteien vorgeworfen wird, nennt die Erklärung nicht.

Zugleich fordert die Koalition ein Ende der Kampfhandlungen und sicheren, schnellen und ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfsorganisationen.

„Es gibt keine militärische Lösung für diesen Konflikt. Dieser Krieg muss enden“, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme.

Ein Jahr nach den Massentötungen in Al-Faschir

Anlass der Erklärung ist der Jahrestag der Gewalteskalation in Al-Faschir, der Hauptstadt des Bundesstaates Nord-Darfur.

Am 26. Oktober 2025 hatten die Angriffe der paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) nach monatelanger Belagerung einen Höhepunkt erreicht.

Die Koalition erinnert an Massentötungen, ethnisch motivierte Gewalt, außergerichtliche Hinrichtungen und Folter. Zu den dokumentierten Verbrechen gehören außerdem das Verschwindenlassen von Menschen, Zwangsrekrutierungen, willkürliche Festnahmen sowie weit verbreitete sexualisierte Gewalt.

Ganze Bevölkerungsgruppen wurden gewaltsam vertrieben. Gleichzeitig wurde die humanitäre Versorgung blockiert, wodurch sich Hunger und die Notlage der Bevölkerung weiter verschärften.

Die Gräueltaten von Al-Faschir gehören zu den schwersten Gewaltereignissen des seit April 2023 andauernden Krieges zwischen der sudanesischen Armee und den RSF.

Deutschland unterstützt internationale Ermittlungen

Die beteiligten Staaten bekräftigen ihre Unterstützung für die unabhängige internationale Ermittlungsmission der Vereinten Nationen zum Sudan.

Deren Untersuchungen haben das Ausmaß schwerer Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht und internationale Menschenrechtsnormen in Al-Faschir und der Umgebung dokumentiert.

Die Koalition begrüßt die jüngste Verlängerung des UN-Ermittlungsmandats sowie die Arbeit einer Untersuchungskommission der Afrikanischen Union.

Darüber hinaus unterstützt sie Bemühungen, Verantwortliche strafrechtlich zur Rechenschaft zu ziehen. Dabei verweist sie ausdrücklich auf die Zuständigkeit und die Arbeit des Internationalen Strafgerichtshofs für Verbrechen in Darfur.

Nach Auffassung der Unterzeichner müssen die Verantwortlichen schwerer Menschenrechtsverletzungen identifiziert und vor Gericht gestellt werden.

Die Aufarbeitung soll auch Bestandteil eines künftigen politischen Übergangsprozesses im Sudan sein.

Drohnenangriffe und sexualisierte Gewalt halten an

Die gemeinsame Erklärung verweist darauf, dass die Gefahren für die sudanesische Zivilbevölkerung auch ein Jahr nach Al-Faschir weiterbestehen.

Besonders besorgt zeigen sich die Unterzeichner über den zunehmenden Einsatz von Drohnen bei Angriffen, die Zivilpersonen und zivile Infrastruktur treffen.

Hinzu kommen weit verbreitete sexualisierte Gewalt, Angriffe auf lebenswichtige Versorgungseinrichtungen und die anhaltende Vertreibung großer Bevölkerungsgruppen.

Auch humanitäre Hilfsorganisationen sind betroffen. Wiederholte Angriffe auf Helfer sowie Einschränkungen beim Zugang zu Konfliktgebieten erschweren die Versorgung von Millionen Menschen.

Die Koalition warnt deshalb ausdrücklich vor der fortbestehenden Gefahr weiterer Gräueltaten in großem Umfang.

Sie fordert alle Konfliktparteien auf, die Zivilbevölkerung zu schützen und Angriffe auf humanitäre Einrichtungen und Hilfskräfte zu unterlassen.

Schutz für Opfer und sudanesische Menschenrechtsorganisationen

Ein weiterer Schwerpunkt der Erklärung ist die Unterstützung von Opfern und Überlebenden des Krieges.

Besonders Menschen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, sollen sicheren und vertraulichen Zugang zu medizinischer Behandlung, psychosozialer Betreuung und juristischer Unterstützung erhalten.

Die Koalition hebt zugleich die Rolle sudanesischer Menschenrechtsorganisationen und zivilgesellschaftlicher Gruppen hervor.

Diese dokumentieren Gewalttaten, unterstützen Betroffene und sammeln Informationen, die für spätere Ermittlungs- und Gerichtsverfahren benötigt werden.

Viele dieser Organisationen arbeiten unter erheblichen persönlichen Sicherheitsrisiken.

Deutschland und die weiteren Unterzeichner wollen ihre Zusammenarbeit mit sudanesischen und internationalen Partnern bei der Dokumentation von Verbrechen, der Unterstützung von Überlebenden und der strafrechtlichen Aufarbeitung fortsetzen.

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