Russland baut seine Medienpräsenz in Afrika durch neue Redaktionen, Kooperationen mit einheimischen Medien und Ausbildungsprogramme für Journalisten aus. Am 20. Oktober 2026 eröffnete die staatliche Nachrichtenagentur Sputnik zwei weitere Redaktionszentren in Tansania und Südafrika. Die Einrichtungen ergänzen den bereits bestehenden Standort in Äthiopien und sollen russischen Medieninhalten zusätzliche Verbreitungswege auf dem Kontinent eröffnen. Außenminister Sergej Lawrow sicherte dem Ausbau die Unterstützung der russischen Regierung zu, wenige Tage vor dem Russland-Afrika-Gipfel in Moskau.
Die Expansion erfolgt über drei miteinander verbundene Bereiche: eigene journalistische und technische Infrastruktur, Vereinbarungen mit afrikanischen Medienunternehmen sowie Fortbildungsangebote für Beschäftigte staatlicher und privater Medien.
Sputnik gehört zur staatlichen russischen Mediengruppe Rossija Segodnja. Das Unternehmen ist seit 2022 mit einem speziell auf Afrika ausgerichteten Angebot aktiv und verbreitet Nachrichten, Radiobeiträge und digitale Inhalte in mehreren Sprachen.
Neue Redaktionen in Südafrika und Tansania
Mit den Standorten in Johannesburg und Daressalam erweitert Sputnik seine direkte Präsenz in zwei wichtigen Regionen des Kontinents. Bereits im Februar 2025 eröffnete die Agentur ein Redaktionszentrum in Addis Abeba, der äthiopischen Hauptstadt und Sitz der Afrikanischen Union.
Die neuen Einrichtungen sollen nach Angaben der russischen Regierung mit moderner Produktionstechnik und Anwendungen künstlicher Intelligenz arbeiten. Vorgesehen ist die Verbreitung von Inhalten in fünf Sprachen, darunter Amharisch, Oromo und Swahili.
An den Standorten arbeiten nach Angaben von Sputnik mehrere Dutzend lokale Journalisten. Sie produzieren unter anderem Nachrichten, Podcasts und Radiobeiträge für afrikanische Zielgruppen.
Die Eröffnungen wurden von hochrangigen Vertretern der Gastländer begleitet. Südafrikas Vizepräsident Paul Mashatile begrüßte die Einrichtung in Johannesburg als Beitrag zur Vielfalt der medialen Perspektiven. Er verwies auf die zunehmende Zusammenarbeit zwischen Südafrika und Russland.
In Tansania unterstützten Vertreter des Außenministeriums und des Informationsministeriums die Eröffnung. Said Shaib Moussa, stellvertretender Staatssekretär im Außenministerium, erklärte, Sputnik könne zusätzliche Berichterstattung über Tansania, die Region und internationale Entwicklungen anbieten.
Lawrow dankte beiden Regierungen ausdrücklich für ihre Unterstützung. Die Zusammenarbeit mit den Behörden der Gastländer sei eine wesentliche Voraussetzung für die Tätigkeit russischer Journalisten.
Medienpartnerschaften erweitern die Verbreitung russischer Inhalte
Im Oktober 2025 unterzeichnete Rossija Segodnja entsprechende Vereinbarungen mit der staatlichen Nachrichtenagentur ANP aus Niger und der südafrikanischen Mediengruppe Independent Media.
Die Abkommen umfassen den Austausch journalistischer Inhalte und sehen gemeinsame Veranstaltungen, Expertenformate und Ausbildungsprojekte vor.
Wassili Puschkow, Direktor für internationale Zusammenarbeit bei Rossija Segodnja, bezeichnete Afrika bei der Unterzeichnung als Schwerpunkt der russischen internationalen Medienpolitik. Die Kooperationen sollten ausdrücklich über den reinen Nachrichtenaustausch hinausgehen.
Die Vereinbarungen ermöglichen es russischen Nachrichtenangeboten, auch über etablierte afrikanische Medien verbreitet zu werden. Dafür müssen Leser und Hörer nicht unmittelbar die digitalen oder radiobasierten Angebote von Sputnik nutzen.
Besonders deutlich wird dies beim Hörfunk. Die neuen Redaktionen produzieren Podcasts und Audiobeiträge, die von Partnerstationen in verschiedenen afrikanischen Ländern ausgestrahlt werden sollen.
Nach Angaben der russischen Mediengruppe erreichen diese Radiosender zusammen mehr als 100 Millionen Menschen. Die Zahl bezeichnet die mögliche Gesamtreichweite der beteiligten Sender und nicht die nachgewiesene Hörerschaft russischer Programme.
Rossija Segodnja ist außerdem Mitglied der African Union of Broadcasting, einem Zusammenschluss afrikanischer Rundfunkunternehmen.
Eine im Mai veröffentlichte Untersuchung des US-Thinktanks Center for a New American Security erfasste formelle Partnerschaften russischer Staatsmedien mit Medienorganisationen in zehn afrikanischen Staaten. Der Bericht beschreibt die Weiterverbreitung russischer Nachrichteninhalte durch lokale Anbieter als einen wesentlichen Bestandteil der russischen Medienstrategie.
Niger: Russische Journalisten bilden rund 100 Medienfachkräfte aus
Ein weiterer Bestandteil des russischen Engagements ist die Aus- und Weiterbildung afrikanischer Journalisten.
In Niger organisierte die staatliche Kommunikationsaufsicht Observatoire National de la Communication (ONC) gemeinsam mit SputnikPro vom 5. bis 12. Oktober eine Fortbildungsreihe für rund 100 Medienschaffende.
An den Veranstaltungen beteiligten sich Journalisten staatlicher und privater Medien. Die Schulungen behandelten die Nutzung künstlicher Intelligenz im Journalismus, soziale Netzwerke, journalistisches Schreiben sowie Foto- und Videoproduktion.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Überprüfung und Einordnung von Informationen. Die Teilnehmer beschäftigten sich unter anderem mit der Auswahl geeigneter Gesprächspartner, der Vorbereitung von Interviews und dem Umgang mit digitalen Informationsquellen.
Die ONC bezeichnete die Zusammenarbeit als Beitrag zur Professionalisierung des nigrischen Mediensektors. Ihr Generalsekretär Ousmane Garba verwies auf die Veränderungen journalistischer Arbeitsweisen durch künstliche Intelligenz und soziale Medien.
Die russische Agentur nutzt dafür ihre Ausbildungsplattform SputnikPro, die Schulungen und fachlichen Austausch für internationale Journalisten anbietet.
Für Sputnik entstehen durch diese Programme zugleich institutionelle Kontakte zu Medienaufsichtsbehörden, Redaktionen und Journalistenverbänden. Die Fortbildungsreihe in Niger folgt auf die bereits bestehende Kooperation zwischen Rossija Segodnja und der nigrischen Nachrichtenagentur ANP.
Lawrow verbindet Medienausbau mit russischer Außenpolitik
Russlands Außenminister Sergej Lawrow stellte die Eröffnung der neuen Redaktionen ausdrücklich in den Zusammenhang der russisch-afrikanischen Beziehungen.

Zugleich warf er westlichen Staaten vor, abweichende Positionen im internationalen Informationsraum durch Zensur und doppelte Standards zu unterdrücken.
Die neuen Redaktionen würden nach seiner Darstellung den Zugang afrikanischer Zielgruppen zu „objektiven und verlässlichen Informationen ohne Verzerrungen und ideologische Filter“ verbessern.
Lawrow kündigte an, das russische Außenministerium werde die Arbeit russischer Medien in Afrika weiterhin umfassend unterstützen.
Auch die Führung von Rossija Segodnja beschreibt die Expansion als Bestandteil der Beziehungen zwischen Russland und afrikanischen Ländern.
Generaldirektor Dmitri Kisseljow erklärte, eigene Redaktionen vor Ort könnten das gegenseitige Vertrauen stärken. Chefredakteurin Margarita Simonjan betonte, die russischen Medien sollten sowohl afrikanische Entwicklungen in Russland als auch russische Perspektiven in Afrika bekannter machen.
Russische Staatsmedien stehen in Europa unter Sanktionen
Die internationale Tätigkeit von Sputnik und RT ist seit dem russischen Angriff auf die Ukraine Gegenstand erheblicher politischer Auseinandersetzungen.
Die Europäische Union setzte im März 2022 die Sendetätigkeit und Verbreitung beider Medienangebote innerhalb der EU aus. Brüssel begründete die Maßnahmen mit der Rolle russischer Staatsmedien bei der Verbreitung von Desinformation und der Unterstützung der russischen Kriegspolitik.
Nach Auffassung des Europäischen Rates stehen Sputnik und RT unter direkter oder indirekter Kontrolle der russischen Staatsführung und werden zur gezielten Beeinflussung öffentlicher Debatten eingesetzt.
Eine Untersuchung des Center for a New American Security kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Russland Medienpartnerschaften, internationale Nachrichtendienste und lokale Verbreitungsnetze nutzt, um eigene außenpolitische Positionen in afrikanischen Öffentlichkeiten zu stärken.
Moskau weist diese Kritik zurück und stellt seine internationalen Medienangebote als Alternative zu westlich dominierten Informationsquellen dar.
Die unterschiedlichen Positionen betreffen auch die Rolle afrikanischer Medien. Während russische Regierungsvertreter die Zusammenarbeit mit Sputnik als Stärkung der Informationssouveränität darstellen, sehen westliche Regierungen und Forschungsinstitutionen in der Verbreitung staatlich kontrollierter russischer Inhalte Risiken für die unabhängige Meinungsbildung.
Ausbau unmittelbar vor dem Russland-Afrika-Gipfel
Lawrow verwies bei der Eröffnung ausdrücklich auf diesen zeitlichen Zusammenhang. Er bezeichnete die Beziehungen zu afrikanischen Staaten als langfristige strategische Partnerschaft.
Russland hat seine Kontakte zu zahlreichen afrikanischen Regierungen in den vergangenen Jahren ausgebaut, darunter in den Bereichen Sicherheit, Energie, Rohstoffe und Diplomatie.
Mit den neuen Redaktionen in Johannesburg und Daressalam erweitert Moskau nun auch die journalistische Infrastruktur für die Kommunikation seiner Positionen. Parallel bestehen Medienpartnerschaften und Ausbildungsprogramme, die russische Nachrichteninhalte mit afrikanischen Redaktionen und deren Verbreitungswegen verbinden.

