Ghanas Präsident John Dramani Mahama will den russischen Präsidenten Wladimir Putin persönlich zu einer Waffenruhe bewegen und zeigt sich zugleich offen für russische Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus in Westafrika. Seine Pläne stellte er am Mittwoch, 21. Oktober 2026, beim Africa Summit der Financial Times in London vor. Mahama kündigte an, beim bevorstehenden Russland-Afrika-Gipfel direkt mit Putin über ein Ende der Kampfhandlungen zu sprechen. Gleichzeitig bekräftigte er Ghanas außenpolitische Blockfreiheit und erklärte, sein Land wolle wirtschaftlich und sicherheitspolitisch mit den USA, Europa, China und Russland zusammenarbeiten.
Mahama kündigt persönlichen Appell an Putin an
Der ghanaische Staatspräsident will seinen bevorstehenden Aufenthalt in Russland für einen diplomatischen Vorstoß nutzen.
„Ich werde zum Russland-Afrika-Gipfel nach Russland reisen und versuchen, Präsident Putin von einer Waffenruhe zu überzeugen, wenn ich kann“, erklärte Mahama in London. Die Reise ist für die kommende Woche vorgesehen.
Mahama bezeichnete den geplanten Appell nicht als Teil einer bereits vereinbarten Vermittlungsinitiative. Auch konkrete Vorschläge für eine Waffenruhe oder mögliche Bedingungen einer Einigung stellte er nicht vor.
Seine Ankündigung steht im Zusammenhang mit dem russischen Krieg gegen die Ukraine und den internationalen Bemühungen um eine Einstellung der Kampfhandlungen.
Eine Reaktion der russischen Regierung auf die angekündigte Initiative wurde zunächst nicht bekannt.
Ghana offen für russische Hilfe gegen Terrorismus
Neben dem Krieg in der Ukraine sprach Mahama über die Sicherheitslage in Westafrika.
Der Präsident erklärte, Ghana sei grundsätzlich bereit, internationale Unterstützung für die Bekämpfung terroristischer Gruppen in der Region anzunehmen. Das schließe Russland ausdrücklich ein.
Mahama machte deutlich, dass Staaten, die zur regionalen Sicherheit beitragen wollten, als Partner willkommen seien.

Hintergrund ist die anhaltende Gewalt im Sahel. Besonders Burkina Faso, Mali und Niger sind seit Jahren von Angriffen dschihadistischer Gruppen betroffen.
Die Konflikte haben auch die Sicherheitslage in den Küstenstaaten Westafrikas verändert. Ghana grenzt im Norden an Burkina Faso und verfolgt die Entwicklungen in der Region deshalb mit besonderem Interesse.
Russland hat seine militärischen Beziehungen zu mehreren Sahelstaaten ausgebaut. Insbesondere Mali, Burkina Faso und Niger haben ihre Sicherheitskooperation mit Moskau vertieft, während traditionelle westliche Partner an Einfluss verloren haben.
Mahama erläuterte allerdings nicht, welche konkrete Form russische Unterstützung für Ghana oder regionale Sicherheitsinitiativen annehmen könnte.
Weder ein Abkommen über militärische Zusammenarbeit noch eine Entsendung russischer Sicherheitskräfte nach Ghana wurde angekündigt.
Ghana hält an blockfreier Außenpolitik fest
Mahama verband seine Offenheit gegenüber Russland mit einer grundsätzlichen Erklärung zur internationalen Positionierung Ghanas.
„Wir sind mit allen befreundet und mit niemandem verfeindet. Ghanas Politik der Blockfreiheit hat uns gute Dienste geleistet“, sagte der Präsident.
Ghana wolle deshalb Investoren aus allen Teilen der Welt willkommen heißen.
Er verwies auf die freundschaftlichen Beziehungen seines Landes zu den Vereinigten Staaten, der Europäischen Union, China und Russland.
„Es geht nicht um Wettbewerb. Es geht um Investitionen und einen fairen Ertrag für alle, uns eingeschlossen“, erklärte Mahama.
Damit bekräftigte der Staatspräsident einen außenpolitischen Ansatz, der Ghana wirtschaftliche Partnerschaften mit unterschiedlichen internationalen Akteuren ermöglichen soll.
Regierung will Rohstoffexporte bis 2030 grundlegend verändern
Bei dem Gipfel in London stellte Mahama auch seine wirtschaftspolitischen Ziele vor.
Bis 2030 will Ghana nach seinen Angaben den Export unverarbeiteter mineralischer Rohstoffe beenden und die Verarbeitung im eigenen Land ausbauen.
Die Regierung setzt dabei auf ausländische Investitionen in industrielle Anlagen, die Rohstoffe vor ihrer Ausfuhr weiterverarbeiten.
Dadurch sollen zusätzliche Arbeitsplätze entstehen und ein größerer Teil der Wertschöpfung in Ghana verbleiben. Als Beispiel nannte Mahama den Goldsektor. Nach seinen Angaben werden inzwischen 70 Prozent des ghanaischen Goldes vor dem Export im Inland raffiniert.
Die Regierung verfolgt außerdem das Ziel, mindestens die Hälfte der jährlich produzierten Kakaobohnen in Ghana selbst zu verarbeiten.
Ghana gehört zu den weltweit bedeutenden Gold- und Kakaoproduzenten. Ein großer Teil der wirtschaftlichen Erträge entsteht bislang außerhalb des Landes durch die Weiterverarbeitung und Vermarktung der Rohstoffe.
Mahama erklärte, Investitionen müssten auch den Gemeinden zugutekommen, in denen Rohstoffe gewonnen oder industrielle Projekte umgesetzt werden.
„Die Zeit, in der es Inseln des Wohlstands inmitten verarmter Gemeinschaften gab, liegt hinter uns. Es liegt im Interesse der Investoren, ein sicheres Umfeld zu haben“, sagte der Präsident.
Wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftliche Stabilität seien miteinander verbunden. Unternehmen könnten nicht dauerhaft erfolgreich sein, wenn die Bevölkerung in ihrer unmittelbaren Umgebung kaum von den Investitionen profitiere.
