Übergangsregierung ernennt neuen Geheimdienstchef – Wahlen in Guinea-Bissau wackeln

Guinea-Bissau tauscht erneut seine Geheimdienstführung aus. Premierminister Vieira Té verlangt eine grundlegende Entpolitisierung der Behörde – während nach dem Militärputsch von 2025 weiterhin unklar ist, ob die geplanten Neuwahlen im Dezember stattfinden.

Guinea-Bissaus Übergangsregierung hat die Führung des nationalen Geheimdienstes neu besetzt und eine grundlegende Reform der Sicherheitsbehörde angekündigt. Premierminister Ilídio Vieira Té vereidigte Júlio Abna am Montag, 19. Oktober 2026, als neuen Generaldirektor des Serviço de Informações de Segurança (SIS). Der Geheimdienst soll seinen politischen Charakter ablegen und künftig stärker nach fachlichen und professionellen Kriterien arbeiten. Der Führungswechsel erfolgt in einer angespannten politischen Lage, nachdem das Militär im November 2025 die Macht übernommen hatte und der geplante Termin für Neuwahlen inzwischen infrage steht.

Premierminister fordert Entpolitisierung des Geheimdienstes

Bei der Amtseinführung in Bissau verlangte Premierminister Vieira Té einen grundlegenden Umbau des Geheimdienstes. Die Institution müsse sich von ihrer bisherigen politischen Ausrichtung lösen und ihre Arbeit auf fachliche Kompetenz, professionelle Verfahren und wissenschaftlich-technische Methoden stützen.

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Agência de Notícias da Guiné (ANG) bezeichnete der Regierungschef die Reform als dringend notwendig.

Besonderen Wert legte Vieira Té auf die Qualifikation der Beschäftigten. Der SIS benötige Personal mit einer Ausbildung, die den Anforderungen moderner Nachrichtendienstarbeit entspreche.

Damit verbindet die Übergangsregierung die Neubesetzung der Behördenleitung mit dem Anspruch, Arbeitsweise und Personalstruktur des Geheimdienstes zu verändern.

Konkrete Gesetzesänderungen, organisatorische Maßnahmen oder einen Zeitplan für die Reform stellte der Premierminister zunächst nicht vor.

Júlio Abna übernimmt Leitung des Sicherheitsdienstes

Der neue Geheimdienstchef Júlio Abna verfügt über Erfahrung im staatlichen Sicherheitsapparat. Er war zuvor im Ministerium für Inneres und öffentliche Ordnung tätig.

Bei seiner Vereidigung erklärte Abna, er kenne den Geheimdienst und sei bereit, die von der Übergangsregierung verlangten Veränderungen umzusetzen.

Er übernimmt die Leitung des SIS von Brigadegeneral Braima Sambu, der erst am 9. Juli 2026 zum Generaldirektor ernannt worden war.

Sambu war seinerseits Nachfolger von General Armando da Costa Marna geworden, der am 18. Juni nach einer Erkrankung gestorben war.

Innerhalb von vier Monaten hat die Behörde damit zum zweiten Mal eine neue Führung erhalten.

An der Vereidigungszeremonie nahmen Mitglieder der Regierung sowie hochrangige Vertreter des Sicherheits- und Verteidigungssektors teil.

Militärputsch im November 2025 veränderte Machtverhältnisse in Guinea-Bissau

Die Neubesetzung erfolgt vor dem Hintergrund des Militärputsches vom 26. November 2025.

Damals übernahmen Angehörige der Streitkräfte unter Führung von General Horta Inta-a die Macht. Inta-a hatte zuvor eine führende Sicherheitsfunktion im Umfeld des Präsidenten ausgeübt.

Der Umsturz ereignete sich kurz vor der erwarteten Bekanntgabe der vorläufigen Ergebnisse der Präsidentschaftswahl.

Teile der Opposition bezeichneten die Machtübernahme als inszenierten Staatsstreich. Sie argumentierten, ihr Kandidat Fernando Dias da Costa habe die Präsidentschaftswahl bereits im ersten Wahlgang gewonnen.

Diese Darstellung ist politisch umstritten. Eine abschließende Bekanntgabe der Wahlergebnisse war durch den Putsch verhindert worden.

Nach der Machtübernahme wurde eine Übergangsführung eingesetzt, zu der auch Premierminister Ilídio Vieira Té gehört.

Die künftige Rolle der staatlichen Sicherheitsinstitutionen ist damit eng mit dem politischen Übergangsprozess verbunden.

Neuwahlen am 6. Dezember stehen infrage

Die Militärführung hatte ursprünglich den 6. Dezember 2026 als Termin für neue Präsidentschafts- und Parlamentswahlen festgelegt.

Anfang Oktober erklärten jedoch sowohl Premierminister Vieira Té als auch der Nationale Wahlrat, dass die Voraussetzungen für die Durchführung der Wahlen an diesem Datum nicht erfüllt seien.

Damit ist der weitere Zeitplan für die Rückkehr zu einer gewählten politischen Führung ungeklärt.

Vieira Té hatte zuvor erklärt, der politische Übergang müsse an der Wahlurne enden und dürfe nicht in eine weitere Krise münden.

Guinea-Bissau hat seit seiner Unabhängigkeit von Portugal im Jahr 1973 wiederholt Militärputsche und schwere politische Krisen erlebt. Das Verhältnis zwischen den Streitkräften, den Sicherheitsdiensten und den zivilen Institutionen gehört deshalb seit Jahrzehnten zu den Konfliktfeldern der Innenpolitik.

Mit der Ernennung Júlio Abnas liegt die Verantwortung für die angekündigte Neuorganisation des Inlandsgeheimdienstes nun bei einem neuen Behördenchef, während die Übergangsregierung weiterhin über den Ablauf der nächsten Wahlen entscheiden muss.

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