Der aus Ruanda geflohene ehemalige Soldat und Musiker Robert Kabera, bekannt als „Sergeant Robert“, ist Berichten zufolge in Uganda unter bislang ungeklärten Umständen getötet worden. Seine Leiche wurde am 17. Oktober 2026 in der Ortschaft Kamengo im Distrikt Mpigi südwestlich von Kampala entdeckt. Nach übereinstimmenden Medienberichten war der Körper des 50-Jährigen enthauptet worden. Kabera lebte seit seiner Flucht aus Ruanda im Jahr 2020 in Uganda und hatte sich wiederholt kritisch über die Regierung seines Herkunftslandes geäußert. Eine offizielle Bestätigung der Todesumstände durch die ugandische Polizei lag zunächst nicht vor.
Polizei untersucht gewaltsamen Tod in Kamengo
Robert Kabera hielt sich vor seinem Tod in der Gegend von Luwala in Kamengo auf, wo er ein Haus bauen ließ. Nach Recherchen des ruandischen Nachrichtenportals Umuseke hatte er Kampala verlassen und war mit einem Motorradtaxi zu dem Grundstück gefahren.
Der Fahrer, der unter dem Namen Innocent bekannt sein soll, hatte Kabera dem Bericht zufolge bereits seit etwa zwei Monaten regelmäßig transportiert.
Ein Angehöriger namens Oscar schilderte gegenüber Umuseke, Kabera habe sich am Abend in einer nahegelegenen Bar aufgehalten und sei mehrfach zwischen dem Lokal und seiner Unterkunft unterwegs gewesen. Später habe er das Haus erneut verlassen und sei nicht zurückgekehrt.
Am folgenden Tag begannen Angehörige, nach dem Vermissten zu suchen. Gegen 14 Uhr wurde ihnen mitgeteilt, dass in der Umgebung eine nicht identifizierte Leiche ohne Kopf entdeckt worden sei. Persönliche Gegenstände, darunter Schuhe, sollen zur Identifizierung beigetragen haben.
Die sterblichen Überreste wurden in das Mulago-Krankenhaus in Kampala gebracht, wo eine Obduktion vorgesehen war.
Nach Informationen von Umuseke wurde der Fall unter dem Aktenzeichen SD 21/17/10/2026 als Tötungsdelikt registriert. An den Ermittlungen sollen Kriminalbeamte aus Mpigi und eine Einheit mit Spürhunden beteiligt sein.
Motorradtaxifahrer nach der Tat nicht auffindbar
Bei der Rekonstruktion der letzten Stunden vor Kaberas Tod konzentrieren sich die bislang veröffentlichten Berichte unter anderem auf seinen Kontakt zu dem Motorradtaxifahrer Innocent.
Der Fahrer soll sich am Abend in Kaberas Begleitung befunden haben. Sein Aufenthaltsort war zunächst unbekannt.
Ob die Polizei den Mann als Zeugen sucht oder ihn verdächtigt, geht aus den Berichten nicht hervor. Auch mögliche weitere Beteiligte wurden bislang nicht öffentlich identifiziert.
Die Angaben über Kaberas letzte Aufenthaltsorte und die Uhrzeiten seiner Bewegungen weichen teilweise voneinander ab. Unklar ist deshalb, wann genau er getötet wurde.
Ebenso liegen keine gesicherten Erkenntnisse über ein Tatmotiv vor. Ein politischer Hintergrund ist weder nachgewiesen noch ausgeschlossen.
Kabera floh 2020 aus Ruanda nach Uganda
Robert Kabera hatte zunächst in den ruandischen Streitkräften gedient. Er arbeitete als militärischer Ausbilder und gehörte zur Militärkapelle. Unter dem Künstlernamen „Sergeant Robert“ wurde er auch außerhalb der Armee als Musiker bekannt.
Im November 2020 verließ er Ruanda gemeinsam mit seiner Ehefrau und ging nach Uganda. Er erklärte damals, um seine Sicherheit zu fürchten und Schutz zu suchen.

Zur gleichen Zeit leitete die ruandische Militärjustiz Ermittlungen gegen Kabera wegen des Verdachts eines sexuellen Übergriffs auf eine minderjährige Angehörige seiner Familie ein. Der mutmaßliche Vorfall sollte sich im Stadtteil Ndera im Distrikt Gasabo ereignet haben.
Kabera bestritt die Anschuldigung und bezeichnete sie als politisch motiviert. Er machte geltend, zum angeblichen Tatzeitpunkt bereits in Uganda gewesen zu sein.
Eine rechtskräftige Verurteilung wird in den veröffentlichten Berichten nicht genannt.
Nach seiner Flucht äußerte sich Kabera zunehmend kritisch über die ruandische Regierung. Informationen darüber, ob er in Uganda einen formellen Flüchtlingsstatus erhalten oder besonderen Schutz bei den Behörden beantragt hatte, wurden nicht bekannt.
Bereits 2022 von ugandischen Sicherheitskräften festgenommen
Kabera war während seines Aufenthalts in Uganda bereits mit den dortigen Sicherheitsbehörden in Konflikt geraten.
Im Mai 2022 nahmen ugandische Sicherheitskräfte ihn bei einem Einsatz an seinem Wohnort fest. Ihm wurde vorgeworfen, unerlaubt eine Schusswaffe besessen zu haben.
Anschließend wurde er im Hauptquartier der Special Investigations Division in Kireka festgehalten. Später kam er gegen Kaution frei und musste sich verpflichten, bei Bedarf bei der Polizei zu erscheinen.
Welche Ergebnisse die damaligen Ermittlungen hatten, ist nicht bekannt.
Eine Verbindung zwischen der früheren Festnahme und der mutmaßlichen Ermordung vier Jahre später ist nicht belegt.
Ugandas Militärchef kündigt Vorgehen gegen Gewaltkriminalität an
Der Tod Kaberas fällt in eine Phase, in der mehrere gewaltsame Tötungsdelikte in Uganda öffentlich diskutiert werden.
Ugandas Militärchef Muhoozi Kainerugaba kündigte am 17. Oktober über die Plattform X eine Operation gegen mutmaßliche Gewalttäter an. Unter dem Namen „Operation Kisasi“ sollen Sicherheitskräfte gegen Personen vorgehen, die an Raubüberfällen, Tötungsdelikten und anderen schweren Straftaten beteiligt sind.
Kainerugaba erklärte, die Sicherheitskräfte würden dabei besonders hart vorgehen. Er stellte auch in Aussicht, mutmaßliche Täter nicht dem gewöhnlichen gerichtlichen Verfahren zuzuführen, sondern sie wie bewaffnete Gegner zu bekämpfen.
Die Ankündigung erfolgte vor dem Hintergrund mehrerer tödlicher Angriffe. Am 10. Oktober wurde der Geschäftsmann Ssekandi Edirisa im Distrikt Wakiso erschossen, als er mit seiner Familie nach Hause zurückkehrte.
In der Nacht zum 18. Oktober wurde zudem der Geschäftsmann Nteziyaremye Africano im Distrikt Kisoro erschossen. Seine Ehefrau befand sich nach Medienberichten bei ihm. Polizeisprecher Nelson Tumushime erklärte, dass in diesem Fall zunächst keine Festnahmen erfolgt seien.
Ein Zusammenhang zwischen diesen Taten und dem Tod Robert Kaberas ist nicht bekannt.
Auch eine Beteiligung staatlicher Stellen Ruandas oder Ugandas an Kaberas Tod ist bislang durch keine öffentlich bekannten Ermittlungsergebnisse belegt.

