Bundesaußenminister Johann Wadephul fordert, zivile Krisenprävention und Friedensförderung weltweit stärker als Bestandteil deutscher Sicherheitspolitik zu behandeln und dabei insbesondere die Sahelregion und Westafrika zu unterstützen. Am Donnerstag, 8. Oktober, eröffnete er in Berlin den Berlin Peace Dialogue 2026. Trotz der gestiegenen militärischen Bedrohung durch Russland dürfe sich Deutschland bei seinen Sicherheitsinvestitionen nicht auf Europa beschränken. Terrorismus, unterbrochene Handelswege und regionale Konflikte hätten zunehmend direkte Auswirkungen auf Deutschland und seine europäischen Partner.
„Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass über unsere Sicherheit nicht allein in Europa entschieden wird“, erklärte Wadephul. Neben militärischer Abschreckung brauche Deutschland deshalb Investitionen in ziviles Krisenengagement, Vermittlung und Friedenskonsolidierung.
Die Rede fiel in eine Phase, in der Deutschland seine Verteidigungsausgaben erhöht und zugleich über die künftige Ausrichtung seiner internationalen Zusammenarbeit diskutiert.
Wadephul verbindet Instabilität im Sahel mit Europas Sicherheit
Besonders deutlich stellte der Außenminister den Zusammenhang zwischen afrikanischen Konflikten und europäischen Sicherheitsinteressen heraus.
Wenn Terrorismus die Sahelregion destabilisiere, seien die Folgen nicht auf Westafrika begrenzt. Menschen suchten andernorts Schutz, darunter auch in europäischen Staaten.
Zudem könnten bewaffnete Gruppen regionale Krisen nutzen, um ihren Einfluss auf lokale Gemeinschaften auszuweiten und neue Mitglieder zu rekrutieren.
Deutschland unterstütze deshalb Stabilisierungsprogramme in der Sahelregion und in Westafrika, erklärte Wadephul. Diese sollen gewalttätigen Extremismus verhindern oder zurückdrängen und die Widerstandsfähigkeit lokaler Gemeinschaften gegenüber terroristischen Organisationen stärken.

Die deutsche Unterstützung richtet sich nach Wadephuls Darstellung damit nicht allein auf die Bekämpfung bewaffneter Gruppen. Sie umfasst auch gesellschaftliche Maßnahmen, die verhindern sollen, dass Menschen für extremistische Organisationen angeworben werden.
Deutschland will Konflikte vor Ort eindämmen
Wadephul begründete das internationale Engagement ausdrücklich mit deutschen Sicherheitsinteressen.
Regionale Stabilisierungsinitiativen könnten verhindern, dass Konflikte eskalieren und ihre Auswirkungen andere Staaten erreichen. Zugleich ließen sich Ursachen von Flucht und Vertreibung näher an ihrem Entstehungsort bearbeiten.
Er stellte dabei einen Zusammenhang zwischen regionaler Sicherheit und internationalen Verflechtungen her.
„In unserer immer stärker vernetzten Welt haben Konflikte, die auf den ersten Blick regionaler Natur scheinen, globale Folgen“, sagte Wadephul.
Neben Terrorismus verwies er auf die Auswirkungen des Klimawandels, unterbrochener Handelsrouten und Desinformationskampagnen.
Ukrainische Getreideexporte zeigen Folgen für Afrika
Als weiteres Beispiel für die internationale Verflechtung regionaler Konflikte führte Wadephul den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine an.
Russische Angriffe auf ukrainische Häfen beeinträchtigten die Ausfuhr von Getreide und könnten dadurch die Lebensmittelversorgung in afrikanischen Staaten gefährden.
„Wenn russische Angriffe auf ukrainische Häfen die Ausfuhr ukrainischen Getreides verhindern, hungern Menschen in Afrika“, erklärte der Außenminister.
Damit verband er den Krieg in Europa unmittelbar mit Ernährungssicherheit und wirtschaftlicher Stabilität auf dem afrikanischen Kontinent.
Wadephul verwies auf diese Zusammenhänge, um zu begründen, weshalb Deutschland internationale Krisenprävention nicht unabhängig von seiner eigenen Sicherheitslage betrachten könne.
Militärische Aufrüstung allein reicht Wadephul nicht
Die Bundesregierung investiert angesichts der Bedrohung durch Russland verstärkt in die militärische Verteidigung. Wadephul verteidigte diese Entscheidung ausdrücklich.
Erstmals seit dem Kalten Krieg sei Deutschland gezwungen gewesen, seine militärischen Fähigkeiten massiv auszubauen.
Gleichzeitig warnte er davor, Sicherheit ausschließlich über militärische Mittel zu definieren.
„Neben unseren Anstrengungen im Bereich der Selbstverteidigung müssen wir auch in ziviles Krisenengagement, Mediation und Friedenskonsolidierung weltweit investieren“, betonte der Außenminister.
Seine Forderung nach internationaler Friedensförderung verknüpfte er mit dem Ziel, regionale Konflikte frühzeitig einzudämmen, bevor sie weitere Staaten destabilisieren.
Berlin Peace Dialogue diskutiert neue internationale Partnerschaften
Der Berlin Peace Dialogue 2026 steht unter dem Thema „Strategische Partnerschaften, zivile Konfliktbearbeitung und Friedensförderung in einer multipolaren Welt“.
Die Veranstaltung ist die Jahreskonferenz des Beirats der Bundesregierung für zivile Krisenprävention und Friedensförderung.
Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie internationale Zusammenarbeit bei zunehmenden geopolitischen Spannungen organisiert werden kann.
Im Zentrum stehen neue Partnerschaften, geeignete Instrumente für zivile Konfliktbearbeitung und die Zusammenarbeit zwischen internationalen Organisationen, staatlichen Institutionen und lokalen Akteuren.
Hintergrund ist eine internationale Ordnung, in der traditionelle Kooperationsstrukturen unter Druck geraten und unterschiedliche Machtzentren an Einfluss gewinnen.
Wadephul verwies dabei auch auf Gespräche am Rande der UN-Generalversammlung in New York, bei denen die Bewältigung internationaler Konflikte eine zentrale Rolle gespielt habe.
Der Außenminister zog zudem einen historischen Vergleich zur europäischen Integration. Die Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg zeige, wie aus früheren Konfliktgegnern durch politischen Dialog und wirtschaftliche Zusammenarbeit langfristige Partner werden könnten.

