Der gestürzte Präsident Umaro Sissoco Embaló will nach Guinea-Bissau zurückkehren und bei der für Dezember angesetzten Präsidentschaftswahl erneut antreten. Seine Rückkehr nach Bissau kündigte er für den 4. Oktober an. Damit meldet Embaló weniger als ein Jahr nach dem Militärputsch seinen Anspruch auf eine Rückkehr an die Staatsspitze an. Die Wahl soll am 6. Dezember stattfinden und die seit November 2025 dauernde militärische Übergangsphase beenden.
„Ja, ich werde Kandidat bei der Präsidentschaftswahl sein“, sagte Embaló dem Magazin Jeune Afrique in Brazzaville. Seine politische Rückkehr soll von einer „Republikanischen Plattform“ getragen werden, die seine Unterstützer zusammenführen soll.
Embaló rief dazu auf, seine Rückkehr im Zeichen von „Harmonie, Toleranz und gegenseitigem Respekt“ zu gestalten.
Rückkehr nach dem Militärputsch
Das Militär hatte Embaló im November 2025 gestürzt und den damals laufenden Wahlprozess abgebrochen. Die Machtübernahme erfolgte wenige Tage nach der Präsidentschaftswahl vom 23. November, deren offizielles Ergebnis nicht mehr festgestellt wurde.
Embaló und sein wichtigster Gegenkandidat Fernando Dias da Costa hatten beide den Wahlsieg für sich beansprucht. Die Wahlkommission erklärte später, sie könne die Ergebnisse nicht abschließend ermitteln, nachdem Bewaffnete in ihre Räume eingedrungen waren und unter anderem Auszählungsunterlagen entwendet sowie Server zerstört hatten.

Nach der Machtübernahme setzte das Militär General Horta N’Tam an die Spitze der Übergangsführung. Embaló verließ das Land und hielt sich anschließend unter anderem in Brazzaville auf.
Die Übergangsbehörden legten die nächsten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen auf den 6. Dezember 2026. Die Übergangscharta schließt Horta N’Tam selbst von einer Kandidatur aus.
Neue Verfassung verändert die Macht des Präsidenten
Embalós Kandidatur erfolgt unter veränderten institutionellen Bedingungen. Ende August stimmte Guinea-Bissau über eine neue Verfassung ab, die die Stellung des Präsidenten deutlich stärkt. Anfang September wurde die Zustimmung zu dem Verfassungstext bekanntgegeben.
Die neue Ordnung gibt dem Staatsoberhaupt unter anderem das Recht, den Premierminister und die Mitglieder der Regierung zu ernennen und zu entlassen. Der Präsident kann unter bestimmten Bedingungen auch das Parlament auflösen. Damit verändert sich das Verhältnis zwischen Präsident, Regierung und Nationalversammlung gegenüber dem bisherigen System erheblich.
Der Verfassungsprozess war politisch umstritten. Die PAIGC hatte zum Boykott des Referendums aufgerufen und die Legitimität der nicht gewählten Übergangsbehörden bestritten, eine derart weitreichende Änderung der staatlichen Ordnung vorzunehmen.
Übergangsregierung fordert glaubwürdige Wahlen
Auch innerhalb der Übergangsregierung ist die politische Neuordnung inzwischen Thema. Übergangspremierminister Ilídio Vieira Té erklärte im September, der Übergang müsse durch Wahlen abgeschlossen werden und in einen neuen Zyklus institutioneller Stabilität führen.
Vieira Té fordert eine unabhängige Wahlverwaltung, gleiche Bedingungen für die Kandidaten, freie Wahlkämpfe, ausgewogenen Zugang zu den Medien und neutrale staatliche Institutionen. Seine frühere politische Nähe zu Embaló bedeute keine gegenwärtige politische Abhängigkeit, erklärte der Regierungschef.
Die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS hatte bereits zuvor die Freilassung inhaftierter Oppositionspolitiker verlangt. Die Organisation erklärte, dies würde die Glaubwürdigkeit des Übergangsprozesses stärken. Zu den betroffenen Politikern gehört der frühere Premierminister und PAIGC-Vorsitzende Domingos Simões Pereira.

