Ist die deutsche Entwicklungshilfe wirksam? Ein Experte klärt auf

Milliarden für Entwicklungshilfe, aber bringt sie überhaupt etwas? DEval-Chef Jörg Faust verweist auf messbare Erfolge bei Bildung, Armutsbekämpfung, Klimaschutz und Demokratieförderung – und nennt zugleich konkrete Reformen für die deutsche Entwicklungspolitik.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit erzielt nach Einschätzung des Deutschen Evaluierungsinstituts der Entwicklungszusammenarbeit nachweisbare Erfolge bei Armutsbekämpfung, Bildung, Klimaschutz und Demokratieförderung. Jörg Faust, Direktor des Instituts, verweist zugleich auf Reformbedarf bei der Auswahl und Umsetzung von Projekten. In der Debatte über milliardenschwere Kürzungen spricht er sich für stärkere Konzentration, weniger kleinteilige Vorhaben und eine bessere Koordination aus. Weitere Einschnitte sieht Faust angesichts wachsender globaler Krisen kritisch.

Studien zeigen positive Effekte

Das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit, kurz DEval, untersucht seit 2012 die Wirksamkeit deutscher Entwicklungsmaßnahmen. Faust widerspricht der verbreiteten Einschätzung, Entwicklungszusammenarbeit bringe zu wenig messbare Ergebnisse.

Viele länderübergreifende Studien der vergangenen 20 bis 25 Jahre hätten positive Wirkungen festgestellt. „Bei Primärschulbildung, Armutsbekämpfung, Klimaschutz oder Demokratieförderung ist länderübergreifend Wirksamkeit belegt“, sagte Faust der Wochenzeitung Das Parlament.

Auch bei einzelnen Instrumenten gebe es positive Befunde. Er nennt Schulernährungsprogramme, direkte Geldtransfers an Haushalte, Waldschutz und politische Bildungsmaßnahmen.

Wie stark ein Projekt wirkt, wird je nach Maßnahme mit Statistiken, Befragungen, Satellitendaten oder Vergleichsgruppen untersucht.

Bewässerung in Mali verbessert Lebensbedingungen und Sicherheit

Als Beispiel verweist Faust auf ein untersuchtes Projekt in Mali. Dort habe DEval mithilfe von Kontrollgruppen und Satellitendaten die Wirkung einfacher Bewässerungssysteme untersucht.

Die Ergebnisse zeigten demnach Verbesserungen bei den Lebensbedingungen und bei der lokalen Sicherheit. Gleichzeitig sei der Migrationsdruck zurückgegangen.

Die Bewertung deutscher Entwicklungsprojekte erfolgt nicht allein durch DEval. Einzelne Vorhaben werden auch von der Kreditanstalt für Wiederaufbau und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit auf Basis von Stichproben evaluiert. DEval konzentriert sich unter anderem auf projektübergreifende Untersuchungen zu Klimaschutz, Menschenrechten und Finanzierungsinstrumenten.

Unterstützung in Deutschland wird fragiler

Die öffentliche Unterstützung für Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland nimmt nach Erkenntnissen des Instituts ab. Der DEval-Meinungsmonitor zeige eine fragile Zustimmung, während das Wissen über das Politikfeld in Teilen der Bevölkerung gering sei.

Gleichzeitig steht das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unter erheblichem Spardruck. Seit 2022 wurde sein Etat um fast 20 Prozent reduziert.

Faust hält es grundsätzlich für sinnvoll, den Einsatz knapper Haushaltsmittel regelmäßig zu überprüfen. Weitere Kürzungen betrachtet er jedoch skeptisch.

Globale Entwicklungsprobleme nähmen zu und wirkten inzwischen deutlich unmittelbarer auf Deutschland. Als Beispiele nennt er Pandemiegefahren, Klimawandel, den Verlust biologischer Vielfalt und unkontrollierte Fluchtbewegungen.

„Entwicklungsprobleme wirken sich viel direkter auf unseren Wohlstand aus als noch vor einigen Jahrzehnten“, sagte Faust.

USAID-Kürzungen treffen Armutsbekämpfung

Kritisch beurteilt der DEval-Direktor auch den weitgehenden Abbau der amerikanischen Entwicklungsagentur USAID unter US-Präsident Donald Trump.

Die Kürzungen hätten unmittelbare Folgen für humanitäre Hilfe und Armutsbekämpfung. Projekte mit Erfolgspotenzial könnten nicht weitergeführt werden, zudem fehlten Mittel für langfristige Reformprogramme.

Faust verweist dabei auch auf die politische Funktion von Entwicklungsorganisationen und politischen Stiftungen. In autoritär regierten Staaten könnten sie gesellschaftliche und demokratische Strukturen unterstützen.

Weniger kleine Projekte, stärkere Konzentration

Trotz der positiven Wirkungsbefunde sieht Faust erheblichen Reformbedarf in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Partner in den Empfängerländern müssten stärker in Planung und Umsetzung eingebunden werden und selbst ein Interesse an Reformen haben. Besonders schwierig seien dauerhafte Erfolge in politisch instabilen und von Konflikten geprägten Staaten.

Faust plädiert zudem für weniger kleinteilige Projekte, eine Konzentration auf eine begrenzte Zahl von Zielen und eine bessere Abstimmung der verschiedenen entwicklungspolitischen Akteure.

Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan will die deutsche Zusammenarbeit künftig stärker auf die am wenigsten entwickelten Staaten konzentrieren und bei Flucht und Krisenbewältigung einen Schwerpunkt auf die europäische Nachbarschaft legen.

Eine gut begründete Konzentration auf bestimmte Themen und Instrumente bewertet Faust positiv. In der Vergangenheit sei eine solche Fokussierung jedoch häufig an der Vielzahl staatlicher und nichtstaatlicher Akteure und ihrer unterschiedlichen Interessen gescheitert.

Privatwirtschaft kann staatliche Zusammenarbeit nicht ersetzen

Auch eine stärkere Einbindung von Unternehmen könne Entwicklungsprozesse beschleunigen. Studien zeigten zudem, dass deutsche Entwicklungszusammenarbeit positive Auswirkungen auf deutsche Exporte haben könne.

Eine Konzentration auf Wirtschaftswachstum allein hält Faust allerdings für unzureichend.

„Wirtschaftliches Wachstum allein reicht meist nicht für nachhaltige Armutsbekämpfung, Demokratie und den Schutz globaler öffentlicher Güter“, sagte der DEval-Direktor.

Nötig seien zusätzlich politische und rechtliche Rahmenbedingungen, die Chancengleichheit, eine breitere Verteilung von Wohlstand sowie ökologische Nachhaltigkeit fördern.

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