Sambia und Simbabwe haben auf dem Kariba-Stausee erstmals eine internationale Grenze auf einem afrikanischen Binnengewässer sichtbar markiert. Die erste Phase der Arbeiten wurde am 12. Juli abgeschlossen. Schwimmende Grenzbojen sollen künftig unabsichtliche Grenzübertritte verhindern, die Schifffahrt erleichtern und die gemeinsame Nutzung des Gewässers rechtlich klarer regeln. Deutschland finanzierte das Vorhaben, das von der Afrikanischen Union begleitet und von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit umgesetzt wurde.
Die Afrikanische Union und das Auswärtige Amt bezeichneten die Installation der Bojen als ersten operativen Fall einer solchen Grenzmarkierung auf einem afrikanischen See. Das Projekt ist Teil des Grenzprogramms der Afrikanischen Union, das Staaten bei der Festlegung und Kennzeichnung ihrer Grenzen unterstützt.
Der Kariba-Stausee erstreckt sich entlang der Grenze zwischen Sambia und Simbabwe. Beide Staaten nutzen das Gewässer unter anderem für Energiegewinnung, Fischerei, Schifffahrt und die Versorgung angrenzender Gemeinden.
Bojen machen Grenzverlauf auf dem Wasser sichtbar
Die auf dem Stausee installierten Bojen kennzeichnen den vereinbarten Grenzverlauf zwischen beiden Ländern. Beteiligt waren die Regierungen Sambias und Simbabwes, die jeweiligen Vermessungsbehörden, gemeinsame technische Arbeitsgruppen und die Zambezi River Authority.
Technische Unterstützung kam von der Kommission der Afrikanischen Union. Deutschland stellte die Finanzierung bereit. Die Umsetzung erfolgte über die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Auch die Internationale Organisation für Migration war an dem Prozess beteiligt.
Eine sichtbare Grenzmarkierung soll insbesondere auf dem Wasser für mehr Rechtssicherheit sorgen. Fischer, Schiffsführer und Sicherheitsbehörden können dadurch besser erkennen, auf welchem Staatsgebiet sie sich befinden.
Die beteiligten Institutionen erwarten zudem, dass sich unbeabsichtigte Grenzverletzungen und daraus entstehende Konflikte verringern. Gleichzeitig sollen Fischbestände, Schifffahrtswege und andere gemeinsam genutzte Ressourcen besser verwaltet werden können.
Deutschland unterstützt Grenzprogramm der Afrikanischen Union
Deutschland arbeitet seit Jahren mit der Afrikanischen Union beim Aufbau einer friedlichen Grenzverwaltung zusammen. Das Grenzprogramm der AU unterstützt Mitgliedstaaten dabei, umstrittene oder nicht eindeutig gekennzeichnete Grenzverläufe gemeinsam festzulegen.

Der deutsche Botschafter in Sambia, Sönke Siemon, erklärte anlässlich des Afrikanischen Grenztages am Kariba-Stausee, das Projekt zeige, wie Dialog und gegenseitiges Vertrauen gemeinsame Grenzen in Möglichkeiten für Frieden und wirtschaftliche Zusammenarbeit verwandeln könnten.
Die deutsche Unterstützung erfolgt über das Auswärtige Amt und die GIZ. Im Mittelpunkt stehen technische Beratung, Vermessungsarbeiten, die Abstimmung zwischen Nachbarstaaten und der Aufbau gemeinsamer Verwaltungsstrukturen.
Das Kariba-Projekt gilt innerhalb des AU-Grenzprogramms als praktisches Beispiel dafür, wie Grenzfragen ohne einseitige Maßnahmen oder politische Eskalation geregelt werden können.
Gemeinsame Nutzung von Wasser bleibt zentrale Aufgabe
Die Grenzmarkierung wurde wenige Tage vor dem 16. Afrikanischen Grenztag abgeschlossen, der am Kariba-Stausee begangen wurde. Vertreter Sambias, Simbabwes, der Afrikanischen Union, der Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika und internationaler Organisationen berieten dort über die Verwaltung gemeinsamer Wasserressourcen.
Im Zentrum standen eine nachhaltige Wasserversorgung, sichere Sanitärsysteme und die Zusammenarbeit zwischen Grenzgemeinden. Die Teilnehmer befassten sich außerdem mit der Frage, wie natürliche Ressourcen genutzt werden können, ohne politische Spannungen zwischen Nachbarstaaten zu verschärfen.
Die Afrikanische Union verwies dabei auf die Niamey-Konvention. Das Abkommen soll die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Afrika stärken und Staaten dazu bewegen, gemeinsame Grenzregionen koordiniert zu entwickeln.
Die Internationale Organisation für Migration betonte, eindeutig geregelte Grenzen könnten auch eine sichere und geordnete Migration erleichtern. Regionale Organisationen und lokale Gemeinden müssten dabei stärker in die Grenzverwaltung einbezogen werden.
Erste Phase des Grenzprojekts abgeschlossen
Mit der Installation der Bojen ist die Grenzmarkierung auf dem Kariba-Stausee noch nicht vollständig beendet. Sambia und Simbabwe arbeiten weiter an der Bestätigung und technischen Dokumentation des gemeinsamen Grenzverlaufs.
Die Afrikanische Union und Deutschland kündigten an, die verbleibenden Arbeiten weiterhin zu unterstützen. Zugleich soll das Projekt als Modell für andere afrikanische Staaten dienen, die gemeinsame Seen, Flüsse oder andere schwer sichtbar zu markierende Grenzräume verwalten.
Das Grenzprogramm der Afrikanischen Union verfolgt das Ziel, offene Grenzfragen durch Vermessung, Verhandlungen und gemeinsame Verwaltung zu lösen. Die AU verbindet damit ihre Strategie, Grenzen nicht nur als Trennlinien, sondern als Räume für regionale Zusammenarbeit zu behandeln.

