Namibias Präsidentin Netumbo Nandi-Ndaitwah nutzt ihren Staatsbesuch in China, um neue Investitionen in Verarbeitung, Energie, Logistik und Exportmärkte anzuziehen. In dieser Woche begleitet sie eine große Wirtschaftsdelegation zu Gesprächen mit chinesischen Regierungsstellen und Unternehmen. Die Regierung in Windhoek stellt Namibia dabei als sicheren Standort und Zugangstor zum südlichen Afrika dar.
Das chinesische Außenministerium kündigte den Besuch vom 5. bis 11. Juli an. Das namibische Besuchsprogramm konzentriert sich auf Stationen vom 6. bis 10. Juli in Guangzhou, Shenzhen, Chengdu und Peking. Zum Abschluss sind Gespräche mit Präsident Xi Jinping und weiteren chinesischen Spitzenvertretern vorgesehen.
Für Nandi-Ndaitwah ist es der erste China-Besuch seit ihrem Amtsantritt. Peking erwartet, dass die Reise die bilateralen Beziehungen auf eine neue Ebene hebt. China beschreibt die Beziehungen zu Namibia als von wachsendem politischem Vertrauen und gegenseitigem Nutzen geprägt.
Mehr als 200 Unternehmer begleiten die Reise
Die Größe der namibischen Wirtschaftsdelegation hatte in Namibia öffentliche Kritik ausgelöst. Das Präsidialamt stellte daraufhin klar, dass die mehr als 200 teilnehmenden Unternehmer nicht aus Steuermitteln finanziert würden. Die Unternehmen hätten ihre Reise- und Teilnahmeausgaben selbst getragen.
Koordiniert wurde die Wirtschaftsmission vom Namibia Investment Promotion and Development Board. Die Teilnahme erfolgte über ein offenes Interessenbekundungsverfahren, bei dem Unternehmen ihre Bewerbung einreichen konnten. Die Delegation soll in China Geschäftsmöglichkeiten prüfen, Partnerschaften anbahnen, Lieferanten finden, Investitionen einwerben und neue Exportmärkte erschließen.
Das Präsidialamt verteidigte die große Beteiligung als Zeichen für das Interesse der Privatwirtschaft an China. Solche Wirtschaftsmissionen seien international üblich, wenn Staatsoberhäupter offizielle Besuche nutzten, um Handel und Investitionen zu fördern.
Namibia will mehr Wertschöpfung im eigenen Land
Außenministerin Selma Ashipala-Musavyi warb beim Namibia-China-Wirtschaftsforum für Investitionen in saubere Energietechnologien, Batteriebestandteile und Logistikzentren. Namibia sei ein sicherer, strategischer und profitabler Investitionsstandort, sagte sie vor chinesischen Unternehmern. Das Land verstehe sich als logistisches Rückgrat, Energiezentrum und Rohstoffstandort im südlichen Afrika.
Die Ministerin forderte Investitionen, die über den reinen Abbau und Export von Rohstoffen hinausgehen. „Wir bewegen uns weg vom Modell ‚abbauen und verschiffen‘ und laden unsere chinesischen Partner ein, Veredelungs- und Verarbeitungsanlagen direkt an der Quelle in Namibia aufzubauen“, sagte Ashipala-Musavyi.
Sie nannte Lithium und Kupfer als Beispiele. Lithium solle in Namibia zu Vorprodukten für Batterien verarbeitet werden, Kupfer zu Draht. Damit zielt Windhoek auf mehr industrielle Wertschöpfung, Arbeitsplätze und technologische Kompetenz im eigenen Land.
Walvis Bay als Zugang zum Binnenmarkt
Namibia stellt seine geografische Lage als wirtschaftlichen Vorteil heraus. Der Ausbau des Hafens von Walvis Bay soll den Zugang zu Binnenstaaten wie Botswana verbessern. Für chinesische Unternehmen bietet Namibia damit nicht nur einen nationalen Markt mit gut drei Millionen Menschen, sondern einen Zugang zur Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika.
Ashipala-Musavyi verwies auf mehr als 300 Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher in der SADC-Region und auf den größeren afrikanischen Markt. Namibia positioniert sich damit als Knotenpunkt zwischen Atlantik, südafrikanischem Binnenraum und kontinentalen Handelsströmen.
Diese Argumentation passt zu Windhoeks industriepolitischer Linie. Das Land will seine Rolle als Rohstofflieferant verändern und stärker in Verarbeitung, Transport, Energie und grüne Industrie einsteigen. Dazu gehören auch Projekte rund um erneuerbare Energien und grünen Wasserstoff.
Stationen in Industrie, Technologie und Landwirtschaft
Das Besuchsprogramm verbindet politische Gespräche mit Branchenkontakten. In Guangzhou stehen Industrie- und Unternehmensbesuche sowie Geschäftstreffen auf dem Programm. In Shenzhen sind Besuche beim Kernkraftwerk CGN Daya Bay, beim Technologiekonzern Huawei und bei kommunalen Behörden vorgesehen.

In Chengdu liegt der Schwerpunkt auf Landwirtschaft, Agrarverarbeitung und Kontakten zwischen Unternehmen. Die Gespräche sollen Kooperationen in Bereichen wie Handel, Investitionen, Industrialisierung, erneuerbare Energien, Bildung, Wissenschaft, Technologie, Gesundheit, Wohnungsbau und Infrastruktur ausbauen.
In Peking folgen die hochrangigen Treffen mit Xi Jinping und weiteren chinesischen Führungspolitikern. Chinas Premier Li Qiang und Zhao Leji, der Vorsitzende des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses, sollen Nandi-Ndaitwah ebenfalls empfangen.
China bleibt zentraler Partner afrikanischer Industrialisierung
Namibias Besuch fällt in eine Phase, in der viele afrikanische Staaten ihre Beziehungen zu China stärker auf Industrialisierung, Infrastruktur, Energie und lokale Verarbeitung ausrichten. Für rohstoffreiche Länder wie Namibia geht es dabei nicht nur um Exporterlöse, sondern um die Frage, wo künftig Wertschöpfung entsteht.
China ist für Namibia ein wichtiger politischer und wirtschaftlicher Partner. Die Zusammenarbeit reicht von Infrastruktur und Handel bis zu Bildung, Technologie und Entwicklungsprojekten. Windhoek versucht zugleich, Investitionen aus mehreren Richtungen anzuziehen, darunter auch aus Europa.
Die Reise nach China zeigt diesen Kurs in konzentrierter Form. Namibia wirbt um chinesisches Kapital, will aber zugleich stärker kontrollieren, welche Rolle das Land in globalen Rohstoff- und Energieketten einnimmt.

