Gabun und die Vereinigten Staaten wollen ihre Wirtschafts- und Investitionsbeziehungen nach der Rückkehr des zentralafrikanischen Landes in das US-Handelsprogramm AGOA ausbauen. Präsident Brice Clotaire Oligui Nguema und der US-Diplomat Christian Jové Ehrhardt berieten darüber am 19. Juni 2026 in Libreville. Im Zentrum standen neue Handelsmöglichkeiten, Investitionen in strategische Wirtschaftsbereiche und der geplante integrierte Komplex Kobe-Kobé. Konkrete Abkommen oder Investitionssummen wurden nach dem Treffen nicht bekannt gegeben.
Ehrhardt reiste mit einer Delegation nach Gabun und wurde von Oligui Nguema im Präsidentenpalast empfangen. Er ist stellvertretender Unterstaatssekretär im Büro für Bevölkerung, Flüchtlinge und Migration des US-Außenministeriums.
Die Begegnung diente nach Darstellung der gabunischen Präsidentschaft einer Bestandsaufnahme der bilateralen Beziehungen. Beide Seiten hätten gemeinsame Interessen und Möglichkeiten für eine engere Zusammenarbeit erörtert.
AGOA-Rückkehr rückt Handel in den Mittelpunkt
Die erneute Aufnahme Gabuns in den African Growth and Opportunity Act, kurz AGOA, bildete den wirtschaftlichen Schwerpunkt des Gesprächs. Das US-Programm erleichtert ausgewählten afrikanischen Staaten den Zugang zum amerikanischen Markt.
Die Wiedereingliederung Gabuns wurde durch einen Erlass von US-Präsident Donald Trump beschlossen. Libreville sieht darin die Grundlage für neue Handelsbeziehungen zwischen gabunischen Unternehmen und dem US-Markt.
„Diese Wiedereingliederung eröffnet neue Handelsmöglichkeiten und ist ein Zeichen des Vertrauens in die von den gabunischen Behörden eingeleiteten Reformen“, erklärte die gabunische Präsidentschaft.
Die gabunische Regierung verbindet die Wiederaufnahme jedoch mit dem Ziel, mehr Investoren anzuziehen und die wirtschaftlichen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten über die bisherige Zusammenarbeit hinaus zu erweitern.
Oligui Nguema präsentiert Projekt Kobe-Kobé
Oligui Nguema stellte der amerikanischen Delegation mehrere Entwicklungsvorhaben seines Landes vor. Besondere Aufmerksamkeit erhielt der geplante integrierte Komplex Kobe-Kobé.
Kobe-Kobé ist ein groß angelegtes Industrie- und Infrastrukturprojekt, mit dem Gabun seine Wirtschaft breiter aufstellen und die Verarbeitung heimischer Rohstoffe im eigenen Land ausbauen will. Der Komplex soll verschiedene industrielle, logistische und wirtschaftliche Aktivitäten an einem Standort bündeln und damit neue Wertschöpfungsketten fördern.
Das Vorhaben ist ein wichtiger Bestandteil der wirtschaftlichen Entwicklungsstrategie des Landes. Es soll Arbeitsplätze schaffen, Investitionen anziehen und die industrielle Entwicklung stärken.
Nähere Angaben zu Standort, Investitionsvolumen, beteiligten Wirtschaftszweigen oder Zeitplan wurden bislang nicht veröffentlicht. Die Präsidentschaft erklärte jedoch, das Vorhaben stoße bei internationalen Partnern einschließlich der Vereinigten Staaten auf wachsendes Interesse.
Das Treffen mit der US-Delegation diente auch dazu, mögliche amerikanische Beteiligungen an größeren Infrastruktur- und Entwicklungsprojekten auszuloten.
Beide Seiten vereinbarten weitere Investitionsmöglichkeiten in strategischen Sektoren zu prüfen. Welche Bereiche dabei Vorrang erhalten sollen, blieb zunächst offen.
Libreville sucht engeren Dialog mit Washington
Die wirtschaftlichen Gespräche waren Teil einer breiteren diplomatischen Annäherung. Oligui Nguema und Ehrhardt erörterten den Stand der Beziehungen sowie politische Fragen von gemeinsamem Interesse.

Die gabunische Präsidentschaft sprach von einem konstruktiven Dialog und übereinstimmenden Positionen bei mehreren Themen. Einzelheiten zu den politischen und regionalen Fragen, die während der Unterredung behandelt wurden, veröffentlichte sie nicht.
Auch Ehrhardts Zuständigkeit für Bevölkerung, Flüchtlinge und Migration wurde in den Berichten über das Treffen nicht mit konkreten Vereinbarungen verbunden. Die Gespräche konzentrierten sich öffentlich vor allem auf Handel, Investitionen und wirtschaftliche Entwicklung.
Ehrhardt ist seit Mai 2025 als stellvertretender Unterstaatssekretär im US-Außenministerium tätig. Der Berufsdiplomat trat 2007 in den Auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten ein.
Zu seinen früheren Auslandsstationen gehören Algerien, Jamaika, Kamerun und die Zentralafrikanische Republik. Darüber hinaus arbeitete er unter anderem im Sudan, im Tschad, in Haiti, Libyen und im Irak. In Kamerun und der Zentralafrikanischen Republik leitete er Einsätze in den Bereichen Strafverfolgung und Sicherheit.
Seine berufliche Laufbahn umfasst damit mehrere Staaten Zentralafrikas und der Sahelzone. Ehrhardt spricht neben Englisch auch Französisch und Spanisch.
Keine neuen Abkommen angekündigt
Oligui Nguema und Ehrhardt bekräftigten nach dem Treffen die Absicht, die Zusammenarbeit zwischen Gabun und den Vereinigten Staaten weiter zu vertiefen. Die Gespräche sollen sich auf Handel, Investitionen und weitere strategische Bereiche erstrecken.
Die gabunische Präsidentschaft wertete die Begegnung als Zeichen eines wachsenden internationalen Vertrauens in die politische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Diese Einschätzung wurde von der amerikanischen Delegation in den veröffentlichten Mitteilungen nicht ausdrücklich wiederholt.
Eine gemeinsame Erklärung, eine Liste konkreter Investitionsprojekte oder neue bilaterale Verträge wurden im Anschluss an die Unterredung nicht veröffentlicht.

