Der Tschad hat nach einem Angriff von Boko Haram auf eine Armeestellung in der Provinz Lac drei Tage Staatstrauer verhängt. Sie begann am Mittwoch, 6. Mai, um Mitternacht und soll bis Samstag, 9. Mai, um Mitternacht gelten. Bei dem Angriff auf Barka Tolorom in der Tschadsee-Region wurden nach Angaben der Streitkräfte 23 Soldaten getötet und 26 weitere verletzt. Präsident Mahamat Idriss Déby Itno besuchte die Verwundeten in N’Djamena und kündigte eine Fortsetzung des Kampfes gegen die bewaffnete Gruppe an.
Angriff auf Militärposten in der Provinz Lac
Boko Haram griff in der Nacht von Montag auf Dienstag eine Stellung der tschadischen Verteidigungs- und Sicherheitskräfte in Barka Tolorom an. Der Ort liegt in der Provinz Lac, einer Grenzregion im Tschadsee-Becken, in der bewaffnete Gruppen seit Jahren aktiv sind.
Die tschadische Armee erklärte, sie habe den Angriff zurückgeschlagen. Armeesprecher Issakha Acheikh Chanane sprach von einer größeren Zahl getöteter Angreifer. Unabhängig bestätigte Angaben dazu lagen zunächst nicht vor.
Die verletzten Soldaten wurden zur medizinischen Versorgung nach N’Djamena gebracht. Präsident Mahamat Idriss Déby Itno besuchte sie am Dienstagmorgen auf der Luftwaffenbasis Sergent-chef Adji Kosseï. Er sicherte ihnen staatliche Unterstützung bei der Behandlung zu.
Drei Tage Staatstrauer im ganzen Land

Der Präsident ordnete am Mittwoch eine dreitägige Staatstrauer an. Die Nationalflaggen werden in dieser Zeit auf halbmast gesetzt. Festliche Veranstaltungen sind untersagt. In Medien und Gebetsstätten sollen nur religiöse Musik und Gebete erlaubt sein.
Das Dekret bezieht sich auf tödliche Angriffe in der Provinz Lac vom 4. und 6. Mai. Die Behörden veröffentlichten zunächst keine zusammenhängende offizielle Bilanz aller Vorfälle in der Region.
Nach dem Besuch der Verwundeten berief Déby Itno eine Sitzung im Kommando des Luftwaffenstabs ein. Daran nahmen Verteidigungsminister Issakha Maloua Djamouss und Generalstabschef Abakar Abdelkérim Daoud teil. Der Präsident gab nach Angaben der Präsidentschaft Anweisungen, die in militärische Maßnahmen umgesetzt werden sollen.
Déby kündigt weiteren Kampf gegen Boko Haram an
In einer Erklärung bezeichnete Déby Itno den Angriff als Tat der „terroristischen Gruppe Boko Haram“. Den Familien der getöteten Soldaten sprach er das Beileid der Nation aus.
„Das Opfer unserer Soldaten wird niemals vergeblich sein“, erklärte der Präsident. Zugleich kündigte er an, der Tschad werde den Kampf gegen Boko Haram fortsetzen. „Der Obskurantismus wird niemals über die Republik siegen. Wir werden den Kampf mit erneuerter Entschlossenheit fortsetzen, bis diese Bedrohung vollständig beseitigt ist.“
Le président du Tchad le maréchal Mahamat Deby Itno s'adresse aux chefs d'États africains après l'attaque ayant fait 23 morts dans un camp militaire. pic.twitter.com/1CWiFH9tKR
— SAHEL Brut (@sahelbrut3) May 6, 2026
Der Angriff trifft die tschadischen Streitkräfte nach einer Reihe schwerer Zwischenfälle im Tschadsee-Gebiet. Bereits im Oktober 2024 waren bei einem Angriff in der Region 40 Soldaten getötet worden. Déby Itno hatte danach persönlich eine Gegenoffensive geleitet.
Tschadsee-Becken bleibt Rückzugsraum bewaffneter Gruppen
Die Provinz Lac liegt in einem Sicherheitsraum, der Nigeria, Niger, Kamerun und den Tschad verbindet. Inseln, Sümpfe und schwer kontrollierbare Grenzverläufe bieten Boko Haram und der mit dem sogenannten Islamischen Staat verbundenen Provinz Westafrika Rückzugsräume.
Bewaffnete Gruppen greifen dort Militärposten, Dörfer und Verkehrswege an. Sie finanzieren sich auch über erzwungene Abgaben von lokalen Gemeinschaften. Die Gewalt im Tschadsee-Becken hat in den vergangenen Jahren Tausende Menschen getötet und Millionen Menschen vertrieben.
Der Tschad gilt regional als wichtiger militärischer Akteur im Kampf gegen jihadistische Gruppen. Die wiederholten Angriffe in der Provinz Lac zeigen zugleich die anhaltende Verwundbarkeit der Grenzregion.

