Goethe-Institut eröffnet in Dakar neuen Standort aus Lehm

Ein Kulturhaus aus Lehm, entworfen von Francis Kéré: Das neue Goethe-Institut in Dakar ist eröffnet und verbindet Sprachunterricht, Architektur und kulturellen Austausch an einem der sichtbarsten Standorte der Stadt.

Das Goethe-Institut hat in Dakar seinen neuen Standort eröffnet und damit ein architektonisch wie kulturpolitisch auffälliges Zeichen in Westafrika gesetzt. Die Einweihung fand am 18. April mit einem mehrtägigen Kulturprogramm statt. Der Neubau wurde vom burkinisch-deutschen Architekten Francis Kéré entworfen und setzt auf gepresste Lehmziegel, natürliche Belüftung und offene Begegnungsräume. Das Haus soll Sprachunterricht, Ausstellungen, Debatten und künstlerische Formate künftig unter einem Dach bündeln.

Ein Neubau mit offener Struktur

Der neue Gebäudekomplex liegt im Herzen Dakars und gruppiert sich um einen alten Baobab-Baum. Klassenräume, Bibliothek, Auditorium, Garten und Aufenthaltsbereiche sind so angelegt, dass Unterricht, kulturelle Veranstaltungen und informelle Begegnungen ineinandergreifen.

Das Goethe-Institut beschreibt den Bau als neuen Lern-, Arbeits- und Begegnungsraum. Bei der Eröffnung sprach Präsidentin Gesche Joost von einem Haus, das „erstmals auf afrikanischem Boden eigens für den kulturellen Dialog des Goethe-Instituts entworfen wurde“.

Auch Staatsministerin Serap Güler stellte den politischen Gehalt des Projekts heraus. Der Neubau sei „ein besonderer Meilenstein“ in den Beziehungen zwischen Deutschland und Senegal und werde als Ort der Begegnung beide Länder noch enger verbinden.

Francis Kéré setzt auf Lehm statt Beton

Architektonisch fällt das Haus vor allem durch seine Materialwahl auf. Verwendet wurden gepresste Lehmziegel aus der roten Erde Senegals, ergänzt durch einige tragende Elemente aus Stahlbeton. Schattenspendende Fassaden, Innenhöfe und Luftzirkulation sollen das Gebäude auch ohne aufwendige Kühlung nutzbar machen.

Francis Kéré nannte es bei der Eröffnung ein mutiges Signal, in einer afrikanischen Hauptstadt ein solches Kulturhaus aus Erde zu bauen. Statt glatter Beton- und Glasarchitektur setzt der Bau auf lokale Materialien und traditionelle Techniken in zeitgenössischer Form. Kéré sprach davon, dass das Haus als Katalysator für den Baustoff Lehm wirken könne.

Der in Burkina Faso geborene und in Berlin lebende Architekt zählt zu den bekanntesten Stimmen einer Architektur, die lokales Wissen, Klimatauglichkeit und moderne Gestaltung zusammenführt. 2022 erhielt er den Pritzker-Preis.

Kulturhaus, Sprachzentrum und öffentlicher Treffpunkt

Mit dem Umzug beginnt für das Goethe-Institut in Dakar zugleich eine neue Arbeitsphase. Sprachkurse laufen dort bereits seit Februar. In den kommenden Monaten sollen nach und nach auch Bibliothek, Veranstaltungssaal und Garten vollständig in Betrieb gehen.

Institutsleiterin Stéphanie Petit kündigte an, der neue Ort solle für Ausstellungen, Installationen, Filmvorführungen, Performances und Debatten genutzt werden. Zum Auftakt setzt das Programm vor allem auf Künstlerinnen und Künstler aus Senegal. Geplant ist zudem eine enge Zusammenarbeit mit lokalen Kuratorinnen, Kuratoren, Schulen und der Universität.

Zur Eröffnung gehören Gespräche mit Francis Kéré und Vertreterinnen und Vertretern der senegalesischen Kulturszene, Konzerte, Performances und Angebote rund um die deutsche Sprache. Auch der Dokumentarfilm „Die Rote und die Graue Materie“, eine Koproduktion von Deutscher Welle und Goethe-Institut, wurde im Rahmen des Programms präsentiert.

Goethe-Institut baut auf langjährige Präsenz im Senegal auf

Das Goethe-Institut ist seit 1978 im Senegal aktiv. Es begleitet nach eigenen Angaben landesweit mehr als 200 Schulen sowie vier PASCH-Schulen mit rund 22.000 Deutschlernenden. Hinzu kommen Kulturprogramme mit senegalesischen Partnern zu Themen wie Dekolonialisierung, Nachhaltigkeit, Museen der Zukunft und Fachkräftemigration.

In den vergangenen sieben Jahren arbeitete das Institut in Dakar ohne eigenes Haus und wich mit seinen Programmen auf andere Kulturorte aus, darunter die Place du Souvenir, das Museum Théodore Monod, das Museum der schwarzen Zivilisationen, die Maison de l’Oralité und regionale Kulturzentren. Diese Zusammenarbeit mit lokalen Einrichtungen soll auch nach der Eröffnung des Neubaus fortgesetzt werden.

Mit dem neuen Standort erhält das Institut nun wieder einen festen architektonischen Mittelpunkt. In Dakar entsteht damit ein Kulturhaus, das nicht nur deutsche Sprach- und Kulturarbeit sichtbar machen soll, sondern auch den urbanen und architektonischen Debatten der Stadt einen neuen Ort gibt.

Verwandte Beiträge
Mehr lesen

Senegal und IWF einigen sich auf neues 2,2-Milliarden-Dollar-Programm

Senegal und IWF einigen sich auf neues 2,2-Milliarden-Dollar-Programm Senegal und der Internationale Währungsfonds haben eine vorläufige Einigung über ein neues Finanzierungsprogramm von rund 2,2 Milliarden US-Dollar erzielt. Die Verständigung auf Arbeitsebene wurde am Dienstag nach einer IWF-Mission in Dakar vom 19. August bis 1. September erreicht. Das Programm soll über 36 Monate laufen und die Staatsfinanzen stabilisieren, nachdem das vorherige IWF-Programm wegen falsch ausgewiesener Schuldendaten zum Stillstand gekommen war. Zugleich haben die senegalesischen Behörden angekündigt, eine Behandlung ihrer Staatsschulden anzustreben, um deren Tragfähigkeit wiederherzustellen. Das geplante Programm soll über die Erweiterte Kreditfazilität des IWF finanziert werden. Vorgesehen sind 1,537 Milliarden Sonderziehungsrechte, was nach den veröffentlichten Angaben etwa 2,2 Milliarden Dollar und 475 Prozent der senegalesischen IWF-Quote entspricht. Eine endgültige Zusage ist damit noch nicht verbunden. Die Vereinbarung muss zunächst von der IWF-Leitung und anschließend vom Exekutivdirektorium gebilligt werden. Dakar will Schuldenproblem angehen Zu den zentralen Punkten gehört die angekündigte Absicht der senegalesischen Regierung, eine Behandlung der Staatsschulden zu beantragen. Damit soll deren Tragfähigkeit wiederhergestellt werden. Wie eine solche Schuldenbehandlung konkret aussehen soll und welche Gläubiger betroffen wären, wurde zunächst nicht näher ausgeführt. Die Ankündigung schafft jedoch erstmals mehr Klarheit über den Kurs der Regierung nach monatelanger Unsicherheit über den Umgang mit der stark gestiegenen Verschuldung. La Nouvelle Tribune beziffert die öffentliche Verschuldung Senegals inzwischen auf rund 132 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der Schuldendienst soll demnach etwa 5.500 Milliarden CFA-Franc erreichen. Das künftige IWF-Programm soll die Einnahmen des Staates erhöhen und zugleich die Ausgaben stärker kontrollieren. Ab 2027 ist eine mittelfristige Strategie zur Mobilisierung zusätzlicher Staatseinnahmen vorgesehen. Daneben sollen Schuldenmanagement, Kontrolle von Zahlungsrückständen und Aufsicht über Staatsunternehmen verbessert werden. Für einkommensschwächere Haushalte sind gezieltere Geldtransfers und andere soziale Schutzmaßnahmen vorgesehen. Falsch ausgewiesene Schulden blockierten bisherige Zusammenarbeit Die neue Vereinbarung folgt auf eine längere Unterbrechung der finanziellen Zusammenarbeit zwischen Dakar und dem IWF. Das vorherige Programm war ausgesetzt worden, nachdem die neue senegalesische Führung Unregelmäßigkeiten bei der Erfassung staatlicher Verbindlichkeiten aus den Jahren 2019 bis 2023 offengelegt hatte. Ein Bericht des senegalesischen Rechnungshofs bestätigte im Februar 2025 erhebliche Probleme bei der Verbuchung der öffentlichen Verschuldung. Verschiedene Schätzungen über die zuvor nicht ausgewiesenen Verpflichtungen lagen zwischen sieben und mehr als elf Milliarden Dollar. Der IWF verlangt deshalb weitere Korrekturmaßnahmen. Sie sollen den senegalesischen Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung im Zusammenhang mit der früheren Übermittlung falscher Daten stützen. Darüber hinaus benötigt der Fonds Finanzierungszusagen der internationalen Partner Senegals, bevor das neue Programm endgültig genehmigt werden kann. Öl treibt Wachstum, übrige Wirtschaft bleibt schwächer Der IWF bewertet die senegalesische Wirtschaft trotz der angespannten Staatsfinanzen als widerstandsfähig. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2025 um 6,7 Prozent, getragen von der ersten vollständigen Jahresproduktion im Ölsektor. Außerhalb des Öl- und Gassektors lag das Wachstum dagegen lediglich bei 2,2 Prozent. Die Inflationsrate betrug 1,4 Prozent. Im ersten Quartal 2026 beschleunigte sich das Wachstum außerhalb der Kohlenwasserstoffbranche nach den veröffentlichten Angaben auf 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Einen wesentlichen Beitrag leistete die private Nachfrage. Die Gespräche in Dakar führte IWF-Missionschefin Mercedes Vera Martin unter anderem mit Präsident Bassirou Diomaye Faye, Premierminister Ahmadou Al Aminou Lo, Finanz- und Wirtschaftsminister Cheikh Diba, Budgetminister Bassirou Sarr sowie Vertretern der westafrikanischen Zentralbank BCEAO. IWF-Programm könnte weitere Finanzierungen freimachen Eine endgültige Genehmigung des neuen IWF-Programms könnte Senegal auch den Zugang zu weiteren Finanzierungen erleichtern. Genannt werden unter anderem die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank und weitere Entwicklungspartner. Das vorherige, 2023 vereinbarte Finanzierungspaket aus mehreren IWF-Instrumenten hatte ein Volumen von rund 1,5 Milliarden Dollar. Seine Umsetzung wurde nach Bekanntwerden der Probleme mit den Schuldendaten gestoppt.
Total
0
Share