Die frühere First Lady Gabuns, Sylvia Bongo Ondimba, hat schwere Vorwürfe gegen die Behörden ihres Landes erhoben. In einem Interview mit dem Fernsehsender France 24 erklärte sie aus dem Exil in London, sie sei nach dem Machtwechsel im August 2023 gemeinsam mit ihrem Sohn während der Haft misshandelt worden und werde nicht nach Gabun zurückkehren.
Die Regierung in Libreville wies die Vorwürfe am 8. März entschieden zurück und sprach von falschen Darstellungen.
Sylvia Bongo berichtet über Haft nach Machtwechsel
Sylvia Bongo erklärte im Interview, sie und ihr Sohn Noureddine Bongo Valentin seien nach dem Sturz ihres Ehemanns, des ehemaligen Präsidenten Ali Bongo Ondimba, festgenommen worden.
Sie berichtete, während der Haft seien sie unter Druck gesetzt und misshandelt worden. „Sie haben mir Hände und Füße gebunden und kaltes Wasser über mich gegossen“, sagte sie. Ihr Sohn sei ebenfalls geschlagen worden, bevor sie gezwungen worden sei, Dokumente zu unterschreiben.
Die frühere First Lady wies zudem Vorwürfe zurück, sie habe nach dem Schlaganfall ihres Mannes politischen Einfluss ausgeübt oder Regierungsentscheidungen getroffen.

„In 14 Jahren war ich vielleicht drei Mal im Büro meines Mannes. Ich verstehe nichts von Politik und habe mich nie in die Politik Gabuns eingemischt“, erklärte sie. Am Ende des Interviews sagte sie, sie werde nicht mehr nach Gabun zurückkehren.
Regierung weist Vorwürfe zurück
Die gabunische Regierung reagierte mit einer Pressekonferenz des Kommunikationsministers Germain Biahodjow in Libreville.
Der Minister erklärte, die Aussagen der ehemaligen First Lady seien „Gegenwahrheiten und verzerrte Darstellungen“. Die Regierung weise die Vorwürfe von Folter und Misshandlungen entschieden zurück.
Biahodjow erklärte, Sylvia Bongo, ihr Sohn und weitere Beschuldigte seien während ihrer Haft gemäß den geltenden Rechtsvorschriften und unter Wahrung ihrer Würde behandelt worden.
Kritik an Berichterstattung internationaler Medien

Der Kommunikationsminister kritisierte zudem die Berichterstattung des Senders France 24. Er erklärte, der Staat Gabun verurteile die Ausstrahlung von Informationen, die aus Sicht der Regierung nicht ausreichend überprüft worden seien.
Sollten weiterhin derartige Inhalte verbreitet werden, behalte sich die Regierung vor, die Ausstrahlung entsprechender Programme im Land vorübergehend auszusetzen.
Gleichzeitig erklärte Biahodjow, er sei bereit, selbst in einer Sendung von France 24 Stellung zu nehmen, um die Position der Regierung darzulegen.
Politischer Hintergrund

Der politische Machtwechsel in Gabun erfolgte im August 2023, als Militärs nach den Präsidentschaftswahlen die Macht übernahmen. Der Übergang wird seitdem von Präsident Brice Clotaire Oligui Nguema geführt.
Nach Angaben der Regierung verlief der Machtwechsel ohne Blutvergießen. Mehrere Vertreter der früheren Regierung wurden jedoch festgenommen oder stehen weiterhin unter Ermittlungen.
