Ruanda passt Kaffee an neue EU-Vorgaben an

Ruanda will seinen Kaffeesektor systematisch an neue europäische Lieferketten- und Entwaldungsvorgaben anpassen. Die Regierung kündigte gemeinsam mit dem National Agriculture and Export Development Board (NAEB), dem United Nations Development Programme (UNDP) und der Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) die offizielle Einführung einer Roadmap an.

Ziel ist es, Ruandas Kaffeeproduktion mit den Anforderungen der EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) sowie den Sorgfaltspflichten-Richtlinien (CSDDD) in Einklang zu bringen.

Entwaldungsfreiheit als Voraussetzung

Die neuen EU-Regeln schreiben vor, dass exportierter Kaffee nicht auf Flächen angebaut worden sein darf, auf denen seit 2020 Entwaldung stattgefunden hat. Zudem müssen Umwelt- und Menschenrechtsstandards entlang der gesamten Lieferkette eingehalten werden.

Europa ist mit über 61 Prozent der wichtigste Absatzmarkt für ruandischen Kaffee. In der Saison 2024/2025 erzielte das Land mit Kaffeeexporten Einnahmen von mehr als 148,6 Millionen US-Dollar. Rund 400.000 Kleinbauern sind direkt vom Kaffeesektor abhängig.

Rückverfolgbarkeit und digitale Kontrolle

Auf einem Workshop in Kigali informierte das NAEB Produzenten, Exporteure und Kooperativen über die Anforderungen. Zentrale Elemente sind die lückenlose Rückverfolgbarkeit der Lieferkette, die Nutzung von GPS-Daten zur Flächenverifikation sowie digitale Informationssysteme.

Nach Angaben der Behörde verfügt Ruanda bereits über Umwelt- und Landnutzungsrichtlinien, die Waldgebiete klar von landwirtschaftlichen Flächen trennen. Die neue Roadmap soll bestehende Standards bündeln und an die europäischen Vorgaben anpassen.

Strukturelle Herausforderungen

Neben regulatorischen Anforderungen steht der Sektor vor strukturellen Problemen. Viele Kaffeeplantagen leiden unter alternden Beständen, niedriger Produktivität und begrenztem Zugang zu Finanzierung, Betriebsmitteln und klimaresilienten Anbaumethoden.

Die Roadmap definiert Prioritäten und Zeitpläne für die Umsetzung. Vorgesehen ist unter anderem die Einrichtung eines zentralen Informationssystems beim NAEB, um Doppelstrukturen zu vermeiden und insbesondere Kleinbauern besseren Zugang zu Marktinformationen zu ermöglichen.

Für Kigali ist die Einhaltung der EU-Vorgaben nicht nur eine Handelsfrage, sondern eine wirtschaftspolitische Priorität. Ein Verlust des europäischen Marktzugangs würde direkte Auswirkungen auf Einkommen im ländlichen Raum und auf die Deviseneinnahmen des Landes haben.

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