Geheimdienst bestätigt 1.000 Kenianer sollen für Russland im Ukraine-Krieg kämpfen

Mehr als 1.000 kenianische Staatsbürger sollen auf russischer Seite im Krieg gegen die Ukraine kämpfen. Das geht aus einem Bericht des National Intelligence Service hervor, der dem kenianischen Parlament vorgelegt wurde. Die Zahl liegt demnach deutlich über früheren Schätzungen der Behörden, die im November 2025 noch von rund 200 Kämpfern ausgegangen waren.

Rekrutierung über inoffizielle Netzwerke

Nach Darstellung des Parlamentsmehrheitsführers Kimani Ichung’wah habe ein Netzwerk aus mutmaßlich korrupten Staatsbediensteten und Menschenhändlerringen gezielt Kenianer für den Krieg angeworben. Besonders angesprochen worden seien ehemalige Soldaten, Polizisten sowie arbeitslose junge Männer.

Den Betroffenen seien Monatsgehälter von rund 350.000 kenianischen Schilling sowie Bonuszahlungen von bis zu 1,2 Millionen Schilling in Aussicht gestellt worden. Laut Bericht befanden sich im Februar 2026 89 Kenianer an der ukrainischen Front, 39 seien verletzt oder hospitalisiert, 28 gelten als vermisst.

Die Rekrutierten seien zunächst mit Touristenvisa über den internationalen Flughafen von Nairobi ausgereist, häufig über Transitstationen in der Türkei oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. Nachdem die Überwachung verschärft worden sei, hätten sich Ausweichrouten über Uganda, Südafrika oder die Demokratische Republik Kongo etabliert.

Russland weist Vorwürfe zurück

Die Botschaft der Russischen Föderation in Kenia wies Vorwürfe einer illegalen Rekrutierung zurück. In einer Stellungnahme erklärte sie, die russischen Behörden hätten zu keinem Zeitpunkt Kenianer illegal angeworben oder Visa mit dem ausdrücklichen Zweck der Teilnahme an militärischen Operationen in der Ukraine ausgestellt.

Zugleich verwies die Botschaft darauf, dass nach russischem Recht ausländische Staatsangehörige sich freiwillig den russischen Streitkräften anschließen könnten, sofern sie sich legal im Land aufhalten.

Diplomatische Spannungen

Kenia kündigte an, die Vorgänge diplomatisch anzusprechen. Außenminister Musalia Mudavadi plant nach Angaben der Regierung einen Besuch in Moskau, um eine formelle Protestnote zu übermitteln.

Berichte über afrikanische Staatsangehörige, die mit Jobversprechen nach Russland gelockt und anschließend an die Front geschickt worden seien, häufen sich seit Monaten. Im November 2025 hatte die Ukraine erklärt, rund 1.400 Staatsbürger aus mehr als drei Dutzend afrikanischen Ländern kämpften auf russischer Seite, teilweise nach irreführenden Anwerbepraktiken.

Der Fall verschärft die Debatte über private Rekrutierungsnetzwerke, staatliche Verantwortung und die Rolle ausländischer Kämpfer im russisch-ukrainischen Krieg.

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