Afrika verfügt über ein geschätztes Rohstoffvermögen von 29,5 Billionen US-Dollar, nutzt davon jedoch nur einen Bruchteil der möglichen industriellen Wertschöpfung. Das geht aus dem neuen „Compendium of Africa’s Strategic Minerals 2026“ der Africa Finance Corporation hervor, das in Kapstadt vorgestellt wurde. Die Studie rückt Infrastruktur, regionale Nachfrage und industrielle Verarbeitung ins Zentrum einer künftigen Rohstoffstrategie.
Nach Angaben der Africa Finance Corporation entspricht das geschätzte Mine-Site-Vermögen rund 20 Prozent des globalen Mineralreichtums. 8,6 Billionen US-Dollar davon gelten als bislang unerschlossen. Die Institution beziffert diesen Wert als etwa zweieinhalbmal so hoch wie das aktuelle Bruttoinlandsprodukt des Kontinents.
Wertschöpfung jenseits des Rohstoffabbaus
Die AFC betont, dass der eigentliche wirtschaftliche Hebel nicht im Abbau selbst liege, sondern in der Weiterverarbeitung. Am Beispiel von Eisenerz zeigt die Studie, dass sich ein Mine-Site-Wert von 2,8 Billionen US-Dollar bei industrieller Nutzung in ein Stahlvolumen von rund 25,4 Billionen US-Dollar übersetzen lasse. Ähnliche Effekte werden für Bauxit beschrieben, dessen Wert sich durch Verarbeitung zu Aluminium um ein Vielfaches erhöhe.

AFC-Präsident Samaila Zubairu erklärte zur Vorstellung des Berichts, Ziel sei es, „den Sektor aus einer afrikanischen Perspektive neu zu rahmen und das vorhandene Rohstoffvermögen in konkrete Umsetzungsstrategien für gemeinsamen Wohlstand zu überführen“. Das Kompendium verknüpfe Lagerstätten und Produktionsdaten mit Energie- und Verkehrsinfrastruktur sowie regionalen Industriekorridoren.
Infrastruktur als zentrale Stellschraube

Die Studie identifiziert strukturelle Fehlanpassungen zwischen Rohstoffvorkommen, Infrastruktur und Nachfrage. Produktion, Verarbeitungskapazitäten und Endmärkte lägen häufig nicht in denselben Regionen. Dadurch bleibe der Kontinent in vielen Wertschöpfungsketten auf den Export unverarbeiteter Rohstoffe beschränkt.
Als zentrale Voraussetzungen nennt die Africa Finance Corporation eine verlässliche und wettbewerbsfähige Energieversorgung, leistungsfähige Schienen- und Hafeninfrastruktur sowie regionale Industriezonen mit gebündelter Nachfrage. Der Bericht kartiert dazu Minen, Bahnlinien, Häfen und Stromerzeugungskapazitäten, um potenzielle industrielle Cluster zu identifizieren.
Globale Verschiebungen erhöhen strategische Bedeutung
Vor dem Hintergrund zunehmender Handelskonflikte und exportpolitischer Restriktionen sieht die AFC eine wachsende strategische Rolle afrikanischer Rohstoffe. Besonders bei stark konzentrierten Verarbeitungsmärkten wie Mangan, Seltenen Erden oder Graphit könne Afrika als diversifizierende Alternative auftreten.

Zugleich verweist das Kompendium auf neue Projekte: Seltene-Erden-Vorkommen in Angola, Graphitförderung in Mosambik sowie wiederaufgenommene Uranproduktion in Namibia und Malawi.
Gold als makroökonomischer Stabilitätsfaktor
Ein eigenes Kapitel widmet die AFC der Rolle von Gold. Mehr als fünf Billionen US-Dollar an Mine-Site-Wert seien auf dem Kontinent verzeichnet. Offizielle Goldreserven afrikanischer Staaten seien zwischen 2014 und 2025 von 605 auf über 738 Tonnen gestiegen.
Gold ermögliche es rohstoffreichen Volkswirtschaften, Reserven aufzubauen und Devisenpositionen zu stabilisieren.