Massaker in Kwara und Woro fordert mindestens 75 Tote

Im nigerianischen Bundesstaat Kwara sind die Ortschaften Woro und Nuku im Verwaltungsgebiet Kaiama Ziel eines schweren Angriffs geworden. Gouverneur Abdulrahman AbdulRazaq sprach nach einem Besuch in der Region von einem „reinen Massaker“ und erklärte, 75 getötete Menschen seien bereits beerdigt worden. Präsident Bola Tinubu ordnete die Entsendung eines Armeebataillons an und ließ einen neuen militärischen Einsatzverband unter dem Namen „Operation Savannah Shield“ einrichten.

Woro und Nuku im Fokus: Überfall auf Dörfer, Brände und Fluchtbewegungen

Der Angriff ereignete sich in der Nacht zu Dienstag. In Woro wurden nach Angaben der Landesregierung mindestens 75 Menschen getötet. In Nuku wurden demnach Sachwerte beschädigt. Mehrere Berichte schildern, dass Bewaffnete zudem Geschäfte und die Residenz eines traditionellen Herrschers in Brand gesetzt hätten. Bewohnerinnen und Bewohner seien in umliegende Buschgebiete geflohen, weitere Menschen seien verschleppt worden.

In Teilen der Berichterstattung wird ein deutlich höherer Umfang der Gewalt beschrieben. Dort ist von über 160 Toten die Rede. Auch eine Erklärung der Afrikanischen Union nennt mindestens 162 Todesopfer. Die unterschiedlichen Zahlen stehen nebeneinander, während die lokale Polizei nach einer Fernsehauskunft am Freitag den Stand von 75 bestätigten Toten nannte.

Gouverneur: Angriff unterscheidet sich von Entführungen

Gouverneur AbdulRazaq sagte, der Vorfall unterscheide sich von Mustern, die in der Region zuvor häufig mit Entführungen gegen Lösegeld verbunden gewesen seien. Er sprach von einer gezielten Tötung und kondolierte dem Emir von Kaiama, Muazu Omar, sowie den betroffenen Gemeinden.

Nach seiner Darstellung sei die muslimische Bevölkerung angegriffen worden, weil sie sich einer ideologischen Einflussnahme verweigert habe. Er kündigte an, die Verantwortlichen würden verfolgt. Innerhalb des nächsten Monats solle das Gebiet mit zusätzlichen Soldaten verstärkt werden.

Tinubu entsendet Militär: „Operation Savannah Shield“

Präsident Tinubu ließ nach Angaben seines Sprechers Bayo Onanuga ein Armeebataillon nach Kwara verlegen. Der neue militärische Kommandorahmen soll „Operation Savannah Shield“ führen. Tinubu verurteilte den Angriff und erklärte, die Täter hätten gezielt weiche Ziele angegriffen. Er verwies darauf, dass die betroffenen Dorfbewohner eine Indoktrination abgelehnt hätten. Gleichzeitig forderte er eine engere Zusammenarbeit zwischen föderalen und staatlichen Stellen, um Betroffene zu unterstützen und Strafverfolgung zu ermöglichen.

Die Sicherheitskräfte hatten bereits im Januar eine „koordinierte Offensive“ Operationen gegen bewaffnete Gruppen in Kwara gemeldet. Dabei seien abgelegene Lager zerstört und logistische Strukturen geschwächt worden. Nach dem aktuellen Angriff ordnete die Polizei weitere taktische und nachrichtendienstliche Kräfte für Kaiama an und erklärte, eine Fahndung laufe.

Verletzte in Krankenhäusern, politischer Druck wächst

Mehr als 50 Überlebende werden nach Angaben aus der Region wegen Verletzungen in Krankenhäusern behandelt, darunter Schusswunden. Senator Sadiq Umar, der Kwara North im Senat vertritt, besuchte Verletzte, sprach von einem erschütternden Ereignis und lobte die Entsendung zusätzlicher Sicherheitskräfte. Er verwies zugleich auf anhaltende Sicherheitsprobleme im nördlichen Teil des Bundesstaats.

Kwara hatte im Umfeld der jüngsten Sicherheitslage in einzelnen Gebieten Ausgangsbeschränkungen verhängt und Schulen zeitweise geschlossen, bevor sie nach Wochen wieder öffnen sollten.

Wer steckt hinter dem Angriff: mehrere Gruppen im Umfeld aktiv

Eine Sicherheitsanalyse ordnet den Angriff mutmaßlich Boko-Haram-nahen Strukturen zu und verweist auf eine sogenannte Sadiku-Fraktion, die seit 2020 in Nordwestnigeria aktiv sein soll. Als Rückzugsraum wird der Bereich um den Kainji-Lake-Nationalpark nahe der Grenze zwischen Niger und Kwara genannt. Demnach seien in den Monaten vor dem Angriff Warnschreiben und Flugblätter an die betroffenen Orte gelangt.

In derselben Region operieren nach dieser Einschätzung weitere jihadistische Akteure, darunter JNIM-nahe Strukturen sowie eine IS-Sahel-Province-nahe Gruppierung. Außerdem wird eine lokale salafi-jihadistische Formation genannt, die unter dem Namen „Mahmuda“ bekannt ist. Diese Akteure werden als Teil der Gemengelage beschrieben, ohne dass eine eindeutige Zuordnung des Angriffs zu allen genannten Gruppen vorgenommen wird.

Internationale Reaktionen: UN, USA, Türkei und Deutschland äußern sich

Auf internationaler Ebene verurteilten die Vereinten Nationen den Angriff. UN-Generalsekretär António Guterres erklärte, er verurteile die Tat, kondolierte den Angehörigen und wünschte den Verletzten Genesung. Die US-Mission in Nigeria sprach von einem „schrecklicher Angriff“, verwies auf eine unbestätigte und noch nicht abschließend geklärte Opferzahl und begrüßte die Entsendung von Sicherheitskräften.

Die Türkei erklärte, sie sei „zutiefst betrübt“, verurteile den Angriff und wolle Nigeria im Kampf gegen Terrorismus weiter unterstützen. Das Auswärtige Amt verurteilte bewaffnete Angriffe auf zwei Dörfer im Westen Nigerias und verwies auf deutsche Beiträge zur Sicherheitsunterstützung, unter anderem über eine Beratergruppe der Bundeswehr.

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