Wie agiert Dschibuti im Zentrum der geopolitischen Spannungen am Horn von Afrika?

Djibouti hat Ende Januar und Anfang Februar 2026 eine Reihe hochrangiger politischer und militärischer Begegnungen ausgerichtet. Präsident Ismail Omar Guelleh empfing führende Vertreter Frankreichs und der Vereinigten Staaten und nahm zugleich an regionalen Konsultationen mit Äthiopien und Somalia teil. Die Gespräche standen im Zeichen sicherheitspolitischer Kooperation, regionaler Integration und wirtschaftlicher Entwicklungsprojekte in der strategisch wichtigen Region am Horn von Afrika. Dschibuti positioniert sich damit erneut als zentraler Akteur in internationalen Partnerschaften und regionalen Abstimmungsprozessen.

Frankreich und Dschibuti: Militärische Kooperation im geopolitischen Wandel

Präsident Ismail Omar Guelleh empfing den neuen Chef des Generalstabs der französischen Streitkräfte, General Fabien Mandon, im Präsidentenpalast in Dschibuti. General Mandon überbrachte dabei ein schriftliches Schreiben des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Im Mittelpunkt der Gespräche stand der Stand der bilateralen Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Dschibuti, die sich auf sicherheitspolitische, wirtschaftliche und institutionelle Bereiche erstreckt.

Beide Seiten thematisierten zudem die Herausforderungen für das strategische Partnerschaftsverhältnis vor dem Hintergrund veränderter globaler und regionaler Machtkonstellationen. General Mandon erklärte nach dem Treffen, angesichts neuer, vielfältiger Bedrohungen in der Region komme der Verlässlichkeit von Partnerschaften besondere Bedeutung zu. Er verwies zugleich auf das hohe Niveau der Zusammenarbeit und Solidarität zwischen beiden Ländern in unterschiedlichen Sektoren. Laut Angaben der Agence Djiboutienne d’Information diente der Besuch auch dazu, sich ein Bild von der praktischen militärischen Kooperation zwischen den Streit- und Sicherheitskräften beider Staaten zu machen.

Gespräche mit den Vereinigten Staaten: Sicherheit der Seewege im Fokus

Kurz zuvor hatte Präsident Guelleh den stellvertretenden US-Außenminister Christopher Landau zu Gesprächen empfangen. Thema war ein umfassender Überblick über die bilateralen Beziehungen sowie mögliche Erweiterungen des sicherheitspolitischen Engagements angesichts zunehmender regionaler Krisen. Landau betonte nach dem Treffen die Bedeutung der Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Terrorismus und Piraterie sowie bei der Sicherung der Schifffahrtswege im Roten Meer, das als zentrale Handelsroute für den Welthandel gilt.

In seiner Stellungnahme hob Landau hervor, die Vereinigten Staaten seien entschlossen, ihre strategische Partnerschaft mit Dschibuti fortzuführen. An den Gesprächen nahmen unter anderem der AFRICOM-Kommandeur General Dagvin Anderson sowie die US-Botschafterin in Djibouti teil. Auf djiboutischer Seite waren Vertreter aus Außen-, Verteidigungs- und Sicherheitsressorts anwesend.

Gemeinsames Militärmanöver unterstreicht bilaterale Verteidigungszusammenarbeit

Parallel zu den politischen Konsultationen führten die Streitkräfte Dschibutis und der USA ein groß angelegtes gemeinsames Militärmanöver nahe des Schießplatzes Maryama durch. Beteiligt waren Einheiten des Bataillon d’Intervention Rapide der dschibutischen Streitkräfte sowie amerikanische Truppen. Die Übung umfasste unter anderem Gefechtstraining, Schießübungen und die Koordination zwischen Einheiten.

Das Manöver fand im Rahmen des bilateralen Aktionsplans statt und wurde von Vertretern beider Armeen begleitet. Ziel war die Stärkung der Einsatzbereitschaft und der Interoperabilität. Der Schießplatz Maryama gilt als zentrales Ergebnis der militärischen Kooperation und als wichtiger Baustein für den Kapazitätsaufbau der djiboutischen Streitkräfte.

Regionale Diplomatie: Trilaterale Gespräche in Jigjiga

Neben den internationalen Kontakten engagierte sich Präsident Guelleh auch auf regionaler Ebene. In der äthiopischen Stadt Jigjiga nahm er gemeinsam mit dem äthiopischen Premierminister Abiy Ahmed und dem somalischen Präsidenten Hassan Cheikh Mahmoud an trilateralen Gesprächen teil. Diese fanden am Rande der Einweihung des touristischen Großprojekts „Shebelle Resort“ sowie weiterer Energieinfrastruktur statt.

Die Gespräche zielten auf eine koordinierte Antwort auf sicherheitspolitische Herausforderungen und auf die Vertiefung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Dschibuti, Äthiopien und Somalia. Präsident Guelleh erklärte, die Realisierung großer Entwicklungsprojekte sei möglich, wenn Staaten auf Verständigung und gegenseitiges Vertrauen setzten. Die drei Staats- und Regierungschefs bekräftigten ihre Absicht, den Austausch in den Bereichen Sicherheit, Infrastruktur und wirtschaftliche Integration auszubauen.

Wirtschaftliche Entwicklung und regionale Integration

Das in Jigjiga eröffnete „Shebelle Resort“ ist Teil einer äthiopischen Strategie zur Förderung des Tourismus in verschiedenen Landesteilen. Das Projekt umfasst Hotels, Wohnanlagen und Freizeitangebote und ist in ein nationales Entwicklungsprogramm eingebettet, das seit 2023 umgesetzt wird. Im Anschluss an die Eröffnung nahm Präsident Guelleh zudem an der Inbetriebnahme eines Windkraftwerks in der grenznahen Region Aysha teil.

Die gemeinsamen Auftritte der Staatschefs bei Infrastruktur- und Tourismusprojekten verdeutlichen den Anspruch, wirtschaftliche Entwicklung, regionale Vernetzung und Stabilität miteinander zu verbinden. In einem internationalen Umfeld zunehmender Konkurrenz um Einfluss am Horn von Afrika setzen Dschibuti, Äthiopien und Somalia damit auf abgestimmte politische und wirtschaftliche Ansätze.

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