Präsident Al-Sisi wirbt in Davos für Wirtschaftsreformen und Waffenruhe in Gaza

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah Al-Sisi hat beim Weltwirtschaftsforum in Davos die wirtschaftspolitischen Reformen seines Landes, die wachsende Rolle des Privatsektors und Ägyptens diplomatische Bemühungen um eine Waffenruhe im Gazastreifen hervorgehoben. In einem Sonderdialog zu Ägypten betonte Sisi die Bedeutung internationaler Partnerschaften, wirtschaftlicher Stabilität und einer regelbasierten internationalen Ordnung.

Davos als Plattform für internationale Kooperation

Sisi sprach im Rahmen des jährlichen Treffens des World Economic Forum, das in diesem Jahr unter dem Motto „A Spirit of Dialogue“ steht. Er dankte dem Präsidenten des Weltwirtschaftsforums, Børge Brende, für die Einladung und bezeichnete Davos als zentrale Plattform zur Bewältigung globaler Herausforderungen und zur Förderung einer ausgewogeneren wirtschaftlichen Entwicklung.

Der ägyptische Präsident verwies auf tiefgreifende Veränderungen in der internationalen Zusammenarbeit, den wachsenden Einfluss technologischer Innovation, digitaler Transformation und künstlicher Intelligenz. Diese Entwicklungen erforderten eine intensivere internationale Kooperation, um Chancen fair zu nutzen. Gleichzeitig warnte er, dass geopolitische Konflikte und Verstöße gegen das Völkerrecht das globale Wachstum schwächten und kollektives Handeln erschwerten.

Multilateralismus und internationale Ordnung

Sisi unterstrich, dass Dialog, internationale Zusammenarbeit, gegenseitiger Respekt und die Einhaltung des Völkerrechts sowie der UN-Charta die einzige Grundlage für dauerhaften Frieden, Stabilität und nachhaltige Entwicklung seien. Er sprach sich für die friedliche Beilegung von Konflikten, die Vermeidung von Eskalationen und eine vertiefte wirtschaftliche Integration aus.

Zugleich forderte er eine stärkere Priorisierung der Bekämpfung von Armut und Hunger sowie eine aktivere Rolle nationaler, regionaler und internationaler Wirtschaftsakteure. Der Privatsektor müsse dabei als zentraler Partner der Entwicklung verstanden werden.

Gaza, Waffenruhe und Rolle Ägyptens

Mit Blick auf den Nahen Osten erklärte Sisi, die Palästinafrage bleibe der Kern regionaler Stabilität. Eine gerechte und umfassende Lösung sei Voraussetzung für dauerhaften Frieden. Er würdigte die Bemühungen von US-Präsident Donald Trump, den Krieg im Gazastreifen zu beenden und die humanitäre Lage der palästinensischen Bevölkerung zu lindern.

Der ägyptische Präsident verwies auf den Friedensgipfel von Scharm el-Scheich vom 13. Oktober 2025, der nach seinen Worten den Höhepunkt ägyptischer Vermittlungsbemühungen markierte. Ziel sei es gewesen, eine Waffenruhe zu erreichen, Frieden zu festigen und einen ernsthaften politischen Prozess einzuleiten. Sisi betonte die Notwendigkeit, die Waffenruhe zu konsolidieren, uneingeschränkten humanitären Zugang nach Gaza sicherzustellen, frühe Wiederaufbaumaßnahmen zu beschleunigen und den Wiederaufbau einzuleiten.

Er begrüßte die Ankündigung der Vereinigten Staaten, eine zweite Phase des Waffenstillstandsabkommens einzuleiten, und bezeichnete diesen Schritt als entscheidend für Deeskalation und regionale Stabilität. Ägypten bleibe dem Ziel einer dauerhaften Lösung auf Grundlage der Zwei-Staaten-Lösung, internationaler Beschlüsse und der Schaffung eines unabhängigen palästinensischen Staates in den Grenzen von 1967 mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt verpflichtet.

Wirtschaftsreformen und Investitionsklima in Ägypten

Im wirtschaftspolitischen Teil seiner Ausführungen hob Sisi hervor, dass Ägypten trotz regionaler und globaler Krisen ein umfassendes Reformprogramm umsetze. Schwerpunkte seien fiskalische und geldpolitische Disziplin, die Wiederherstellung des Vertrauens von Investoren und die Verbesserung des Investitionsrahmens.

Die Regierung habe öffentliche Investitionen begrenzt und einen Plan zur Ausweitung der Beteiligung des Privatsektors umgesetzt. Dies habe zu besseren Wachstumsindikatoren, steigenden privaten Investitionen und positiven Bewertungen durch internationale Finanzinstitutionen wie den International Monetary Fund geführt. Auch internationale Ratingagenturen hätten Ägyptens Bonität zuletzt angehoben.

Sisi kündigte an, die staatliche Eigentumspolitik weiter umzusetzen, das Privatisierungsprogramm voranzutreiben und den wirtschaftlichen Fußabdruck des Staates zu reduzieren. Ziel sei es, dem Privatsektor mehr Raum zu geben.

Branchen, Infrastruktur und regionale Märkte

Der Präsident verwies auf Investitionsmöglichkeiten in Schlüsselbranchen wie Energie, Automobilindustrie einschließlich Elektromobilität, Pharmaindustrie, Logistik, Telekommunikation, Informationstechnologie und Anwendungen künstlicher Intelligenz. Investoren könnten auf eine modernisierte Infrastruktur zurückgreifen, darunter Verkehrswege, Logistikzentren, Freizonen und die Sonderwirtschaftszone am Suezkanal.

Investitionen in Ägypten böten zudem Zugang zu afrikanischen und arabischen Märkten über bestehende Freihandelsabkommen. Zum Abschluss bekräftigte Sisi Ägyptens Engagement für regionale und internationale Stabilität und kündigte an, später im Jahr eine eigene Wirtschaftskonferenz zu Ägypten unter seiner Schirmherrschaft auszurichten.

Bereits am Vortag war Sisi nach Davos gereist. Am Rande des Forums sind Gespräche mit US-Präsident Trump zu regionalen und internationalen Fragen sowie zur bilateralen Zusammenarbeit angekündigt worden, wie MENA berichtet.

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