Eritreas Präsident Afwerki zur globalen Ordnung und den Beziehungen mit den USA

Eritreas Präsident Isaias Afwerki hat in einem ausführlichen Interview mit lokalen Medien die internationale Lage, die Entwicklung der globalen Ordnung sowie die Perspektiven der Beziehungen zwischen Eritrea und den Vereinigten Staaten dargestellt. Im Mittelpunkt standen die Krise des gegenwärtigen Systems globaler Governance, die Folgen der US-Politik unter Präsident Donald Trump und die Auswirkungen auf Afrika und den Raum am Horn von Afrika.

Krise der globalen Ordnung

Afwerki beschrieb die gegenwärtige Weltlage als Ergebnis eines langfristigen Prozesses, der mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Versuch einer unipolaren Weltordnung begonnen habe. Diese Ordnung habe weder Stabilität noch Wohlstand hervorgebracht, sondern Unsicherheit, Konflikte und institutionelle Schwächung. Insbesondere die Entwicklung der Vereinigten Staaten wertete er als Ausdruck dieses Scheiterns. Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, technologische Führungsrolle und politischer Einfluss hätten in den vergangenen Jahrzehnten abgenommen.

US-Politik und MAGA-Doktrin

Vor diesem Hintergrund ordnete Afwerki die Politik von Präsident Donald Trump ein. Die Doktrin „Make America Great Again“ sei aus seiner Sicht ein Eingeständnis des relativen Machtverlustes der USA. Die damit verbundenen Maßnahmen reichten von militärischem Druck über wirtschaftliche Instrumente wie Zölle und Sanktionen bis hin zum Rückzug aus multilateralen Foren. Afwerki verwies auf Beispiele in Lateinamerika, im Nahen Osten, in Europa und in Afrika, in denen diese Politik spürbare Auswirkungen habe.

Ein zentrales Motiv dieser Strategie sei der Zugriff auf natürliche Ressourcen. Regionen wie Lateinamerika, Zentralafrika oder der Nahe Osten stünden dabei im Fokus. Übergeordnetes Ziel bleibe aus Afwerkis Sicht die Eindämmung Chinas und Russlands, wobei auch Verbündete der USA zunehmend unter Druck gerieten.

Folgen für Afrika und die Region

Für Afrika stellte Afwerki fest, dass der Kontinent trotz umfangreicher natürlicher Ressourcen weiterhin politisch und wirtschaftlich marginalisiert sei. Regionale Organisationen wie die Afrikanische Union oder IGAD verfügten nur über begrenzte Durchsetzungskraft. Gleichzeitig betonte er die strategische Bedeutung des Horns von Afrika, des Roten Meeres und angrenzender Regionen. Globale Machtverschiebungen wirkten sich dort besonders unmittelbar aus.

Afwerki forderte, die kommenden Jahre vorrangig für regionale Stabilität, Sicherheit und Entwicklung zu nutzen. Afrikanische Staaten sollten ihre Politik nicht an medialen Debatten über die US-Innenpolitik ausrichten, sondern nüchtern die konkreten Auswirkungen internationaler Entscheidungen auf die eigene Region analysieren.

Eritrea und die Vereinigten Staaten

Zu den bilateralen Beziehungen mit den USA erklärte Afwerki, Eritrea habe seit der Unabhängigkeit eine Politik des Dialogs verfolgt und wiederholt den Versuch unternommen, belastete Beziehungen zu überwinden. Bereits während der ersten Amtszeit Trumps habe Asmara auf eine konstruktive Annäherung gesetzt. Diese Initiative sei jedoch nicht weitergeführt worden, zunächst aufgrund externer Faktoren und später wegen fehlender Bereitschaft unter der Regierung Biden.

Mit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus habe Eritrea erneut Gesprächsbereitschaft signalisiert. Afwerki kritisierte jedoch widersprüchliche Signale aus Washington, etwa Berichte, die Investitionen in Eritrea pauschal als unmöglich darstellten. Solche Positionen wertete er als hinderlich für einen strukturierten Dialog.

Schwerpunkt auf regionaler Stabilität

Afwerki machte deutlich, dass für Eritrea regionale Fragen Vorrang vor rein bilateralen Themen hätten. Entwicklungen in Sudan, Südsudan, Somalia, Äthiopien sowie im Raum des Roten Meeres seien zentral für Frieden und Entwicklung. Eine konstruktive Zusammenarbeit mit externen Akteuren könne nur dann erfolgreich sein, wenn sie auf realistischen Analysen der regionalen Lage beruhe.

Bilaterale Beziehungen, so Afwerki, könnten sich erst dann nachhaltig verbessern, wenn ein stabiles regionales Umfeld geschaffen sei. Eritrea setze daher auf Geduld, klare Prioritäten und eine eigenständige Bewertung globaler Entwicklungen.

Der Präsident kündigte an, Eritrea werde seine Politik des Dialogs fortsetzen, ohne sich unter Zeitdruck setzen zu lassen. Die kommenden Jahre seien von Übergängen und Unsicherheiten geprägt. Entscheidend sei, interne Stabilität zu sichern und regionale Kooperation zu stärken, bevor externe Partnerschaften vertieft würden.

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