Die Reporter ohne Grenzen (RSF) legen in ihrer Jahresbilanz 2025 eine umfassende Analyse der globalen Lage der Pressefreiheit vor. Die Organisation dokumentiert eine Verschärfung der Arbeitsbedingungen für Journalistinnen und Journalisten, eine Zunahme von Gewalt in Konfliktregionen und strukturelle Einschränkungen in autoritären und fragilen Staaten. Für viele Länder Afrikas verweist RSF auf neue Risiken, aber auch auf regionale Unterschiede zwischen stabilisierenden Reformprozessen und repressiven Entwicklungen.
Globale Trends der Pressefreiheit 2025
Die RSF-Jahresbilanz beschreibt 2025 als ein Jahr wachsender Bedrohungen für journalistische Arbeit. Die Zahl der gewaltsamen Übergriffe steigt, besonders in Konfliktgebieten wie Sudan, der Sahelzone und im Osten der Demokratischen Republik Kongo. RSF hebt hervor, dass gezielte Gewalt gegen Medienschaffende – darunter Entführungen, Drohungen und willkürliche Festnahmen – weiter zunimmt. Diese Dynamik wird laut Bericht durch politische Instabilität, ausgeweitete Überwachungskapazitäten und digitale Repression verstärkt.
Auch außerhalb von Konfliktkontexten dokumentiert RSF eine zunehmende Erosion rechtlicher Schutzmechanismen. In mehreren Staaten verschärfen Regierungen Mediengesetze, begrenzen den Informationszugang und nutzen Gerichte, um kritische Stimmen einzuschüchtern. Die Jahresbilanz verweist auf eine Normalisierung staatlicher Einflussnahme, etwa durch Lizenzentzüge, wirtschaftlichen Druck oder regierungsnahe Medienstrukturen.
Situation in Afrika: große regionale Unterschiede

RSF betont, dass die Lage der Pressefreiheit auf dem afrikanischen Kontinent heterogener denn je ist. Während einzelne Staaten ihre Medienlandschaft öffnen und unabhängige Berichterstattung erleichtern, verschärfen andere Staaten die Kontrolle.
In Westafrika wirken politische Spannungen, Putsche und wachsende sicherheitspolitische Risiken direkt auf journalistische Arbeit. In Ländern der Sahelzone, insbesondere in Mali, Burkina Faso und Niger, erschweren bewaffnete Konflikte und Eingriffe der Sicherheitsbehörden den Zugang zu Informationen. RSF verweist auf anhaltende Repressionen gegen lokale wie internationale Medien, etwa durch Akkreditierungsstopps oder temporäre Sendeverbote.
In Ostafrika dokumentiert die Organisation eine Ausweitung restriktiver Mediengesetze und regelmässige Eingriffe von Behörden in die Redaktionsarbeit. Gleichzeitig entstehen in einigen Staaten Reforminitiativen, die den Zugang zu öffentlichen Informationen verbessern und den Schutz von Journalistinnen und Journalisten stärken sollen.
Im südlichen Afrika beobachtet RSF stabile Medienumgebungen in mehreren Staaten, weist jedoch auf wachsende Risiken durch politische Polarisierung und digitale Überwachung hin.
Konfliktregionen: Sudan und Sahel als Hochrisikogebiete
Ein zentrales Thema in der RSF-Bilanz ist die Lage in aktiven Konfliktzonen. Der Sudan wird als eines der gefährlichsten Länder für Medienschaffende weltweit eingestuft. Der seit 2023 eskalierende Konflikt führt zu gezielten Angriffen, großflächiger Zensur und systematischen Blockaden von Informationskanälen. RSF dokumentiert schwere Verstöße durch beide Konfliktparteien sowie das Verschwinden mehrerer Journalistinnen und Journalisten.
Die Sahelstaaten bleiben in der Risikokategorie aufgrund der Kombination aus politischer Instabilität, bewaffneten Gruppen und staatlicher Kontrolle über Mediennarrative. RSF verweist auf Fälle, in denen kritische Berichterstattung als Bedrohung der nationalen Sicherheit eingestuft und strafrechtlich verfolgt wurde.
Digitale Repression und Desinformation
Die RSF-Jahresbilanz beschreibt 2025 einen deutlichen Anstieg digitaler Bedrohungen. Neben Cyberangriffen und Online-Hasskampagnen registriert die Organisation den vermehrten Einsatz von Überwachungstechnologien durch staatliche und nichtstaatliche Akteure. Digitale Desinformation beeinflusst zunehmend politische Debatten und verstärkt Polarisierung – ein Trend, den RSF als globalen Risikofaktor für demokratische Diskurse einordnet.
Gleichzeitig leiden viele Redaktionen unter wirtschaftlicher Fragilität. Werbeeinnahmen und Vertriebserlöse stagnieren oder sinken, was Medien anfälliger für politische Einflussnahme macht. Laut RSF sind besonders unabhängige Lokalredaktionen von der wirtschaftlichen Abhängigkeit betroffen.
Internationale Reaktionen und rechtliche Entwicklungen
Wie aus dem Bericht hervorgeht, diskutieren multilaterale Organisationen verstärkt über Schutzmechanismen für unabhängigen Journalismus. RSF verweist auf Initiativen der Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union und europäischer Institutionen, die rechtliche Rahmenbedingungen stärken und Kapazitätsaufbau in Medieninstitutionen fördern sollen. Die Jahresbilanz zeigt jedoch, dass die Umsetzung häufig hinter den politischen Ankündigungen zurückbleibt.
Zudem verweist RSF auf Verhandlungen über internationale Standards im digitalen Raum, darunter Transparenzregeln für Plattformen und Schutzinstrumente für Medienschaffende. Diese werden zunehmend als grundlegende Voraussetzung für funktionierende Informationsökosysteme betrachtet.
Der Bericht basiert auf strukturierten Erhebungen, Länderanalysen und Meldungen aus den regionalen Netzwerken von RSF. Die Jahresbilanz 2025 umfasst qualitative Bewertungen, dokumentierte Vorfälle, rechtliche Analysen und Indikatoren für strukturelle Risiken. Sie betrachtet sowohl staatliche als auch nichtstaatliche Akteure und ordnet Entwicklungen im Kontext politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen ein. Die vollständigen Daten und Fallstudien sind im RSF-Bericht dokumentiert.