Burundi hat am 15. Februar 2026 bei der 39. ordentlichen Gipfelsitzung der Afrikanische Union (AU) in Addis Abeba offiziell den rotierenden Vorsitz für ein Jahr übernommen. Präsident Evariste Ndayishimiye trat damit die Nachfolge im Rahmen des üblichen Rotationsprinzips an.
Bei seiner Rückkehr nach Bujumbura am 16. Februar wurde der Präsident mit einem öffentlich inszenierten Empfang begrüßt. Entlang der Straßen versammelten sich Bürgerinnen und Bürger, begleitet von Musikgruppen und offiziellen Delegationen. In sozialen Medien und politischen Kreisen wurde das Ereignis unterschiedlich bewertet.
Rolle des AU-Vorsitzes

Der Vorsitz der AU ist eine jährlich wechselnde Funktion unter den Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten. Der Präsident in Ausübung des Vorsitzes leitet die Gipfeltreffen, repräsentiert die Organisation nach außen und koordiniert in Abstimmung mit der AU-Kommission die Agenda. Die operative Leitung der AU liegt weiterhin bei der Kommission.
Ndayishimiye kündigt drei Prioritäten an
In seiner Antrittsrede kündigte Ndayishimiye drei Schwerpunkte an:
Erstens das Jahresthema 2026 zur nachhaltigen Verfügbarkeit von Wasser und sicheren Sanitärsystemen im Einklang mit der Agenda 2063.
Zweitens eine Agenda für Innovation, Wissenschaft, Kompetenzentwicklung sowie die Förderung von Jugend und Frauen unter dem Konzept A-RISE.
Drittens die Stärkung von Frieden und Sicherheit. Der Präsident bekräftigte das Ziel der Initiative „Silencing the Guns“ und verwies auf Konfliktregionen wie den Osten der Demokratischen Republik Kongo, den Sudan, Somalia, die Sahelzone und die Zentralafrikanische Republik.
Politische Reaktionen im Inland

Innerhalb Burundis wurden die Feierlichkeiten und die Bedeutung des Vorsitzes kontrovers diskutiert. Vertreter der Regierungspartei CNDD-FDD würdigten die Übernahme als diplomatische Anerkennung und Ausdruck internationalen Vertrauens.
Oppositionspolitiker und zivilgesellschaftliche Stimmen relativierten hingegen die Tragweite. Mehrere Beobachter betonten, dass es sich um eine reguläre Rotation handle und nicht um eine Wahl zum „Führer Afrikas“. Sie verwiesen darauf, dass frühere regionale Vorsitzfunktionen – etwa in der Ostafrikanischen Gemeinschaft – keine unmittelbar sichtbaren wirtschaftlichen oder sozialen Verbesserungen im Inland gebracht hätten.
Zugleich wurde auf innenpolitische Herausforderungen hingewiesen, darunter Treibstoffknappheit, wirtschaftliche Spannungen, Inflationsdruck und infrastrukturelle Defizite. Kritiker äußerten die Sorge, dass symbolische Mobilisierungen staatlicher Stellen und Schulen für die Begrüßungsfeierlichkeiten wirtschaftliche Aktivitäten beeinträchtigt hätten.
Chancen und strukturelle Grenzen
Unterstützer des Präsidenten sehen in der AU-Präsidentschaft eine Möglichkeit, die internationale Sichtbarkeit zu erhöhen, diplomatische Kontakte zu intensivieren und internationale Treffen im Land auszurichten. Erwartet werden über das Jahr verteilt mehrere hundert Sitzungen auf unterschiedlichen Ebenen.

Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass die Afrikanische Union selbst mit strukturellen und finanziellen Einschränkungen konfrontiert ist. Ein erheblicher Teil ihres Budgets wird durch externe Partner kofinanziert, was ihre Handlungsfähigkeit beeinflusst.
Zwischen Symbolpolitik und Erwartungsmanagement
Die Übernahme des Vorsitzes fällt in eine Phase globaler und regionaler Unsicherheiten. Während die Regierung das Mandat als Gelegenheit zur Profilierung und zur Förderung kontinentaler Prioritäten darstellt, mahnen andere politische Akteure zu realistischen Erwartungen.
Ob die einjährige Präsidentschaft konkrete politische oder wirtschaftliche Effekte für Burundi entfaltet, wird nach Einschätzung vieler Beobachter weniger von der protokollarischen Funktion als von innenpolitischen Reformen und regionaler Diplomatie abhängen.