US-Außenministerium baut Auswahl und Ausbildung des diplomatischen Dienstes um

Das US-Außenministerium ändert Auswahl und Ausbildung seines diplomatischen Dienstes grundlegend und richtet beides stärker auf amerikanische Geschichte, außenpolitische Grundbegriffe und Verhandlungskompetenz aus. Die Reformen stellte das Ministerium am 1. April vor. Künftig sollen Bewerber wieder schriftlich geprüft werden, während Inhalte mit Bezug zu Diversität, Gleichstellung und Inklusion aus den Auswahlverfahren gestrichen werden. Die Neuausrichtung verbindet die Regierung von Präsident Donald Trump ausdrücklich mit ihrem außenpolitischen Kurs.

Betroffen sind sowohl das Auswahlverfahren für den Foreign Service als auch die Einführung neuer Diplomatinnen und Diplomaten. Das Ministerium will nach eigener Darstellung sicherstellen, dass amerikanische Vertreter im Ausland besser auf internationale Machtkonkurrenz, wirtschaftliche Interessenpolitik und diplomatische Verhandlungen vorbereitet werden.

Schriftliche Prüfung kehrt zurück

Zu den sichtbarsten Änderungen zählt die Rückkehr zu einer schriftlichen Prüfung. Das Außenministerium ersetzt damit das bisherige Verfahren über ein Qualifikationspanel. Begründet wird das mit der Notwendigkeit, kritisches Denken und klares Schreiben wieder stärker zu gewichten.

Auch der Foreign Service Officer Test wird neu zugeschnitten. Künftig sollen dort amerikanische Geschichte und logisches Denken stärker geprüft werden. Fragen, die nach Darstellung des Ministeriums auf eine Übereinstimmung mit einer Agenda zu Diversität, Gleichstellung und Inklusion zielten, entfallen.

Daneben wird auch die mündliche Prüfung verändert. Sie soll sich künftig stärker auf außenpolitische Grundbegriffe der Vereinigten Staaten, diplomatische Geschichte und Verhandlungskompetenz konzentrieren.

Ausbildung wird stärker politisch und strategisch ausgerichtet

Das Einführungsprogramm A-100 für neue Mitglieder des diplomatischen Dienstes wird ebenfalls umgebaut. Das Außenministerium beschreibt es künftig als strenges und umfassendes Grundtraining für den diplomatischen Dienst der Vereinigten Staaten.

Geplant sind Vorlesungen und Schulungen zu diplomatischer Geschichte, wirtschaftlicher Strategie, Handelsdiplomatie und großer Strategie. Hinzu kommen Einheiten zu Rhetorik, Verhandlung und Führung. Nach Darstellung des Ministeriums sollen neue Diplomatinnen und Diplomaten dadurch früher mit zentralen Instrumenten amerikanischer Außenpolitik vertraut gemacht werden.

Das Ministerium nennt dabei ausdrücklich auch Inhalte zur Außenpolitik unter dem Leitbild „America First“. Damit erhält die politische Linie der Regierung einen festen Platz in der Grundausbildung des diplomatischen Dienstes.

Pflichtlektüre mit klassischem und konservativem Schwerpunkt

Auch die Lektüreliste für das Einführungsprogramm wird neu gefasst. Vorgesehen sind Texte und Reden von George Washington, John Quincy Adams und James Monroe sowie Auszüge aus den Federalist Papers. Hinzu kommen Werke von George Kennan, Angelo Codevilla und Samuel Huntington.

Mit dieser Auswahl verschiebt das Ministerium den Schwerpunkt der Ausbildung sichtbar auf amerikanische Staatsgeschichte, klassische außenpolitische Denkschulen und strategische Theorie. Zugleich rückt die Behörde von bisherigen Ausbildungselementen ab, die stärker auf Kommunikation im Team und Gruppendynamik zielten.

Frühere Trainingsbausteine fallen weg

Nach Angaben des Außenministeriums werden mehrere bisherige Übungen aus dem Einführungsprogramm gestrichen. Genannt wird unter anderem eine 90-minütige Gruppenübung, bei der Teilnehmer mit verbundenen Augen Gegenstände in einen Eimer werfen mussten. Solche Formate hätten angeblich Kommunikationsfähigkeit und Teamresilienz vermitteln sollen.

Stattdessen setzt das Ministerium nun stärker auf Vorlesungen und fachliche Schulungen. Inhalte zu bürokratischen Abläufen sollen auf ein Minimum reduziert werden.

Regierung wirbt offen um neue Bewerber

Mit der Reform verbindet das Außenministerium auch einen neuen Aufruf zur Bewerbung. Registrierungen für die Tests sind bereits geöffnet. Die Prüfungen sollen vom 15. bis 22. Mai stattfinden.

Vize-Sprecher Tommy Pigott erklärte, die Regierung modernisiere den diplomatischen Dienst, damit amerikanische Diplomaten nationale Interessen in einer sich rasch verändernden Welt wirksam vertreten könnten. Er hob dabei besonders öffentliche Rede, Verhandlung und internationale Beziehungstheorie hervor.

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