Simbabwe fordert Aufklärung zu Zwangsrekrutierungen im Russland-Ukraine-Krieg

Mehrere Simbabwer sollen unter falschen Jobversprechen nach Russland gelockt und dort an die Front im Krieg gegen die Ukraine gebracht worden sein. Am 10. März forderte der simbabwische Rundfunkmoderator Ezra Sibanda das Außenministerium seines Landes in einem Schreiben zu sofortigem diplomatischem Eingreifen auf. Sibanda verlangt nach eigenen Angaben, betroffene Staatsangehörige zu lokalisieren, zu schützen und nach Simbabwe zurückzuholen. Eine öffentliche Reaktion des Ministeriums lag zunächst nicht vor.

4000$ Monatsgehalt soll Männer aus Simbabwe locken

Nach Angaben von Ezra Sibanda waren mehrere simbabwische Männer mit der Aussicht auf zivile Arbeit nach Russland gereist. In seinem Schreiben an das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten und Internationalen Handel nennt er unter anderem Tätigkeiten als Lkw-Fahrer, Sicherheitskräfte oder Reinigungskräfte. Den Betroffenen seien eine Einmalzahlung von 37.000 US-Dollar und ein Monatsgehalt von 4.000 US-Dollar in Aussicht gestellt worden.

Sibanda erklärt, nach der Ankunft in Russland habe sich die Lage für die Männer grundlegend verändert. Er schreibt, vielen seien die Pässe abgenommen worden, bevor sie in Militärunterkünfte gebracht worden seien. Statt der versprochenen Arbeit seien sie misshandelt, in einem zweiwöchigen Schnellkurs im Umgang mit Waffen geschult und anschließend an die Front in die ostukrainische Region Donezk verlegt worden.

Vorwürfe zu Einsatz an der Front

In dem Schreiben schildert Sibanda den Einsatz der Männer als erzwungen. Er beruft sich dabei auf Berichte von Betroffenen, die ihm mitgeteilt hätten, sie würden in den Kämpfen als „entbehrliche menschliche Schutzschilde und Köder“ eingesetzt. Diese Aussagen sind bislang nicht unabhängig bestätigt.

Nach Angaben des Moderators deuten ihm vorliegende Hilferufe darauf hin, dass bereits mehrere Simbabwer im Kampf getötet worden sein könnten. Andere hätten von Verwundeten berichtet, die nach Drohnenangriffen nicht angemessen medizinisch versorgt worden seien. Zudem verweist Sibanda auf Aussagen, wonach sich einzelne Betroffene aus Angst und psychischer Überforderung das Leben genommen hätten, um nicht erneut in Kampfhandlungen zurückkehren zu müssen.

Familien ohne verlässliche Informationen

Sibanda schildert auch die Lage der Angehörigen in Simbabwe. Demnach sei der Kontakt zu mehreren Männern nur noch unregelmäßig oder ganz abgebrochen. Familien hätten nach seinen Angaben teils nur rund 1.000 US-Dollar erhalten, obwohl deutlich höhere Zahlungen zugesagt worden seien.

Hinzu komme, dass die Pässe der Männer nach seiner Darstellung in Moskau festgehalten würden. Das erschwere eine Ausreise und verhindere, dass die Betroffenen Russland eigenständig verlassen könnten. Wörtlich schreibt Sibanda: „Das sind keine Soldaten. Es sind Väter, Ehemänner, Söhne und Brüder, die glaubten, sie würden arbeiten und ihre Familien unterstützen.“

Forderung nach diplomatischem Eingreifen

In seinem Appell fordert Sibanda die simbabwische Regierung auf, unmittelbar mit den russischen Behörden Kontakt aufzunehmen. Ziel müsse es sein, die Betroffenen zu identifizieren, ihren Schutz sicherzustellen und eine Rückführung nach Simbabwe zu ermöglichen.

Zugleich erklärt er, er verfüge über Namen und Kontaktdaten mutmaßlicher Anwerber in Simbabwe und Russland. Diese Personen könnten nach seiner Darstellung in Menschenhandel verwickelt sein. Sibanda kündigt an, Belege vorzulegen und mit Ermittlern zusammenzuarbeiten, sollte eine offizielle Untersuchung eingeleitet werden.

Regierung äußert sich zunächst nicht

Das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten und Internationalen Handel in Harare hatte bis zur Veröffentlichung keine öffentliche Stellungnahme zu dem Schreiben abgegeben. Auch aus Russland lag in dem vorliegenden Zusammenhang zunächst keine öffentliche Reaktion vor.

Die Vorwürfe stehen im Zusammenhang mit anhaltenden internationalen Berichten über die Rekrutierung oder Zwangsverbringung ausländischer Staatsangehöriger in den Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Im Fall der simbabwischen Männer beruhen die Angaben bislang auf den von Ezra Sibanda geschilderten Aussagen von Betroffenen und Angehörigen.

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