Die Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika hat eine neue regionale Strategie zur Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen verabschiedet. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit exportorientierter KMU zu erhöhen und ihre Rolle in regionalen und kontinentalen Wertschöpfungsketten zu stärken. Die Strategie legt einen Schwerpunkt auf Beschäftigung, Industrialisierung und Marktzugang. Sie gilt für den Zeitraum von 2025 bis 2029.
Die Strategie wurde am 17.08.2025 vom Gipfel der Staats- und Regierungschefs der SADC in Antananarivo gebilligt und ist seitdem offizieller politischer Rahmen der Gemeinschaft. Sie richtet sich an alle 16 Mitgliedstaaten mit zusammen mehr als 360 Millionen Einwohnern.
Zentrale Rolle der KMU in der SADC-Wirtschaft

Nach Angaben der SADC stellen kleine und mittlere Unternehmen mehr als 90 Prozent aller Unternehmen in der Region und beschäftigen über 60 Prozent der Erwerbstätigen. Gleichzeitig liegt ihr Anteil an den Gesamtexporten der Region bei rund 12 Prozent und damit deutlich unter dem Vergleichswert der Europäischen Union und der ASEAN-Staaten.
Die Strategie reagiert auf diese Diskrepanz zwischen wirtschaftlicher Bedeutung und geringer Exportleistung. Sie ordnet KMU als zentrales Instrument zur Bewältigung von Arbeitslosigkeit ein, insbesondere unter jungen Menschen und Frauen, die in vielen Mitgliedstaaten einen hohen Anteil der Erwerbslosen stellen.
Fünf strategische Säulen bis 2029
Die Strategie basiert auf fünf miteinander verknüpften Säulen. Dazu zählen die Verbesserung des politischen und regulatorischen Rahmens, der Ausbau von unternehmerischen und fachlichen Kompetenzen, der Technologietransfer und die Entwicklung industrieller Cluster, der erleichterte Zugang zu regionalen und internationalen Märkten sowie der Zugang zu Finanzierungen.
Diese Säulen werden durch 14 strategische Interventionen und 52 konkrete Handlungsfelder operationalisiert. Insgesamt sind 398 Einzelmaßnahmen vorgesehen, deren Umsetzung durch nationale Haushalte, SADC-Mittel, öffentlich-private Kooperationen und Entwicklungsfinanzierung erfolgen soll.
Einbindung von AfCFTA und regionalen Wertschöpfungsketten
Ein zentraler Bezugspunkt der Strategie ist die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone. Die SADC strebt an, exportorientierte KMU gezielt in regionale und kontinentale Wertschöpfungsketten einzubinden und ihre Wettbewerbsfähigkeit über Produktivität, Qualität und Diversifizierung zu erhöhen.
Die Strategie sieht vor, bestehende komparative Vorteile schrittweise in wettbewerbsfähige Marktpositionen zu überführen. Unterstützt werden sollen insbesondere Unternehmen mit Potenzial für höhere Wertschöpfung, Unternehmen in industriellen Clustern sowie Betriebe mit starker Beteiligung von Frauen und jungen Unternehmerinnen und Unternehmern.
Umsetzung und institutionelle Koordination
Die politische Aufsicht über die Umsetzung liegt beim Ministerrat der SADC über eine bestehende ministerielle Taskforce für regionale Integration. Die Koordination auf operativer Ebene übernimmt das SADC-Sekretariat. Ergänzend ist eine Arbeitsgruppe für KMU unter dem Industrialisierungsforum vorgesehen, in der auch Vertreter des Privatsektors eingebunden sind.
Für 2027 ist eine Zwischenevaluierung geplant, um Fortschritte zu messen und Anpassungen vorzunehmen. Auf Grundlage der Strategie erwartet die SADC bis 2029 eine zusätzliche Ausweitung der KMU-Exporte um rund 4,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr.