Marokko, die Afrikanische Union und Ägypten haben die angekündigte Feuerpause zwischen den USA und Iran begrüßt und auf rasche Verhandlungen gedrängt. Am Mittwoch, 8. April, kamen damit auch aus Afrika deutliche diplomatische Signale für eine Deeskalation in der Golfregion. Für viele Staaten des Kontinents geht es dabei nicht nur um die Sicherheitslage im Nahen Osten, sondern auch um mögliche Folgen für Energiepreise, Lieferketten und die Schifffahrt durch die Straße von Hormus.
Rabat unterstützt Feuerpause und pakistanische Vermittlung
Das marokkanische Außenministerium erklärte, das Königreich begrüße die Ankündigung eines Waffenstillstands zwischen den Vereinigten Staaten und der Islamischen Republik Iran. Rabat unterstützt nach Angaben des Ministeriums auch die anstehenden Verhandlungen unter pakistanischer Vermittlung. Zugleich betonte Marokko, eine dauerhafte Lösung müsse zur Stabilität in der Region beitragen und die Interessen der arabischen Golfstaaten berücksichtigen. Ebenfalls hob das Ministerium die Bedeutung freier Schifffahrt in der Straße von Hormus im Einklang mit dem internationalen Seerecht hervor.
Die marokkanische Reaktion fiel in eine Phase intensiver diplomatischer Kontakte. Kurz vor der Feuerpause hatte Pakistans Außenminister Ishaq Dar mit mehreren Amtskollegen in der Region telefoniert, darunter auch mit Marokkos Außenminister Nasser Bourita.
Deputy Prime Minister / Foreign Minister Senator Mohammad Ishaq Dar @MIshaqDar50 held a telephonic conversation tonight with the Foreign Minister of Morocco, Nasser Bourita.
— Ministry of Foreign Affairs – Pakistan (@ForeignOfficePk) April 7, 2026
The two leaders exchanged views on the latest developments in the Middle East and the wider region.… pic.twitter.com/1ROm8MyDCh
Die diplomatischen Beziehungen zwischen Marokko und Iran sind seit Jahren belastet und wurden 2018 von Rabat abgebrochen, nachdem Marokko Teheran vorgeworfen hatte, mit der Unterstützung der Polisario einen regionalen Proxy-Konflikt zu befeuern. Eine Wiederaufnahme der Beziehungen ist seither nicht erfolgt. Vor diesem Hintergrund fällt die jetzige marokkanische Unterstützung für eine Feuerpause und für Verhandlungen mit Iran diplomatisch ins Gewicht, ohne dass sie auf eine Normalisierung der bilateralen Beziehungen hindeutet.
Afrikanische Union warnt vor den Folgen für den Kontinent
Auch die Afrikanische Union stellte sich hinter die Feuerpause. Der Vorsitzende der AU-Kommission, Mahmoud Ali Youssouf, bezeichnete die Vereinbarung als einen bedeutenden Schritt in Richtung Deeskalation. Zugleich drängte er darauf, die Feuerpause durch eine tragfähige und inklusive Diplomatie abzusichern. Die AU hob besonders die wirtschaftlichen Nebenfolgen des Konflikts für Afrika hervor, darunter steigende Treibstoffpreise und Belastungen bei der Versorgung mit Grundnahrungsmitteln.

Damit rückte Addis Abeba einen Punkt in den Vordergrund, der für viele afrikanische Staaten unmittelbarer ist als die militärische Auseinandersetzung selbst. Je unsicherer die Lage rund um die Straße von Hormus, desto größer ist das Risiko für Energieimporte, Transportkosten und Versorgungsketten. Die Feuerpause ist eng mit der Frage freier Passage durch die Meerenge verknüpft ist, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels läuft.
Kairo spricht von einer wichtigen Chance für Diplomatie
Ägypten begrüßte die von US-Präsident Donald Trump angekündigte Aussetzung militärischer Operationen ebenfalls als positives Signal. Das Außenministerium in Kairo sprach von einer wichtigen Gelegenheit, den Weg für Verhandlungen, Diplomatie und konstruktiven Dialog zu öffnen. Zugleich betonte die Regierung, die Einstellung militärischer Aktionen und die Wahrung der Freiheit der internationalen Schifffahrt müssten nun abgesichert werden. Kairo verwies außerdem auf eigene Bemühungen gemeinsam mit Pakistan und der Türkei, mit regionalen und internationalen Partnern an mehr Stabilität zu arbeiten.

Ägypten verband seine Unterstützung mit einem sicherheitspolitischen Signal an die Golfstaaten. Die Regierung unterstrich, dass die Souveränität und territoriale Integrität der Staaten des Golfkooperationsrats und Jordaniens gewahrt werden müssten. Künftige Verhandlungen müssten deren legitime Sicherheitsinteressen berücksichtigen, hieß es aus Kairo.

