Madagaskar zwischen Moskau und Paris: Übergangsregierung positioniert Außenpolitik neu

Der madagassische Übergangspräsident Colonel Michaël Randrianirina betont eine Außenpolitik, die auf Offenheit und flexible Partnerschaften ausgerichtet ist. In einem Interview mit RT France vom 20. November, das auch von der russischen Botschaft verbreitet wurde, erläuterte er, dass Antananarivo mit allen Akteuren kooperieren will, solange Vereinbarungen ausgewogen und im nationalen Interesse sind. Der Ansatz vereint panafrikanische Orientierung und politische Nichtausrichtung.

Der Zeitpunkt des Interviews unterstreicht die steigende Bedeutung Russlands in der frühen Phase der Transition. Moskau war die erste ausländische Macht, die nach der Machtübernahme am 14. Oktober direkten Kontakt mit den fünf führenden Offizieren aufnahm. Seit der Investitur am 17. Oktober hat Randrianirina zudem zwei exklusive Gespräche mit russischen Medien geführt.

Wahrnehmungen und Reaktionen internationaler Partner

Die sichtbare Annäherung an Russland löst in westlichen Hauptstädten erhöhte Aufmerksamkeit aus. Paris und andere europäische Partner beobachten die Entwicklungen mit Vorsicht, insbesondere vor dem Hintergrund vergleichbarer Konstellationen in den Sahelstaaten. Randrianirina versucht diesen Befürchtungen zu begegnen, indem er zuverlässig signalisiert, dass Madagaskar keine exklusiven Bündnisse anstrebt.

Eine zentrale Frage betrifft weiterhin die Umstände der Ausreise des ehemaligen Präsidenten Andry Rajoelina. Berichte, wonach Rajoelina mit Unterstützung der französischen Armee ausgeflogen wurde, kommentierte Randrianirina nur zurückhaltend. Er erklärte, ihn hätten zum Zeitpunkt der Ereignisse keine bestätigten Informationen erreicht. Diese distanzierte Formulierung deutet darauf hin, dass der Übergangspräsident den Dialog mit Paris offen halten will.

Frankreich bietet Unterstützung für die Übergangsphase an

Präsident Emmanuel Macron hat bei einem Treffen auf Mauritius deutlich gemacht, dass Frankreich bereit ist, Madagaskar bei der Bewältigung des Übergangsprozesses zu begleiten. In einer Mitteilung des Élysée wird die Bedeutung der bilateralen Beziehungen hervorgehoben. Macron begrüßte die angekündigte nationale Konsultation, geplante Reformen und die Vorbereitung von Wahlen.

Frankreich stellt neue Finanzierungen bereit, die der Ernährungssicherheit im Süden, der medizinischen Versorgung in Antananarivo und städtischen Entwicklungsprojekten zugutekommen sollen. Zudem wurde eine zweckgebundene Budgethilfe zugesagt.

Die französische Position stützt sich auf die Einschätzung, dass die Transition gelingen kann, wenn sie von gesellschaftlichen Akteuren wie der Jugend und zivilgesellschaftlichen Gruppen begleitet wird. Paris empfiehlt, diese Partner in die anstehenden Prozesse einzubeziehen.

Innenpolitischer Kontext und Bedeutung internationaler Unterstützung

Der Machtwechsel erfolgte nach wochenlangen Protesten seit dem 25. September, unterstützt durch das Engagement der Gen Z Bewegung. Randrianirina begründete das Eingreifen der Armee mit einem Auftrag der Haute Cour, um eine unkontrollierte Eskalation zu verhindern.

Der Sturz Rajoelinas und seine anschließende Ausreise haben innenpolitische Spannungen verstärkt. Teile der Bevölkerung sehen in der französischen Evakuierungsoperation einen Eingriff der ehemaligen Kolonialmacht. Dies verstärkt die Sensibilität im bilateralen Verhältnis und prägt den Kurs der Übergangsregierung, die versucht, internationale Kooperation mit einer eigenständigen außenpolitischen Position zu verbinden.

Außenpolitik als Balance zwischen alten Partnern und neuen Akteuren

Madagaskar steht vor der Herausforderung, wirtschaftliche Stabilisierung, internationale Unterstützung und politische Legitimation miteinander zu verbinden. Die Orientierung an mehreren Partnern zugleich verdeutlicht das Bemühen des Übergangspräsidenten, außenpolitische Spielräume offenzuhalten. Die kommenden Monate werden zeigen, wie verlässlich dieser Kurs umgesetzt wird und welchen Raum internationale Akteure dabei erhalten.

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