Global Gateway: Bundesregierung richtet nationale Anlaufstelle für Unternehmen ein

Die Bundesregierung und die Europäische Kommission wollen deutschen Unternehmen den Zugang zur EU-Initiative Global Gateway erleichtern. Beim Treffen im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin stellte EU-Kommissar für internationale Partnerschaften Jozef Síkela gemeinsam mit Vertretern der Bundesregierung eine neue nationale Anlaufstelle vor, die Projekte künftig bündeln und an den Global Gateway Investment Hub in Brüssel weiterleiten soll.

Die Veranstaltung fand am 11. Februar 2026 statt. Rund 120 Unternehmensvertreter nahmen teil, ebenso Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan sowie Staatssekretäre aus dem Auswärtigen Amt und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Neue Koordinierungsstelle als „One-Stop-Shop“

Kern der Initiative ist eine nationale Koordinierungsstelle, über die Unternehmen ihre Projektvorschläge einreichen können. Diese sogenannte Vorprüfung bewertet unter anderem Schwerpunktregion, Sektor, Projektvolumen sowie den Sitz des Antragstellers. Voraussetzung ist ein Mindestvolumen von zehn Millionen Euro, sofern es sich nicht um ein sogenanntes Flagship-Projekt handelt.

Die Anlaufstelle wird von Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie dem Auswärtigen Amt betrieben. Beteiligt sind zudem die Agentur für Wirtschaft und Entwicklung, die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft, Euler Hermes, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, Germany Trade and Invest und die Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Parallel wurde die Plattform „Förderlotse Wachstumsmärkte“ vorgestellt, die Förder-, Finanzierungs- und Beratungsangebote der Bundesregierung digital bündeln soll.

Bundesregierung betont strategische Verknüpfung

Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan erklärte: „Mit Global Gateway bringen wir Wirtschaft, Entwicklung und Geopolitik zusammen.“ Investitionen sollten dort erfolgen, wo „beidseitiger Nutzen entsteht“.

Staatssekretär Bernhard Kotsch aus dem Auswärtigen Amt verwies auf die zunehmende Verzahnung von wirtschaftlicher Sicherheit und Außenpolitik. Die Unterstützung von Infrastrukturprojekten deutscher Unternehmen im Ausland stärke auch die außenpolitische Handlungsfähigkeit.

Thomas Steffen, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, betonte, Global Gateway solle die Wettbewerbsfähigkeit deutscher und europäischer Unternehmen stärken. Die neue Anlaufstelle sei ein Schritt, um die Privatwirtschaft gezielter einzubinden.

EU-Kommissar Jozef Síkela hob hervor, Global Gateway ermögliche deutschen Unternehmen Projekte in schnell wachsenden Märkten. Mit dem Investment Hub würden Kredite, Zuschüsse und Instrumente zur Risikominderung koordiniert bereitgestellt.

Wirtschaft äußert Vorbehalte

Vertreter großer Unternehmen reagierten zurückhaltend. Christian Madsen, Head of Government Affairs bei Siemens, sagte, sein Unternehmen habe ursprünglich auf eine klarere strategische Ausrichtung, neue Fördermittel und eine stärkere Fokussierung auf europäische Wirtschaftskraft gehofft. Der neue Anlauf werde begrüßt, dürfe jedoch nicht durch übermäßige Bürokratie gebremst werden.

Heike Bergmann von Voith Hydro forderte deutlichere Signale zugunsten europäischer Anbieter. Europa müsse dynamischer werden. Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, plädierte für stärkere Berücksichtigung kleiner und mittelständischer Unternehmen.

Unternehmen verwiesen zudem auf den administrativen Aufwand. Förderanträge umfassen umfangreiche Unterlagen und mehrere formale Kriterien, was insbesondere kleinere Betriebe abschrecken könne.

Finanzierung und europäischer Rahmen

Nach Angaben der Bundesregierung soll Global Gateway im kommenden mehrjährigen Finanzrahmen der EU eigene Mittel erhalten. Bislang verfügte die Initiative über keine eigenständige Budgetlinie, sondern griff auf bestehende Instrumente zurück.

Seit dem Start der Strategie Ende 2021 wurden nach Angaben der Europäischen Kommission Investitionen in Höhe von mehr als 300 Milliarden Euro mobilisiert. Ziel ist es, bis Ende 2027 insgesamt 400 Milliarden Euro für nachhaltige Infrastrukturprojekte in Partnerländern bereitzustellen. Gefördert werden unter anderem Vorhaben in den Bereichen Transport, Energie und Klima, Digitalisierung, Gesundheit sowie Bildung und Forschung in INTPA-Partnerländern in Subsahara-Afrika, Lateinamerika, Asien und dem Mittleren Osten.

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