Digitale Wahlkampfstrategien – Der Einfluss von Influencer und Content Creator in Senegal

In Senegal spielen soziale Medien eine immer größere Rolle in der politischen Kommunikation, besonders in Wahlkampfzeiten.

Anlässlich der vorgezogenen Parlamentswahlen am 17. November setzen Politiker verstärkt auf die Unterstützung von Influencer und digitalen Content Creator, um eine breite Wählerschaft anzusprechen. Diese Praxis hat sich zu einem lukrativen Geschäftsfeld für Social-Media-Akteure entwickelt.

Der Erfolg junger Influencer wie Amary Seck

Einer der gefragtesten Content Creators in Senegal ist Amary Seck, ein Jurastudent an der Universität Cheikh Anta Diop in Dakar. Mit über 60.000 Followern und etwa drei Millionen monatlichen Aufrufen erreicht er eine breite Zielgruppe. Seck erklärt: „Ich werde seit Beginn der Kampagne regelmäßig kontaktiert.“ Für Werbepakete verlangt er Honorare, die zwischen 100.000 und 500.000 CFA (etwa 150 bis 750 Euro) variieren, je nach Umfang und Zielgruppe.

„Ich bekomme oft direkte Anfragen für Werbeverträge“, berichtet Seck, räumt aber ein, dass er auch aus persönlichen Überzeugungen lukrative Angebote ablehnt. Erst kürzlich habe er eine „verlockende Offerte“ eines Politikers abgelehnt, weil diese nicht mit seinen persönlichen Werten übereinstimmte. Mit seinen humorvollen und aktuellen Inhalten, die oft Bezug zur politischen Lage nehmen, hat Seck eine engagierte Fangemeinde aufgebaut. Dabei stößt er jedoch auch auf Kritik. „Manche meiner Follower meinen, ein Content Creator sollte keine politische Position beziehen“, erzählt Seck.

Influencer-Marketing im Wahlkampf: Experteneinschätzung von Mountaga Cissé

Mountaga Cissé, ein senegalesischer Blogger und Social-Media-Experte, sieht die Zusammenarbeit zwischen Politik und digitalen Meinungsmachern als eine wertvolle Strategie. „Politiker setzen verstärkt auf Content Creators, um ihre Sichtbarkeit auf sozialen Medien zu erhöhen, besonders in Wahlkampfzeiten. Diese Influencer können eine beträchtliche Reichweite aufbauen und so das Wählerverhalten beeinflussen“, erläutert Cissé.

Als Beispiel nennt er Ousmane Sonko, den Vorsitzenden der Partei PASTEF. Sonko, der eine starke Präsenz auf sozialen Medien pflegt, nutzt diese Plattformen regelmäßig, um seine Anhänger direkt anzusprechen und seine politischen Botschaften zu verbreiten. Laut Cissé hat die aktive Nutzung sozialer Medien vielen Politikern in den letzten Jahren eine stärkere Wählerbasis eingebracht.

Beliebte Inhalte und deren Einfluss auf die Wähler

Aus Studien, die Cissé zur aktuellen Wahlkampagne führt, geht hervor, dass die Ansprachen des Premierministers derzeit besonders viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ebenso haben Inhalte über Tahirou Sarr, einen Kandidaten mit nationalistischen Positionen, in den letzten Wochen an Popularität gewonnen. Cissé betont, dass die Senegalese sehr aktiv in sozialen Medien seien und politische Entwicklungen genau verfolgten.

Die sozialen Medien sind somit zu einem unverzichtbaren Bestandteil moderner Wahlkampfstrategien in Senegal geworden. Sie bieten eine Bühne, auf der Politiker gezielt junge und gut vernetzte Wähler ansprechen können, während Influencer und Content Creators mit ihrer Reichweite und Authentizität die politische Debatte maßgeblich mitgestalten.

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