Burundi: Wirtschaft machte 2025 kaum Fortschritte

Das Jahr 2025 brachte für die Wirtschaft Burundis keine spürbare Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Zentrale Wirtschaftsbereiche blieben von strukturellen Blockaden geprägt, während mehrere angekündigte Reform- und Investitionsvorhaben nicht vorankamen. Besonders die Lähmung des grenzüberschreitenden Handels mit der Demokratischen Republik Kongo, Verzögerungen bei der Wiederaufbauplanung des zentralen Marktes von Bujumbura sowie anhaltende Probleme im Energie- und Infrastruktursektor bestimmten das wirtschaftliche Bild.

Grenzschließung mit der DR Kongo trifft lokalen Handel

Seit der Schließung der Grenze zwischen Burundi und der Demokratischen Republik Kongo am 12. Dezember 2025 ist ein wesentlicher Teil der lokalen Wirtschaft zum Erliegen gekommen. Besonders betroffen ist der Markt „Kwa Siyoni“, auch als City Market bekannt, der als zentraler Umschlagplatz für den Handel zwischen beiden Ländern galt.

Nach Angaben von Händlern und Beschäftigten sind Reiseagenturen und Marktstände nahezu verwaist. Die Nachfrage aus der DR Kongo, die einen Großteil des Umsatzes ausmachte, ist vollständig weggefallen. Lokale Käufer können diese Lücke kaum kompensieren, wodurch zahlreiche Existenzen akut bedroht sind.

Gatumba-Kavimvira: Ende des informellen Grenzhandels

Auch in der Grenzregion Gatumba hat die Schließung des Übergangs Gatumba-Kavimvira erhebliche wirtschaftliche Folgen. Viele Haushalte lebten dort vom kleinräumigen Grenzhandel, lokal als „Mupaka shamba letu“ bezeichnet. Mit dem Wegfall dieser Einnahmequelle verschärfte sich die wirtschaftliche Lage zahlreicher Familien.

Catherine Niyonzima, eine Kleinhändlerin aus der Region, schilderte, dass sie bislang ihren Haushalt und ihren Ehemann, der als Motorradfahrer tätig ist, durch Einkünfte aus dem Handel mit der kongolesischen Stadt Uvira unterstützen konnte. Mit der Grenzschließung sei diese Lebensgrundlage entfallen.

Ökonomische Folgen für Exporterlöse und Devisen

Der Ökonom Jean Ndenzako beziffert die wirtschaftlichen Auswirkungen der Grenzschließung als erheblich. Seinen Angaben zufolge entfielen im Jahr 2024 rund 27,1 Prozent der burundischen Exporterlöse auf den Handel über den Grenzübergang Gatumba-Kavimvira. Ein längerfristiger Ausfall dieser Handelsströme würde die Handelsbilanz und die Devisenverfügbarkeit des Landes unmittelbar belasten.

Auch Dr. Diomède Ninteretse verweist auf den Zusammenhang zwischen der Sicherheitslage im Osten der DR Kongo und der Wirtschaft Burundis. Die Einnahme Uviras durch die bewaffnete Gruppe M23 habe bestehende Handelsbeziehungen unterbrochen, die für beide Seiten von zentraler Bedeutung gewesen seien.

Faustin Ndikumana, Landesdirektor der zivilgesellschaftlichen Organisation Parcem, sieht im grenzüberschreitenden Handel einen der am stärksten betroffenen Wirtschaftssektoren. Bujumbura habe sich in den vergangenen Jahren zu einem regionalen Handelszentrum für kongolesische Unternehmer entwickelt. Diese Rolle sei mit der aktuellen Grenzpolitik faktisch aufgehoben worden.

Stillstand beim Wiederaufbau des zentralen Marktes von Bujumbura

Mehr als ein Jahr nach Beginn der vorbereitenden Arbeiten für das Projekt „Buja City Plaza“ auf dem Gelände des ehemaligen Zentralmarktes von Bujumbura ist kein Fortschritt sichtbar. Trotz Ausgaben von über zwei Milliarden Burundi-Franc für Räumungsarbeiten bleibt das Areal abgesperrt und ungenutzt.

Ursprünglich hatte die private Ubaka Nation Group zugesagt, den Wiederaufbau eigenständig zu finanzieren. Am 11. November 2025 kündigte die Regierung jedoch einen Kurswechsel an und stellte ein öffentlich-privates Partnerschaftsmodell in Aussicht. Geplant ist die Gründung einer gemischten Gesellschaft, um das Projekt neu zu beleben. Diese Ankündigung markierte eine Abkehr von früheren Zusagen und verstärkte die öffentliche Skepsis.

Öffentlich-private Partnerschaften unter Vorbehalt

Faustin Ndikumana betont, dass öffentlich-private Partnerschaften für viele Staaten ein Instrument zur Finanzierung großer Infrastrukturprojekte darstellen. Entscheidend sei jedoch eine klare Rollenverteilung sowie ausreichende fachliche Kompetenzen auf beiden Seiten. Fehlende Transparenz und unklare Verantwortlichkeiten könnten die Umsetzung erheblich erschweren.

Preise steigen trotz sinkendem Dollar-Kurs

Im November 2025 verzeichnete der US-Dollar auf dem inoffiziellen Devisenmarkt einen deutlichen Rückgang von 7.300 auf etwa 6.300 Burundi-Franc. Diese Entwicklung spiegelte sich jedoch nicht in den Verbraucherpreisen wider.

Auf dem Markt Ngagara II, auch „Cotebu“ genannt, blieben die Preise für importierte und lokale Lebensmittel hoch. Händler begründeten dies mit stabilen Weltmarktpreisen, vorhandenen Lagerbeständen sowie gestiegenen Betriebskosten. Die Wechselkursentwicklung allein reiche nicht aus, um kurzfristige Preissenkungen auszulösen.

Treibstoffquoten und anhaltende Engpässe

Seit der Einführung der digitalen Plattform Igitoro Pass im Oktober 2024 zur Verwaltung von Treibstoffquoten melden Nutzer wiederholt Unregelmäßigkeiten. Laut Samuel Ndayiragije, Generaldirektor der staatlichen Erdölgesellschaft Sopebu, seien teilweise Tankstellenbetreiber in missbräuchliche Praktiken verwickelt.

Unabhängig davon bleibt die Treibstoffverfügbarkeit angespannt. Lange Warteschlangen im öffentlichen Verkehr prägen weiterhin das Stadtbild von Bujumbura und beeinträchtigen die Mobilität der Bevölkerung.

Gesamtbild einer stagnierenden Wirtschaft

Im Haushaltsjahr 2024–2025 verfügte das für Infrastruktur zuständige Ministerium über ein Budget von mehr als 329 Milliarden Burundi-Franc. Nach Angaben von Parcem wurden jedoch weniger als 30 Prozent der vorgesehenen Mittel tatsächlich umgesetzt.

Faustin Ndikumana weist darauf hin, dass ein derart niedriger Umsetzungsgrad die wirtschaftliche Entwicklung strukturell begrenze. Ohne ausreichende Investitionen in Infrastruktur lasse sich kein nachhaltiges Wachstum erzielen.

Die wirtschaftliche Bilanz des Jahres 2025 zeigt ein weitgehend unverändertes Bild gegenüber dem Vorjahr. Grenzschließungen, Investitionsstaus, Preisstabilität auf hohem Niveau und strukturelle Schwächen in der Haushaltsumsetzung prägen weiterhin die wirtschaftliche Realität Burundis. Die Vielzahl ungelöster Probleme unterstreicht die Fragilität der wirtschaftlichen Entwicklung.

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