Die Bundesregierung hat ihre humanitäre Hilfe für 2025 auf 1,06 Milliarden Euro beziffert und erklärt, damit rund 73 Millionen Menschen erreicht zu haben. Am Dienstag bekräftigte sie in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag, Deutschland bleibe damit einer der größten humanitären Geber weltweit. Zugleich wächst der Druck auf das System, weil der Bedarf in vielen Krisenregionen steigt, während die finanziellen Spielräume enger werden. Für Afrika ist das besonders relevant, weil der Kontinent erneut den größten Anteil der deutschen humanitären Hilfe erhielt.
Afrika bleibt Schwerpunkt deutscher Hilfen
Mit 333 Millionen Euro floss 2025 der größte regionale Anteil der deutschen humanitären Hilfe nach Afrika. Dahinter folgte der Nahe und Mittlere Osten mit 314 Millionen Euro.

Auch für 2026 zeichnet sich dieser Schwerpunkt ab. Geplante Mittel für humanitäre Länderfonds betreffen erneut mehrere afrikanische Krisenstaaten, darunter Sudan, Nigeria, Südsudan, die Demokratische Republik Kongo, Äthiopien und Somalia. Hinzu kommt ein Regionalfonds für West- und Zentralafrika.
Berlin setzt stärker auf Effizienz
Die Bundesregierung beschreibt die Lage als schwieriger denn je. Weltweit wächst der Bedarf an humanitärer Unterstützung, zugleich geraten öffentliche Haushalte zunehmend unter Druck. Berlin reagiert darauf nicht mit einer Ankündigung höherer Mittel, sondern mit dem Anspruch, vorhandenes Geld gezielter und wirksamer einzusetzen.

Dabei unterstützt die Bundesregierung Reformen innerhalb der Vereinten Nationen, die das humanitäre System effizienter machen sollen. Im Mittelpunkt stehen eine bessere Erfassung der Bedarfe, engere Koordinierung, weniger Konkurrenz um Mittel, stärkere Einbindung lokaler Akteure und ein breiterer Einsatz gemeinsamer Fonds.
Ein großer Teil der Hilfe läuft über internationale Organisationen
Der größte Teil der deutschen humanitären Hilfe wird weiterhin über internationale Organisationen abgewickelt. Dazu zählen vor allem das Welternährungsprogramm, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz und das UN-Nothilfebüro OCHA.

Daneben erhalten auch Hilfsorganisationen hohe Summen, darunter die Welthungerhilfe, Malteser, der Norwegian Refugee Council, Handicap International und der Deutsche Caritasverband. Die Bundesregierung setzt damit weiter auf ein System, in dem große multilaterale und nichtstaatliche Akteure den Hauptteil der Hilfe umsetzen.
Lokale Akteure sollen stärker eingebunden werden
Zugleich will Berlin die Rolle lokaler Partner ausbauen. Das gehört seit Jahren zu den zentralen Zielen in der internationalen Debatte über humanitäre Hilfe. In der Praxis bleibt der direkte Anteil lokaler und nationaler Organisationen an der deutschen Finanzierung aber bisher vergleichsweise gering.
Größere Fortschritte gibt es bei der Flexibilität der Mittel. Ein erheblicher Teil der deutschen Hilfe ist inzwischen mehrjährig angelegt oder nur locker zweckgebunden. Das verschafft Partnerorganisationen mehr Spielraum, um in Krisen schneller zu reagieren und Hilfen verlässlicher zu planen.
Hilfe unter wachsendem Druck
Hinter den Zahlen steht ein System, das immer stärker unter Belastung gerät. Weltweit sind Hunderte Millionen Menschen auf Unterstützung angewiesen. Gleichzeitig müssen Regierungen und Hilfsorganisationen ihre Mittel strenger priorisieren.
Deutschland hält seine humanitäre Hilfe damit zwar auf hohem Niveau, setzt aber sichtbar stärker auf Steuerung, Konzentration und Effizienz. Für Afrika bleibt das besonders wichtig, weil ein großer Teil der deutschen Hilfe weiterhin in Konflikt- und Krisenländer des Kontinents fließt.

