Das Bundesentwicklungsministerium hat in Berlin ein internationales Kompetenzzentrum für menschenrechtliche Sorgfaltspflichten in globalen Lieferketten gestartet. Am Donnerstag, 26. März 2026, stellte das Ministerium das neue Zentrum gemeinsam mit Partnern aus Gewerkschaften, Politik und Wissenschaft vor. Es soll Gewerkschaften weltweit dabei unterstützen, Arbeitsrechte entlang internationaler Lieferketten besser zu schützen und Risiken früher zu erkennen. Damit rückt Deutschland die Rolle von Arbeitnehmervertretungen bei der Durchsetzung von Menschenrechtsstandards stärker in den Mittelpunkt.
Das neue Competence Centre for Human Rights Due Diligence versteht sich als internationale Plattform für den Austausch von Fachwissen und praktischen Erfahrungen. Ziel ist es, Gewerkschaften weltweit beim Umgang mit menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten zu stärken, also mit Regeln, die Unternehmen zur Achtung von Menschenrechten in ihren Lieferketten verpflichten.
Gewerkschaften sollen Missstände früher erkennen
Die Parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungsministerium, Bärbel Kofler, stellte die Rolle von Gewerkschaften bei der Kontrolle globaler Produktionsketten in den Vordergrund. „Starke Lieferkettenstandards brauchen starke Partner. Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter spielen eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, Arbeitsrechte zu schützen und Missstände sichtbar zu machen“, sagte sie. Das neue Kompetenzzentrum bündele Wissen und helfe Gewerkschaften, Risiken frühzeitig zu erkennen und wirksam anzugehen.

Das Zentrum soll als internationaler Anlaufpunkt für Gewerkschaften dienen. Geplant sind Schulungen sowie der Austausch über rechtliche Anforderungen und bewährte Verfahren. Damit sollen Arbeitnehmervertretungen besser in die Lage versetzt werden, Rechte von Beschäftigten in globalen Lieferketten zu verteidigen und auf Verstöße gezielter zu reagieren.
Pilotprojekte in Textilien und bei kritischen Rohstoffen
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf wichtigen internationalen Wertschöpfungsketten. In Bereichen wie Textilien und kritischen Rohstoffen sind Pilotprojekte mit Gewerkschaften aus dem globalen Süden vorgesehen. Sie sollen Arbeitnehmerrechte stärken und praktische Erfahrungen für die Umsetzung von Sorgfaltspflichten liefern.
Gerade in diesen Branchen stehen Arbeitsbedingungen, Umweltstandards und die Kontrolle von Zulieferern seit Jahren im Fokus. Das neue Zentrum soll dazu beitragen, dass Gewerkschaften in Produktionsländern stärker in diese Prozesse eingebunden werden.
Deutschland baut Unterstützung für Sorgfaltspflichten aus
Das Kompetenzzentrum ist Teil eines breiteren entwicklungspolitischen Ansatzes der Bundesregierung. Das BMZ beschreibt das Projekt als Beitrag zu einem besseren Schutz von Menschenrechten und Umwelt entlang globaler Lieferketten. Zugleich soll der Austausch zwischen Unternehmen, Gewerkschaften und Beschäftigten in internationalen Produktionsketten ausgebaut werden.
Zu den Trägern des Zentrums gehören UNI Global Union, IndustriALL Global Union, die Friedrich-Ebert-Stiftung und der Deutsche Gewerkschaftsbund. Gefördert wird die Arbeit vom Bundesentwicklungsministerium.
Ergänzend verweist das BMZ auf weitere Instrumente, mit denen Unternehmen, Gewerkschaften und Regierungen in Produktionsländern unterstützt werden sollen. Gemeinsam mit der Europäischen Union hat das Ministerium zuletzt den EU Due Diligence Navigator gestartet, ein digitales Angebot zur praktischen Orientierung bei der Umsetzung europäischer Sorgfaltspflichten. Zudem investiert das BMZ seit Jahren in lokale Beratungs- und Anlaufstellen in Produktionsländern. Auch branchenweite Beschwerdemechanismen sollen Beschäftigte bei Konflikten in Betrieben stärken.

