Äthiopien hat Eritrea offiziell militärische Aggression und Unterstützung bewaffneter Gruppen auf äthiopischem Staatsgebiet vorgeworfen. In einem Schreiben vom 07.02.2026 des äthiopischen Außenministers Gedion Timothewos an seinen eritreischen Amtskollegen Osman Saleh fordert Addis Abeba den sofortigen Abzug eritreischer Truppen aus Grenzgebieten. Das Schreiben kursiert seit Stunden im Netz und wurde vom äthiopischen Außenministerium gegenüber Reuters bestätigt. Die Vorwürfe belasten die Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten erneut.
Vorwürfe zu Grenzverletzungen und Unterstützung bewaffneter Gruppen
In dem Schreiben erklärt Außenminister Gedion Timothewos, eritreische Streitkräfte hielten seit längerer Zeit äthiopisches Territorium entlang der gemeinsamen Grenze besetzt. Zudem wirft er der Regierung in Asmara vor, bewaffnete Gruppen innerhalb Äthiopiens materiell zu unterstützen. Mehrfache Aufforderungen zur Beendigung dieser Aktivitäten seien unbeantwortet geblieben.

Weiter heißt es, in den vergangenen Tagen sei es zu einer weiteren Eskalation gekommen. Eritreische Truppen seien weiter in äthiopisches Gebiet im Nordosten vorgedrungen. Gleichzeitig hätten eritreische Einheiten gemeinsam mit Rebellengruppen militärische Manöver im Nordwesten Äthiopiens durchgeführt. Addis Abeba bezeichnet diese Vorgänge als „offene Aggression“.
Forderung nach Rückzug und Beendigung der Zusammenarbeit mit Rebellen

Die äthiopische Regierung fordert in dem Schreiben den unverzüglichen Abzug aller eritreischen Truppen aus äthiopischem Staatsgebiet. Darüber hinaus verlangt sie die vollständige Einstellung jeglicher Zusammenarbeit mit bewaffneten Gruppen, die gegen den äthiopischen Staat operieren.
Gleichzeitig signalisiert Addis Abeba Gesprächsbereitschaft. Sollte Eritrea die Souveränität und territoriale Integrität Äthiopiens respektieren, sei die äthiopische Regierung bereit, Verhandlungen über eine umfassende Regelung offener Fragen aufzunehmen. Genannt werden dabei auch maritime Angelegenheiten und der Zugang Äthiopiens zum Meer über den Hafen von Assab.
Angespannte Beziehungen trotz früherem Friedensabkommen
Äthiopien und Eritrea hatten nach dem Grenzkrieg von 1998 bis 2000 im Jahr 2018 ein Friedensabkommen geschlossen. Während des zweijährigen Konflikts zwischen der äthiopischen Bundesregierung und den regionalen Behörden in Tigray waren beide Länder Verbündete.
Eritrea war jedoch kein Unterzeichner des Abkommens von 2022, das den Krieg in der Region Tigray beendete. Seitdem haben sich die Beziehungen zwischen Addis Abeba und Asmara deutlich verschlechtert. Jüngste Zusammenstöße zwischen äthiopischen Truppen und tigrayischen Kräften haben erneut Befürchtungen vor einer Eskalation geweckt.