Äthiopien sperrt das Medium Addis Standard

Die äthiopische Medienbehörde hat dem Nachrichtenportal Addis Standard die Online-Medienlizenz entzogen. Die Entscheidung gilt seit dem 24. Februar 2026 und wurde von der Ethiopian Media Authority mit wiederholten Verstößen gegen Medienethik, nationale Gesetze und nationale Interessen begründet.

Die Behörde nannte in ihrer Mitteilung keine konkreten Berichte oder Veröffentlichungen, die Grundlage der Entscheidung sind. Nach eigenen Angaben habe sie im Rahmen ihrer Aufsichtstätigkeit Untersuchungen durchgeführt und zahlreiche Beschwerden aus der Öffentlichkeit geprüft. Dem Portal seien wiederholt Hinweise und Aufforderungen übermittelt worden, sein Verhalten zu korrigieren. Addis Standard sei diesen nicht nachgekommen.

Unter Verweis auf Bestimmungen der Medienproklamation erklärte die Ethiopian Media Authority, das Online-Registrierungszertifikat von Addis Standard sei annulliert. Das Portal verfüge damit über keine gültige Medienlizenz oder offizielle Anerkennung mehr.

Chefredaktion weist Vorwürfe zurück

Yonas Kedir, Chefredakteur von Addis Standard, widersprach den Angaben der Behörde. Er erklärte, die Redaktion habe keine formellen Mitteilungen über angebliche Verstöße erhalten.

„Die Behauptung, dass Addis Standard wiederholt Hinweise erhalten habe, ist faktisch falsch. Zu keinem Zeitpunkt hat die Ethiopian Media Authority die Redaktion formell über frühere Verstöße oder Vollzugsmaßnahmen informiert“, sagte Kedir.

Der Verlag JAKENN Publishing PLC prüfe rechtliche Schritte, um seine Rechte zu wahren und ein ordnungsgemäßes Verfahren sicherzustellen.

Frühere Maßnahmen gegen das Portal

Addis Standard wurde 2011 als Monatsmagazin gegründet und sah sich in der Vergangenheit wiederholt Maßnahmen staatlicher Stellen ausgesetzt.

Im April 2025 durchsuchten Polizeikräfte die Redaktionsräume sowie das Wohnhaus eines leitenden Mitarbeiters. Drei Manager wurden vorübergehend festgehalten, elektronische Geräte wie Laptops, Mobiltelefone und Datenträger beschlagnahmt. Das Committee to Protect Journalists äußerte damals „ernste Bedenken hinsichtlich eines möglichen Missbrauchs sensibler Daten“.

Bereits im Juni 2021 hatte die Medienbehörde das Portal während des Krieges in Tigray vorübergehend suspendiert. Damals begründete die Behörde den Schritt mit dem Vorwurf, das Medium habe die Agenda einer als terroristisch eingestuften Gruppe unterstützt. Das Committee to Protect Journalists kritisierte die Entscheidung als Teil eines breiteren Vorgehens gegen unabhängigen Journalismus.

Auch im November 2020 war ein Redaktionsmitglied von Polizei festgenommen worden. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, versucht zu haben, die Verfassung gewaltsam zu untergraben.

Im Herbst des vergangenen Jahres ging die äthiopische Medienbehörde auch gegen die Deutsche Welle vor.

Der freie Journalist Barry Malone kommt auf der Social Media Plattform X zu den Schluss: “Die äthiopische Regierung schließt Addis Standard Online, während sie weiterhin mit Krieg gegen Eritrea droht. Addis Standard ist seit langem eine der zuverlässigsten Nachrichtenorganisationen in Äthiopien”

Mit dem nun vollzogenen Lizenzentzug verliert Addis Standard seine formale Zulassung als Online-Medium in Äthiopien.

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