Dangote-Börsengang könnte Nigerias Anlegerzahl verfünffachen – Afrikas Börsen rücken zusammen

Ein Börsengang von rund 1,4 Milliarden Euro soll Afrikas Kapitalmärkte enger verbinden. Nigerias Börsenchef erwartet bis zu fünfmal mehr aktive Anleger, während Investoren aus zahlreichen afrikanischen Staaten Zugang zur Dangote-Raffinerie erhalten sollen.

Der milliardenschwere Börsengang der Dangote-Raffinerie könnte die Zahl aktiver Anleger in Nigeria verdrei- bis verfünffachen und zugleich die Kapitalmärkte mehrerer afrikanischer Staaten enger miteinander verbinden. Die Zeichnungsfrist für die Aktien endet am 27. Oktober 2026. Der Chef der Nigerian Exchange Group, Temi Popoola, erwartet durch das Angebot einen erheblichen Zuwachs an Privatanlegern. Gleichzeitig arbeitet die nigerianische Börse mit Partnern in Ägypten, Kenia, Botswana und Äthiopien daran, grenzüberschreitende Investitionen über neue Finanzinstrumente zu ermöglichen.

Die von Unternehmer Aliko Dangote kontrollierte Raffinerie bietet insgesamt 4,1 Milliarden Aktien zum Kauf an. Das Emissionsvolumen beträgt umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro und könnte durch den Verkauf zusätzlicher Aktien auf etwa 1,9 Milliarden Euro steigen. Damit zählt die Transaktion zu den größten geplanten Börsengängen in der Geschichte Afrikas.

Millionen neue Anleger für Nigerias Kapitalmarkt

Popoola erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters am Rande des Financial Times Africa Summit, dass der Börsengang weit über die Kapitalbeschaffung für ein einzelnes Unternehmen hinausgehe.

Bislang beteiligen sich nach seinen Angaben nur etwa fünf Prozent der nigerianischen Bevölkerung, rund zwölf Millionen Menschen, am Kapitalmarkt. Aktiv mit Wertpapieren handeln jedoch lediglich einige Hunderttausend.

Der Börsenchef hält es für möglich, dass sich diese Zahl durch das Dangote-Angebot auf das Drei- bis Fünffache erhöht. Eine konkrete Prognose zur künftigen Gesamtzahl aktiver Anleger nannte er nicht.

Die Nigerian Exchange setzt bei der Vermarktung auch auf neue Vertriebskanäle. Aktien können über zugelassene Anbieter unter anderem mithilfe von WhatsApp, mobilen Zahlungssystemen und einfachen Mobiltelefonen gezeichnet werden. Damit sollen insbesondere Menschen erreicht werden, die bisher keinen direkten Zugang zum Aktienmarkt hatten.

Die Raffinerie bietet die Aktien zu einem Ausgabepreis von 525 nigerianischen Naira an, umgerechnet rund 0,34 Euro. Die Mindestzeichnung beträgt zehn Aktien und damit ungefähr 3,40 Euro.

Ägypten, Kenia, Botswana und Äthiopien werden eingebunden

Parallel zum Börsengang treibt die Nigerian Exchange Group die Zusammenarbeit mit anderen afrikanischen Handelsplätzen voran.

Im Zentrum stehen sogenannte Hinterlegungsscheine. Diese Finanzinstrumente verbriefen Anteile an einem Unternehmen und ermöglichen Anlegern, über ihren heimischen Kapitalmarkt in ausländische Aktien zu investieren.

Popoola erklärte, entsprechende Vereinbarungen mit Börsen in Ägypten, Kenia, Botswana und Äthiopien seien teilweise bereits eingerichtet oder befänden sich noch im Genehmigungsverfahren.

„Afrika wird nicht nur durch Rhetorik verbunden, sondern durch echte Lösungen vor Ort“, sagte der Börsenchef.

In Kenia hat die Kapitalmarktaufsicht bereits am 5. Oktober eine entsprechende Beteiligungsstruktur genehmigt. Renaissance Capital Kenya darf berechtigten Investoren den Zugang zum Dangote-Börsengang über internationale Hinterlegungsscheine ermöglichen.

Die später vorgesehene Notierung dieser Papiere an der Nairobi Securities Exchange benötigt allerdings noch die entsprechenden Genehmigungen in Nigeria.

Auch in Botswana werden vergleichbare Instrumente vorbereitet, um Investoren aus dem südlichen Afrika den Zugang zu ermöglichen. In Ägypten und Äthiopien laufen ebenfalls Bemühungen, geeignete Handels- und Beteiligungsstrukturen aufzubauen.

Das Projekt soll den grenzüberschreitenden Kapitalverkehr erleichtern. Afrikanische Anleger könnten dadurch künftig stärker an Unternehmen anderer Länder beteiligt werden, ohne sämtliche Transaktionen unmittelbar über ausländische Börsen abwickeln zu müssen.

Investoren aus 51 afrikanischen Ländern zeigen Interesse

Der Börsengang stößt nach Unternehmensangaben bereits international auf erhebliches Interesse.

Die Dangote-Gruppe spricht von Investoren aus mehr als 90 Staaten, darunter 51 afrikanischen Ländern. Das Interesse umfasst Privatanleger, Pensionsfonds, Finanzinstitute und Vermögensverwalter. Unabhängig bestätigte endgültige Zeichnungszahlen liegen bislang nicht vor.

Der Finanzchef der Dangote-Gruppe, Murat Erden, erklärte, die Öffnung des Kapitals solle afrikanischen Anlegern ermöglichen, sich unmittelbar am Eigentum großer Industrieunternehmen des Kontinents zu beteiligen.

Ursprünglich sollte die Zeichnungsfrist am 13. Oktober enden. Die nigerianische Kapitalmarktaufsicht genehmigte jedoch eine Verlängerung um zwei Wochen. Dadurch erhalten insbesondere Investoren außerhalb Nigerias zusätzliche Zeit, um Konten zu eröffnen und regulatorische Voraussetzungen zu erfüllen.

Dangote selbst erklärte, die Nachfrage übersteige das ursprünglich angestrebte Emissionsvolumen bereits um das Drei- bis Vierfache. Eine detaillierte, unabhängig überprüfte Aufstellung der Zeichnungen wurde bislang nicht veröffentlicht.

Raffinerie meldet Milliardengewinne

Das Interesse der Anleger wird auch durch die jüngsten Geschäftszahlen des Unternehmens gestützt.

Für die ersten neun Monate des Jahres 2026 meldete Dangote Petroleum Refinery and Petrochemicals einen Umsatz von umgerechnet rund 20 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025 entspricht dies einem Anstieg um etwa 144 Prozent.

Der Nettogewinn erreichte nach Unternehmensangaben ungefähr 4,2 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte die Raffinerie noch einen Verlust von rund 105 Millionen Euro ausgewiesen.

Die Investmentgesellschaft Renaissance Capital Africa hob daraufhin ihre Bewertung der Raffinerieaktie auf umgerechnet etwa 0,46 Euro an. Das entspricht einem rechnerischen Aufschlag von 33,4 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis.

Diese Bewertung stellt allerdings eine Analystenschätzung dar und garantiert keinen entsprechenden Börsenkurs. Renaissance Capital verweist unter anderem auf Risiken durch schwankende Raffineriemargen, Wechselkursbewegungen und mögliche Verzögerungen beim Ausbau der Produktionskapazitäten.

Nigeria will zum Kapitalmarkt für afrikanische Unternehmen werden

Für die Nigerian Exchange ist der Dangote-Börsengang Teil einer breiteren Strategie zur Integration afrikanischer Finanzmärkte.

Popoola erklärte, dass weitere nigerianische Unternehmen internationale Börsennotierungen in London, New York und im Nahen Osten prüften. Bereits heute verfügen Unternehmen wie Seplat Energy, Airtel Africa und Guaranty Trust Holding Company über internationale Zweitnotierungen.

Auch Dangote Cement plant nach Angaben des Börsenchefs eine Notierung in London, möglicherweise bereits im November.

Die zunehmende Nutzung grenzüberschreitend handelbarer Wertpapiere soll Kapitalbewegungen zwischen afrikanischen Börsen erleichtern und Unternehmen zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten eröffnen.

Allerdings konkurrieren die Börsen zunehmend mit privaten Kapitalgebern. Nach Einschätzung Popoolas dürften innerhalb der kommenden zwölf Monate weniger als zehn nigerianische Unternehmen neu an die Börse gehen.

Beim Dangote-Angebot sollen die Zeichnungsanträge nach Ablauf der Frist am 27. Oktober zusammengeführt und die Zuteilungen anschließend regulatorisch geprüft werden. Der Börsenhandel ist für November vorgesehen.

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