Frankreich und Marokko planen historischen Vertrag – König Mohammed VI soll im Januar nach Paris

Paris und Rabat wollen ihre Annäherung mit einem neuen bilateralen Vertrag festschreiben. Frankreich hat Mohammed VI dafür die dritte Januarwoche 2027 für einen Besuch vorgeschlagen – der Vertrag wäre nach französischen Medienberichten eine Premiere mit einem außereuropäischen Staat.

Frankreich und Marokko bereiten einen neuen bilateralen Vertrag vor, der bei einem Besuch von König Mohammed VI in Paris unterzeichnet werden könnte. Der Élysée hat dem marokkanischen Königshaus dafür die dritte Januarwoche 2027 vorgeschlagen. Ein endgültiger Termin steht noch aus. Der nahezu fertig ausgehandelte Vertrag soll die seit 2024 wieder intensivierten Beziehungen zwischen Paris und Rabat auf eine neue institutionelle Grundlage stellen.

Das berichtete La Tribune Dimanche unter Berufung auf eine diplomatische Quelle. Die mit dem Vertrag befassten Kommissionen kamen demnach zuletzt am 21. September zusammen. Der Text sei inzwischen „nahezu abgeschlossen“.

Vorbild ist der Quirinal-Vertrag zwischen Frankreich und Italien. Nach Angaben der französischen Zeitung wäre ein entsprechendes Abkommen mit Marokko der erste Vertrag dieser Art, den Frankreich mit einem Staat außerhalb Europas schließt.

Besuch mehrfach verschoben

Der geplante Besuch Mohammeds VI. in Frankreich war bereits mehrfach verschoben worden. Im Mai hatte Marokkos Außenminister Nasser Bourita bestätigt, dass die Reise grundsätzlich geplant sei, ohne einen Termin zu nennen. Paris rechnete zunächst mit einem Besuch im Herbst 2026. Im Juli zeichnete sich jedoch bereits eine Verschiebung auf Anfang 2027 ab.

Nach Informationen von Le Monde war auch die noch laufende Ausarbeitung des neuen Vertrags ein Grund für die Verzögerung. Hinzu kamen die marokkanische Parlamentswahl Ende September und die französische Präsidentschaftswahl im April 2027.

Die Einladung zu einem Frankreich-Besuch hatte Mohammed VI bereits während des Staatsbesuchs von Präsident Emmanuel Macron in Marokko im Oktober 2024 angenommen. Macrons Reise markierte nach mehreren Jahren diplomatischer Spannungen eine Annäherung zwischen beiden Ländern.

Neuer Rahmen für die Beziehungen

Mit dem geplanten Vertrag wollen Paris und Rabat ihre Zusammenarbeit langfristiger strukturieren. Das Vorbild des 2021 geschlossenen Quirinal-Vertrags zwischen Frankreich und Italien steht für regelmäßige politische Abstimmung und eine institutionalisierte Zusammenarbeit zwischen den Regierungen.

Die französisch-marokkanische Annäherung hatte 2024 deutlich an Dynamik gewonnen. Frankreich veränderte damals seine Position im Westsahara-Konflikt und erklärte, dass für Paris die Gegenwart und Zukunft der Westsahara im Rahmen marokkanischer Souveränität liege. Während Macrons Staatsbesuch vereinbarten beide Seiten zudem zahlreiche Kooperationen in Bereichen wie Energie, Infrastruktur, Verkehr, Bildung und Investitionen.

Mit dem für Januar vorbereiteten Besuch würde Mohammed VI erstmals seit der Wiederannäherung zu einem offiziellen Besuch nach Frankreich reisen. Die genauen Daten sollen nach Informationen von La Tribune Dimanche in den kommenden Wochen zwischen Paris und Rabat festgelegt werden.

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