Benins Präsidentenwahl geht in die Schlussphase

Benins Präsidentenwahl geht in die entscheidende Phase, und der Oppositionskandidat Paul Hounkpè rückt kurz vor dem Urnengang die Sicherheitsfrage in den Mittelpunkt seines Wahlkampfs. Sechs Tage vor der Wahl am 12. April stellte der FCBE-Kandidat ein Programm vor, das auf eine stärkere Armee, mehr regionale Sicherheitskooperation und eine nationale politische Verständigung zielt. Gleichzeitig intensivierte Romuald Wadagni seine Wahlkampftour im Süden des Landes. Im Umfeld der Oppositionspartei Les Démocrates verschärfte sich der interne Machtkampf.

Damit verdichten sich drei Linien des Wahlkampfs auf engem Raum: Sicherheit im Norden, Mobilisierung im Regierungslager und Streit um die politische Führung in Teilen der Opposition. Hounkpè tritt als einziger Oppositionskandidat gegen Wadagni an, der von Kräften aus dem Regierungsapparat unterstützt wird. Die letzten Tage vor der Wahl werden damit nicht nur von Programmen, sondern auch von Fragen der Lagerbildung und politischen Geschlossenheit geprägt.

Hounkpè macht Sicherheit zum Schwerpunkt

Paul Hounkpè stellte seine sicherheitspolitischen Prioritäten in der Sendung „En route pour la Marina“ vor, die von der Hohen Behörde für audiovisuelle Medien und Kommunikation organisiert wurde. Im Zentrum seines Auftritts stand der Ausbau der Verteidigungs- und Sicherheitskräfte.

Der FCBE-Kandidat sieht erheblichen Investitionsbedarf bei der beninischen Armee, um auf die terroristischen Vorstöße im Nordosten des Landes zu reagieren. Zugleich wirbt er für eine engere Zusammenarbeit mit Nachbarstaaten, die mit ähnlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert sind. Ziel seien stärker koordinierte Antworten auf bewaffnete Gruppen und ein intensiverer Austausch von Geheimdienstinformationen zwischen den Armeen der Region.

Neben der Sicherheitsfrage kündigte Hounkpè auch eine nationale Versammlung mit Vertretern verschiedener gesellschaftlicher Gruppen an. Damit verbindet er den Anspruch, das Vertrauen zwischen politischen und sozialen Akteuren wiederherzustellen und die nationale Kohäsion zu stärken.

Wadagni setzt auf Präsenz im Süden und die Fortsetzung des Regierungskurses

Romuald Wadagni setzte seinen Wahlkampf am 3. und 4. April mit mehreren Stationen in Südbenin fort. Seine Tour führte ihn nach Porto-Novo, Sèmè-Kpodji, Toffo, Ouidah, Kpomassè und Pahou. Dort warb er für sein politisches Programm und suchte den direkten Kontakt mit Wählern.

Bei einer Veranstaltung in Ouidah stellte Wadagni unter anderem das Projekt Sèmè City heraus. Das Vorhaben soll junge Menschen in Zukunftstechnologien ausbilden und Benin in Bereichen mit hoher Wertschöpfung stärker positionieren. Im Mittelpunkt stehen Innovation, digitale Berufe und spezialisierte Hochschulausbildung.

Seine Auftritte wurden auch von öffentlichen Unterstützungsbekundungen aus dem politischen Umfeld der Präsidentschaft begleitet. In Kpomassè sprach sich Pascal Koupaki, Generalsekretär der Präsidentschaft Benins, offen für Wadagni aus. Er verwies auf dessen Erfahrung in der Exekutive und stellte ihn als Kandidaten der politischen Kontinuität unter Präsident Patrice Talon dar.

Auch Eric Houndété warb für Wadagni und stellte dabei den von ihm vertretenen „Republikanischen Pakt“ in den Vordergrund. Damit erhielt der Kandidat zusätzliche Rückendeckung aus einem politischen Umfeld, das über das eigentliche Regierungslager hinausreicht.

Streit bei Les Démocrates belastet das Oppositionslager

Parallel dazu verschärften sich die internen Spannungen bei der Oppositionspartei Les Démocrates. Parteichef Nourénou Atchadé trat am 4. April bei einem außerordentlichen Nationalrat in Cotonou offen gegen Eric Houndété auf, der sich weiterhin als Interimspräsident der Partei versteht und zugleich Wadagni unterstützt.

Atchadé stellte diese Doppelrolle öffentlich infrage. Vor Parteimitgliedern sagte er: „Man kann nicht Demokrat sein und zugleich Republikanischer Pakt.“ Damit griff er direkt die politische Linie Houndétés an und machte deutlich, dass die Unterstützung für Wadagni aus seiner Sicht nicht mit der Zugehörigkeit zur Partei vereinbar ist.

Zugleich verwies Atchadé auf den Fall des Abgeordneten Ahossi, der die Partei vor der Gründung einer Unterstützungsbewegung für Wadagni verlassen habe. Damit setzte er einen Kontrast zu Houndété, dem er eine widersprüchliche Haltung vorwirft.

Der Nationalrat schloss einen offiziellen Boykott der Wahl aus und bestätigte damit die Teilnahme am Wahlprozess. Zugleich wurden interne Disziplinarmaßnahmen gegen einzelne Funktionäre in Aussicht gestellt. Die Partei geht damit geschwächt und mit offenem Führungsstreit in die letzte Phase des Wahlkampfs.

Drei Konfliktlinien prägen die letzten Tage vor der Wahl

Kurz vor dem 12. April überlagern sich in Benin mehrere politische Themen. Hounkpè versucht, sich über Sicherheitsfragen und ein Angebot zur politischen Verständigung zu profilieren. Wadagni setzt auf landesweite Präsenz, Regierungsnähe und das Versprechen der Fortsetzung bestehender Politik. Im Oppositionslager wiederum bindet der Konflikt bei Les Démocrates zusätzliche politische Energie.

Damit wird der Wahlkampf in seinen letzten Tagen nicht nur durch den Gegensatz zwischen Regierungslager und Opposition bestimmt. Auch Fragen der inneren Geschlossenheit und der Bündnisse innerhalb des politischen Spektrums gewinnen sichtbar an Gewicht.

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