Die Präsidentschaft der Republik Kongo hat die mögliche Kandidatur des ehemaligen senegalesischen Präsidenten Macky Sall für das Amt des Generalsekretärs der Vereinten Nationen ausdrücklich erwähnt und als unterstützenswert bezeichnet. Die Erklärung fiel im Zusammenhang mit einem offiziellen Besuch des senegalesischen Präsidenten Bassirou Diomaye Faye in Brazzaville.
Die Stellungnahme erfolgte Anfang Februar, wenige Tage vor dem Gipfel der Afrikanischen Union in Addis Abeba. Nach Angaben der kongolesischen Behörden sei die Kandidatur Sallls ein Thema der diplomatischen Gespräche gewesen und könne auf die Unterstützung afrikanischer Staaten stoßen.
Macky Sall hält Option offen
Macky Sall, der seit dem Ende seiner zweiten Amtszeit in Marokko lebt, hat eine Bewerbung bislang nicht offiziell erklärt. Bereits im September 2025 hatte er erklärt, er schließe eine Kandidatur nicht aus, falls man der Ansicht sei, dass er zur Erneuerung der Vereinten Nationen beitragen könne.

Nach Angaben des Magazins Africa Intelligence hatte es im Frühjahr 2025 ein Treffen zwischen Sall und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron gegeben, bei dem die Möglichkeit einer Bewerbung erörtert worden sei. Sall selbst verwies später auf seine internationale Erfahrung und erklärte, er könne mit unterschiedlichen politischen Lagern sprechen. Eine Kandidatur machte er von der Unterstützung des Sicherheitsrats, Afrikas sowie weiterer internationaler Partner abhängig.
Internationale Unterstützer und diplomatische Netzwerke
Mehrere afrikanische Staats- und Regierungschefs haben sich positiv zu einer möglichen Kandidatur geäußert. Umaro Sissoco Embaló, ehemaliger Präsident von Guinea-Bissau, hatte Sall in einem Interview mit Jeune Afrique als geeignet für das Amt beschrieben. Nach Angaben aus Sall nahestehenden Kreisen gebe es in Afrika und darüber hinaus intensive Bemühungen, Unterstützung für eine Bewerbung zu mobilisieren.
Sall kann auf internationale Funktionen verweisen, darunter den Vorsitz der Afrikanischen Union von 2022 bis 2023 sowie seine Rolle als Sondergesandter des Pariser Pakts für Menschen und den Planeten und als Ko-Vorsitzender des Global Center on Adaptation gemeinsam mit dem früheren UN-Generalsekretär Ban Ki-moon.
Auswahlverfahren und strukturelle Hürden
Die Amtszeit des derzeitigen UN-Generalsekretärs endet Ende 2026. Formal entscheidet die UN-Generalversammlung auf Empfehlung des Sicherheitsrats. Die fünf ständigen Mitglieder verfügen über ein Vetorecht.
Nach informeller regionaler Rotation wäre Lateinamerika an der Reihe, auch wenn dies keine verbindliche Regel ist. Zudem wird in Teilen der Mitgliedstaaten die Forderung erhoben, erstmals eine Frau an die Spitze der Vereinten Nationen zu wählen.
Kontroverse im Senegal

Im Senegal selbst ist eine mögliche Kandidatur stark umstritten. Vertreter der Nichtregierungsorganisation Amnesty International im Senegal kritisieren Sall mit Verweis auf Menschenrechtsfragen während seiner zweiten Amtszeit. Zwischen 2021 und 2024 kam es im Zuge politischer Spannungen zu gewaltsamen Protesten mit zahlreichen Todesopfern.
Die aktuelle Regierung unter Präsident Bassirou Diomaye Faye und Premierminister Ousmane Sonko kündigte an, die damaligen Ereignisse aufzuarbeiten. Zudem wirft sie Sall vor, öffentliche Finanzen falsch dargestellt zu haben. Der Internationale Währungsfonds bestätigte Unstimmigkeiten bei der Staatsverschuldung. Sall weist die Vorwürfe zurück.
Innerhalb der Regierungskoalition gibt es unterschiedliche Stimmen. Einzelne Abgeordnete lehnen eine Unterstützung ab, während andere argumentieren, eine Bewerbung könne im Interesse des Landes und des Kontinents liegen. Die Präsidentschaft äußerte sich bislang nicht offiziell.
Die Frage einer möglichen afrikanischen Unterstützung für Macky Sall dürfte beim Gipfel der Afrikanischen Union vom 11. bis 15. Februar in Addis Abeba erörtert werden. Präsident Faye wird dort nicht persönlich teilnehmen und sich durch Premierminister Sonko vertreten lassen.