Die Entwicklungsstrategie Namibias geht Hand-in-Hand mit den nationalen Schwerpunktbereichen Landwirtschaft, Sport, Jugendbeschäftigung, hochwertige Bildung und Ausbildung, Kreativwirtschaft, hochwertige Gesundheitsversorgung und soziale Sicherheit sowie Land, Wohnen und Sanitärversorgung. Diese von Präsidentin Netumbo Nandi-Ndaitwah festgelegten Kernbereiche orientieren sich an einem integrierten politischen Rahmen, der die Vision 2030 und aufeinanderfolgende nationale Entwicklungspläne umfasst, deren Schwerpunkt auf inklusivem Wirtschaftswachstum, Klimaresilienz, Infrastrukturentwicklung, Wirtschaftsdiversifizierung und nachhaltiger Entwicklung liegt.
Wirtschaft als Säule der deutsch-namibischen Beziehungen
Ein zentraler Pfeiler des außenpolitischen Engagements Namibias ist die Stärkung der Wirtschaftsdiplomatie mit dem Hauptaugenmerk auf Entwicklungszusammenarbeit, Investitionsförderung, Technologietransfer und Privatsektor-Partnerschaften.
Entwicklungszusammenarbeit wirtschaftlich denken
Auf der Grundlage tiefer historischer Verbindungen und langjähriger Entwicklungszusammenarbeit, sind Namibia und Deutschland gut aufgestellt, ihre bilateralen Beziehungen durch nachhaltigen politischen Dialog, gezielte Entwicklungszusammenarbeit im Rahmen der namibischen Entwicklungsagenda und investitionsorientierter Partnerschaft weiter zu intensivieren.

Eine Zusammenarbeit bei der Energiewende im Bereich grüner Wasserstoff und erneuerbare Energien sind ein wesentlicher Faktor. Diese Sektoren verbinden Namibias beachtlichen Rohstoffreichtum mit deutschem technologischem und industriellem Know-how sowie Finanzierungsinstrumenten. Sie bieten Möglichkeiten zur Schaffung von Arbeitsplätzen, Qualifizierungsmaßnahmen und langfristiger wirtschaftlicher Diversifizierung.
Fokus auf Handel und Tourismus ist im Interesse beider Staaten
Auch in den Bereichen Handel und Tourismusförderung strebt Namibia eine Vertiefung der Zusammenarbeit an. Das Land möchte sich als führendes, nachhaltiges Reiseziel positionieren und gleichzeitig den Zugang namibischer hochwertiger Produkte zum deutschen Markt erweitern. Namibias Tourismus-Masterplan (2025–2030) ist darauf ausgerichtet, die Vor-Covid-Zahlenauf 1,5 Million Besucher p.a. durch die Stärkung des Luftverkehrs, die Ausweitung der Produktpalette um Sport und Kultur sowie eine Markterweiterung anzuheben.
Namibias nationale Handelspolitik (NTP, 2024–2030) zielt darauf ab, seine Wirtschaft im Einklang mit der Vision 2030 von einem überwiegend ressourcenbasierten Modell umzugestalten. Integratives Wachstum und die Steigerung der Export-Wettbewerbsfähigkeit, sollen durch intensivierte Handelsverflechtungen, Förderung lokaler Wertschöpfung und privatwirtschaftliches Agieren erreicht werden, was erhebliche Chancen für industrielle Partnerschaften, Technologietransfer und Investitionen bietet – Bereiche, in denen deutsches Fachwissen, Kapital und Marktzugang eine katalytische Rolle spielen können.
Ein solch ausgewogener Ansatz, der strategische Ausrichtung mit praktischer Investitionszusammenarbeit verbindet, unterstützt die gemeinsamen Ziele der wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit, der nachhaltigen Entwicklung und des für beide Seiten vorteilhaften Wachstums.
Deutschland und Namibia setzen sich für den Multilateralismus ein

Im Rahmen multilateraler Zusammenarbeit haben Namibia und Deutschland als Co-Moderatoren des „Summit of the Future“ eng kooperiert. Die Verabschiedung des „Pact for the Future“ reflektiert das Engagement zur Stärkung des Multilateralismus und soll sicherstellen, dass die Rahmenwerke der Weltordnungspolitik wirksam und inklusiv bleiben sowie auf aktuelle Herausforderungen reagieren können.
Beide Länder gehören auch zu den UN-Mitgliedstaaten, die sich für eine umfassende Reform des Sicherheitsrats einsetzen, um eine gerechte Vertretung, Legitimität und Wirksamkeit des Rats sicherzustellen, der die aktuellen geopolitischen Realitäten wiederspiegelt und über die institutionellen Strukturen hinausgeht, die durch die Jahre nach 1945 geprägt sind.
Anerkennung des Völkermords als Basis für “belastbare Beziehungen”
Namibia und Deutschland führen derzeit Verhandlungen über die Anerkennung des Völkermords, um eine belastbare bilaterale Beziehung zu schaffen, die sich an den Lehren der Geschichte orientiert. Dieser Prozess basiert auf gegenseitigem Respekt, Anerkennung der historischen Verantwortung und Engagement für Aussöhnung. Daher sind beide Länder bestrebt, das Kapitel dieser schmerzhaften Historie durch einen Prozess mit dem Schwerpunkt Würde, Inklusion und Versöhnung anzugehen und abzuschließen.
Zur Stärkung der bilateralen Beziehungen wäre die Einrichtung eines strukturierten Mechanismus von Vorteil, der Fortschritte regelmäßig bewerten, Herausforderung bewältigen und zukunftsorientierte Prioritäten gemeinsam festlegen kann. Eine solch konstruktive Plattform könnte nachhaltiges Engagement und eine langfristige Partnerschaft festigen, die einer international bewährten Praxis im Bereich der Versöhnung und der Restorative Justice entspricht.

S.E. Dr. Jerobeam Shaanika ist seit November 2025 der außerordentliche und bevollmächtigte Botschafter der Republik Namibia in Deutschland. Der erfahrene Diplomat war zuvor unter anderem Botschafter in Kuba sowie stellvertretender Kabinettschef bei der UN-Generalversammlung in New York. In seiner aktuellen Rolle in Berlin ist er zusätzlich für Polen, die Türkei, Tschechien und den Vatikan akkreditiert.