Vor der libyschen Küste sind mindestens 53 Migranten bei einem weiteren Schiffsunglück im zentralen Mittelmeer ums Leben gekommen. Das Unglück ereignete sich nördlich der Küstenstadt Zuwara, als ein überfülltes Boot in den kalten Wintergewässern kenterte.
Nach Angaben der International Organization for Migration konnten libysche Behörden zwei nigerianische Frauen lebend aus dem Wasser retten. Eine der Überlebenden berichtete, ihr Ehemann sei ertrunken. Die andere gab an, beide Babys verloren zu haben.
Überfahrt in ungeeigneten Booten
Das Boot war nach Aussagen der Überlebenden mit Migranten und Flüchtlingen aus mehreren afrikanischen Staaten besetzt. Es war am späten Donnerstagabend von Zawiya aus gestartet und begann etwa sechs Stunden später Wasser aufzunehmen, bevor es schließlich kenterte.

Das Ziel der Überfahrt ist bislang unklar. Viele Boote, die von der libyschen Küste ablegen, steuern jedoch die italienische Insel Lampedusa an, rund 350 Kilometer von Zawiya entfernt. Nach Einschätzung von UN-Hilfsteams sind die häufig eingesetzten offenen Schlauchboote für eine solche Strecke nicht geeignet.
Hohe Zahl an Toten und Vermissten im Winter
Allein im Januar wurden im zentralen Mittelmeer mindestens 375 Tote oder Vermisste registriert. Die IOM warnt, dass winterliche Wetterbedingungen das Risiko weiterer Unglücke erhöhen und zahlreiche Todesfälle unentdeckt bleiben könnten.
Schleuser- und Menschenhandelsnetzwerke profitierten weiterhin von der Lage, indem sie Migranten in seeuntüchtigen Booten auf gefährliche Routen schickten. Die Organisation erneuerte ihre Forderung nach stärkerer internationaler Zusammenarbeit sowie nach sicheren und legalen Wegen für Migration.
Rückführungen nach Libyen und Haftbedingungen
Nach Angaben der IOM wurden seit Jahresbeginn 781 Migranten auf See abgefangen und nach Libyen zurückgebracht. Allein in der vergangenen Woche betraf dies 244 Menschen. Im gesamten Vorjahr waren es 27.116 Rückführungen, verbunden mit 1.314 registrierten Todes- oder Vermisstenfällen.
Die Organisation betonte erneut, dass Libyen kein sicherer Ort für Migranten sei. Jüngste Ermittlungen hätten weitere illegale Haft- und Folterstätten offengelegt. In Ajdabiya seien Opfer entdeckt worden, die festgehalten und misshandelt wurden, um Lösegeld von Angehörigen zu erzwingen.

In Kufra stießen die Behörden auf eine unterirdische Haftanlage in etwa drei Metern Tiefe. Dort wurden 221 Migranten und Flüchtlinge befreit, darunter Frauen, Kinder und ein einmonatiges Baby. Nach ersten Erkenntnissen seien die Menschen über längere Zeit unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten worden.
Unterstützung bei freiwilliger Rückkehr
Zur Unterstützung besonders gefährdeter Personen organisiert die IOM freiwillige Rückführungen in die Herkunftsländer. In der vergangenen Woche wurden pakistanische Staatsangehörige aus Tripolis ausgeflogen. Ende Januar kehrten zudem 177 nigerianische Migranten im Rahmen eines humanitären Programms zurück.
Parallel arbeitet die Organisation mit nationalen und regionalen Behörden zusammen, um grenzüberschreitende Kooperation zu stärken und Menschenhandelsnetzwerke zu zerschlagen.