Senegal und Marokko bekräftigen Partnerschaft jenseits sportlicher Spannungen

Der senegalesische Premierminister Ousmane Sonko hat bei einem offiziellen Besuch in Marokko die Belastbarkeit der bilateralen Beziehungen zwischen Dakar und Rabat betont. Anlass war die 15. Sitzung der gemeinsamen marokkanisch-senegalesischen Kommission in Rabat. Die Reise fand in einem politischen Umfeld statt, das noch von öffentlichen Debatten rund um die jüngste Endrunde des Afrika-Cups geprägt war. Sonko wies jedoch den Eindruck zurück, es handele sich um eine diplomatische Beschwichtigungsmission. Sein Besuch sei vielmehr ein „Akt der Bestätigung, der Überwindung und der Neubegründung der Beziehungen auf Augenhöhe zweier Staaten, die einander respektieren, anerkennen und gemeinsam in die Zukunft blicken“.

Sportliche Emotionen und politische Einordnung

In seiner Rede griff Sonko die jüngsten sportbezogenen Spannungen auf, ordnete sie jedoch klar ein. Der Sport habe die beiden Völker nicht gespalten, sondern ihre Beziehungen auf die Probe gestellt. Er habe Senegal und Marokko nicht gegeneinander aufgebracht, sondern die Intensität zweier nationaler Leidenschaften in einem gemeinsamen Raum sichtbar gemacht. Entgleisungen dürften weder geleugnet noch dramatisiert werden. Sie seien als emotionale Überschüsse zu verstehen, nicht als politische oder kulturelle Bruchlinien.

Der Premierminister unterstrich, dass der Sport, so leidenschaftlich er auch erlebt werde, nicht geeignet sei, die Tiefe der Beziehungen zwischen zwei Staaten und Gesellschaften abzubilden. Die Beziehungen zwischen Senegal und Marokko seien zu komplex, historisch gewachsen und institutionell verankert, um durch sportliche Ereignisse infrage gestellt zu werden.

Historisch gewachsene Verflechtungen

Sonko verwies auf die lange Geschichte der Beziehungen beider Länder. Er sprach von tief verwurzelten menschlichen, spirituellen, wirtschaftlichen und kulturellen Verbindungen. Dazu zählten jahrhundertelange Handelsrouten, der Austausch von Wissen, religiöse Netzwerke, Studierende und unternehmerische Aktivitäten. Diese historische Zirkulation habe Vertrauen zwischen den Staaten aufgebaut, das politische Wechsel und konjunkturelle Schwankungen überdauert habe.

Aus Sicht des senegalesischen Regierungschefs liege die Bedeutung der aktuellen Reise gerade darin, dass beide Staaten in der Lage seien, emotionale Spitzen auszuhalten, ohne ihre strategische Partnerschaft infrage zu stellen. Zwei befreundete Völker könnten intensive Momente durchleben, ohne sich zu spalten. Die senegalesisch-marokkanische Freundschaft sei stärker als kurzfristige Emotionen.

15. Sitzung der gemeinsamen Kommission: institutionelle Vertiefung

Parallel zu den politischen Erklärungen stand die konkrete Zusammenarbeit im Mittelpunkt der 15. Sitzung der gemeinsamen Kommission. Der marokkanische Regierungschef Aziz Akhannouch eröffnete die Beratungen und hob die historischen kulturellen und menschlichen Austauschbeziehungen hervor, die über Jahrhunderte gewachsen seien. Diese hätten die Grundlage für eine dauerhafte und nicht nur punktuelle Partnerschaft geschaffen.

Im Rahmen der Sitzung wurden insgesamt 17 Abkommen und Absichtserklärungen unterzeichnet. Sie betreffen unter anderem Infrastruktur, Verkehr, Hochschulbildung, berufliche Qualifizierung, Digitalisierung, Landwirtschaft, Fischerei, Industriepolitik und die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen. Ziel ist es, die bilaterale Kooperation breiter aufzustellen und stärker zu institutionalisieren.

Akhannouch verwies zudem auf die strategische Dimension der marokkanischen Initiativen in Afrika, darunter der erleichterte Zugang der Sahelstaaten zum Atlantik sowie großangelegte Infrastrukturprojekte. In diesem Kontext wurde auch der geplante afrikanisch-atlantische Gaskorridor zwischen Nigeria und Marokko als Symbol süd-südlicher Kooperation genannt, bei dem Senegal eine wichtige Rolle einnimmt.

Politische Unterstützung und regionale Fragen

Ein weiterer Schwerpunkt der Gespräche war die politische Abstimmung auf regionaler und internationaler Ebene. Senegal bekräftigte im Rahmen der gemeinsamen Erklärung seine Unterstützung für die marokkanische Position in der Westsahara-Frage. Die senegalesische Seite verwies dabei auf den Autonomieplan Marokkos als aus ihrer Sicht realistische Grundlage für eine politische Lösung im Rahmen der Vereinten Nationen.

Beide Regierungschefs hoben zudem die Rolle der senegalesischen Gemeinschaft in Marokko und der marokkanischen Gemeinschaft im Senegal hervor. Diese Diasporas würden einen praktischen Beitrag zur Vertiefung der Beziehungen leisten und das Partnerschaftsmodell im Alltag verankern.

Perspektiven der Zusammenarbeit

Sonko erklärte, die Arbeiten der gemeinsamen Kommission sollten einen gemeinsamen Horizont abstecken. Die bilateralen Beziehungen seien dazu bestimmt, dichter, strukturierter und ambitionierter zu werden. Die unterzeichneten Abkommen und die institutionelle Dynamik der Kommission zielten darauf ab, wirtschaftliche, kulturelle und politische Kooperation dauerhaft zu vertiefen.

Der Besuch des senegalesischen Premierministers fügt sich damit in eine längerfristige Strategie beider Staaten ein, ihre Partnerschaft unabhängig von situativen Spannungen weiterzuentwickeln und auf eine gemeinsame Projektion in Afrika und darüber hinaus auszurichten.

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