Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan reist in dieser Woche nach Sierra Leone. Im Mittelpunkt des Besuchs stehen der Kampf gegen Hunger sowie die Schaffung von Bildungs- und Entwicklungsperspektiven für Kinder und Jugendliche. Die Reise ist Teil der angekündigten strategischen Fokussierung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit auf die am wenigsten entwickelten Länder. Dies erklärte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Berlin.
Sierra Leone als Schwerpunktland der Armutsbekämpfung
Sierra Leone zählt nach internationalen Indikatoren weiterhin zu den ärmsten Ländern der Welt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist von Ernährungsunsicherheit betroffen. Armut, Hunger und fehlende Zukunftsperspektiven prägen weite Teile der Gesellschaft und gelten als zentrale Ursachen für Migration und Fluchtbewegungen.

Nach Angaben des BMZ richtet Ministerin Alabali-Radovan ihre Entwicklungszusammenarbeit gezielt auf Länder aus, in denen die Not am größten ist. Sierra Leone ist eines dieser Schwerpunktländer. Der Besuch soll einen direkten Einblick in die Lebensrealitäten der Bevölkerung sowie in bestehende und geplante Unterstützungsmaßnahmen ermöglichen.
Schulernährung als zentrales Instrument
Ein zentraler Programmschwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Sierra Leone ist die Verbesserung der Ernährungssicherheit von Kindern. Die Bundesregierung arbeitet dabei eng mit der Zivilgesellschaft und internationalen Organisationen zusammen, darunter die Deutsche Welthungerhilfe und das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen.
Konkret unterstützt Deutschland gemeinsam mit dem Welternährungsprogramm den Ausbau und die Weiterentwicklung des nationalen Schulernährungsprogramms. Ziel ist es, Kindern in Schulen täglich eine gesicherte und ausgewogene Mahlzeit bereitzustellen, die in vielen Familien zu Hause nicht gewährleistet ist. Die Lebensmittel für die Schulmahlzeiten stammen, soweit möglich, aus lokaler landwirtschaftlicher Produktion.

Damit verfolgt das Programm mehrere Ansätze zugleich. Kinder erhalten eine verlässliche Nahrungsquelle und besseren Zugang zu Bildung. Gleichzeitig wird die lokale Landwirtschaft eingebunden und gestärkt. Für viele Eltern stellt das Schulessen zudem einen wichtigen Anreiz dar, ihre Kinder regelmäßig in die Schule zu schicken.
Austausch mit Zivilgesellschaft und Politik
Während ihres Aufenthalts am Donnerstag und Freitag wird die Ministerin verschiedene Projekte besuchen, die mit deutscher Unterstützung umgesetzt werden. Geplant sind Gespräche mit Familien, Schulkindern, Nichtregierungsorganisationen, Unternehmerinnen und Unternehmern sowie politischen Vertreterinnen und Vertretern des Landes.
Thematisch sollen dabei insbesondere die Bereiche Ernährung, Bildung und Gesundheit im Vordergrund stehen. Nach Angaben des BMZ geht es darum, bestehende Programme zu bewerten und gemeinsam mit lokalen Akteuren über weitere Unterstützungsbedarfe zu sprechen.
Entwicklungszusammenarbeit unter Haushaltsdruck
Die Reise findet vor dem Hintergrund eines angespannten finanzpolitischen Rahmens statt. Der Haushalt der Entwicklungszusammenarbeit steht weiterhin unter Konsolidierungsdruck. Auf Nachfrage zu den finanziellen Auswirkungen der angekündigten Schwerpunktsetzung verwies ein Sprecher des BMZ darauf, dass der zuletzt verabschiedete Haushalt die Grundlage der laufenden Programme bilde.
Für Sierra Leone seien im Rahmen der jüngsten Regierungsverhandlungen bereits Mittel zugesagt worden. Diese Mittel stünden für die aktuell laufenden Programme zur Verfügung. Konkrete Aussagen darüber, wie sich die neue strategische Ausrichtung finanziell über die laufenden Zusagen hinaus auswirken werde, seien jedoch erst im Zuge der kommenden Haushalts- und Regierungsverhandlungen möglich. Eine detaillierte Kostenaufstellung für die einzelnen Maßnahmen könne derzeit nicht genannt werden.
Nationale Haushaltslage in Sierra Leone

Die deutsche Initiative fällt in eine Phase anhaltender wirtschaftlicher Belastungen in Sierra Leone. Der nationale Haushalt 2026 ist nach Einschätzungen internationaler Entwicklungs- und Finanzinstitutionen stark durch strukturelle Zwänge geprägt. Trotz eines erklärten Fokus auf soziale Sicherung, Ernährungssicherheit sowie Investitionen in Bildung und Gesundheit bleibt der fiskalische Spielraum begrenzt.
Internationale Organisationen wie das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen verweisen darauf, dass ein großer Teil der Bevölkerung in multidimensionaler Armut lebt. Gleichzeitig belasten hohe Schuldendienstkosten, geringe Staatseinnahmen und externe Schocks die Fähigkeit des Staates, umfassende Sozialprogramme dauerhaft zu finanzieren.
Vor diesem Hintergrund bleibt die Entwicklungszusammenarbeit externer Partner ein zentraler Pfeiler der sozialen Grundversorgung, insbesondere in den Bereichen Ernährung, Schulbildung und Gesundheit.