Die tunesische Staatsführung drängt auf die zügige Umsetzung eines neuen Sanierungsprogramms für die nationale Fluggesellschaft Tunisair. 2026 gilt als entscheidendes Jahr für die Restrukturierung des Unternehmens.
Der Staatspräsident hat wiederholt auf die Dringlichkeit hingewiesen, den beschlossenen Rettungsplan konsequent anzuwenden. Tunisair gilt in Tunesien als Symbol staatlicher Souveränität und steht seit Jahren unter finanziellem Druck.
Langjährige Restrukturierungsversuche

Ein erster umfassender Sanierungsbeschluss wurde bereits im April 2014 gefasst. Seitdem wurde der Plan mehrfach angepasst und neu aufgelegt, ohne vollständig umgesetzt zu werden. 2019 erfolgte ein weiterer Anlauf, nachdem sich die wirtschaftliche Lage deutlich verschlechtert hatte.
Nach offiziellen Angaben erwirtschaftete Tunisair bis 2010 im Durchschnitt jährliche Gewinne von rund 30 Millionen Dinar und verfügte über Reserven von 500 Millionen Dinar. Zwischen 2011 und 2017 gingen diese Rücklagen weitgehend verloren. Als Ursachen gelten ein Rückgang der Aktivität, strukturelle Probleme, veränderte Marktbedingungen im europäischen Tourismus sowie eine stark gestiegene Lohnsumme infolge umfangreicher Neueinstellungen.
Neuer Sanierungsansatz seit 2025
2025 wurde ein weiteres Programm zur finanziellen und operativen Stabilisierung gestartet. Es sieht unter anderem die Verwertung von Immobilienvermögen vor, um finanzielle Spielräume zu erweitern, sowie den Verkauf weiterer Vermögenswerte zur Senkung der Kosten.

Zudem soll die Lohnsumme durch gezielte Personalmaßnahmen kontrolliert werden. Geplant sind strategische Partnerschaften sowie die Modernisierung der Flotte und der Infrastruktur. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau nicht luftfahrtbezogener Aktivitäten und der Verbesserung des Kundenerlebnisses.
Erste betriebliche Signale
Ende 2025 und zu Beginn des Jahres 2026 verweisen Beobachter auf erste Anzeichen einer Stabilisierung. Genannt werden unter anderem stabilisierte Einnahmen und eine verbesserte Pünktlichkeit im Flugbetrieb.
Die Umsetzung des Programms bleibt nach Angaben aus Regierungskreisen zentral für die weitere Entwicklung des Unternehmens.