Die Sicherheitslage in den anglophonen Regionen Kameruns bleibt angespannt. Am 6. Januar 2026 meldeten die Streitkräfte die Tötung von elf mutmaßlichen Separatisten im Nordwesten des Landes. Parallel dazu wurden neue Vorwürfe gegen Sicherheitskräfte erhoben, ein Bürgermeister im Südwesten als entführt gemeldet und internationale Reise- und Sicherheitswarnungen erneuert.
Militäroperation im Nordwesten Kameruns

Nach Angaben der kamerunischen Streitkräfte wurden am Nachmittag des 6. Januar 2026 im Nordwesten elf separatistische Kämpfer getötet. Unter ihnen soll sich auch ein Mann befunden haben, der als selbsternannter General Mbansah identifiziert wurde. Die Leiche des Anführers habe aufgrund der Lage vor Ort nicht geborgen werden können.
Wie aus einer internen Mitteilung hervorgeht, ereignete sich der Vorfall gegen 15 Uhr, als eine bewaffnete Gruppe von rund 20 Kämpfern auf neun Motorrädern aus der Bui Division in Richtung Ngashong unterwegs war. Die Gruppe geriet auf dem Abschnitt Nfap in einen Hinterhalt von Truppen aus den vorgeschobenen Stützpunkten Ntabah und Mbawrong. Unterstützt wurden die Soldaten durch zivile Ortskundige.
Während des Einsatzes wurde der Unteroffizier Njeck Roger Teko vom 52. motorisierten Infanteriebataillon durch einen Schuss an der linken Hand verletzt und in einem lokalen Gesundheitszentrum medizinisch versorgt.
Waffenfunde und Rolle verbündeter Milizen
Nach Militärangaben wurden zunächst neun Waffen sichergestellt, darunter ein Galil-Maschinengewehr und acht Sturmgewehre vom Typ AK-47, sowie neun Motorräder. Beim Abzug der Einsatzkräfte sei es zu weiteren Gefechten mit Verstärkungseinheiten der bewaffneten Gruppe gekommen. Dabei sei ein weiterer Kämpfer getötet und eine zusätzliche Waffe beschlagnahmt worden.

Berichten zufolge waren auch bewaffnete Fulani- beziehungsweise Mbororo-Milizen beteiligt, die aus Nigeria angeworben worden sein sollen. Die Vorfälle hätten in umliegenden Gemeinden Verunsicherung ausgelöst.
Wie der kamerunische Nachrichtendienst CNA berichtet, steht der Vorfall im Zusammenhang mit dem seit 2016 andauernden anglophonen Konflikt, in dessen Verlauf sich bewaffnete Gruppen gegen die Zentralregierung formiert haben.
Vorwürfe gegen Gendarmen in Awing
Parallel zu den militärischen Entwicklungen berichten Bewohner des Dorfes Awing in der Mezam Division von mutmaßlichen Übergriffen durch Angehörige der Gendarmerie. Anwohner werfen einzelnen Beamten Erpressung, Einschüchterung und körperliche Gewalt vor.
Nach Schilderungen aus der Gemeinde sollen Gendarmen ohne rechtliche Grundlage Geld von Zivilisten verlangt, Wohnungen durchsucht und Ausweisdokumente beschlagnahmt haben. In einem dokumentierten Fall soll ein Friseur nach einer Auseinandersetzung mit einem Beamten gemeinsam mit weiteren Anwesenden misshandelt worden sein.
Die Bevölkerung fordert Ermittlungen und ein professionelleres Vorgehen der Sicherheitskräfte. Ziel sei es, Vertrauen wiederherzustellen und den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten.
Entführung eines Bürgermeisters im Südwesten
Im Südwesten Kameruns wurde am 6. Januar 2026 zudem die Entführung des Bürgermeisters von Eyumodjock gemeldet. Der kommunale Amtsträger sei auf der Straße zwischen Mbakem und Taboh von bewaffneten Männern verschleppt worden. Eine offizielle Bekennung zu der Tat liegt bislang nicht vor.

In der Region werden Entführungen dieser Art seit Jahren überwiegend separatistischen Gruppen zugeschrieben. Im Oktober 2025 war bereits ein Abgeordneter aus der Nordwestregion entführt und später getötet worden, nachdem Lösegeldforderungen nicht erfüllt worden waren.
Anhaltender Konflikt in den anglophonen Regionen
Der bewaffnete Konflikt in den Regionen North-West und South-West dauert seit fast einem Jahrzehnt an. Im Oktober 2017 erklärten separatistische Gruppen einseitig die Unabhängigkeit der anglophonen Landesteile, was von der Regierung zurückgewiesen wurde. Seither kommt es regelmäßig zu Gefechten, Entführungen und Angriffen auf zivile und staatliche Ziele. Tausende Menschen kamen ums Leben, Hunderttausende wurden vertrieben.
Internationale Sicherheitswarnungen bestätigt
Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen hat das Auswärtiges Amt am 7. Januar 2026 seine Reise- und Sicherheitshinweise zu Kamerun aktualisiert. Für Reisen in die Regionen North-West und South-West sowie in mehrere Grenzgebiete wird weiterhin ausdrücklich gewarnt.
In den anglophonen Regionen bestehe eine erhöhte Gefahr durch bewaffnete Auseinandersetzungen, Entführungen, improvisierte Sprengsätze und Überfälle an Straßensperren. Auch in anderen Landesteilen, insbesondere im Norden, bleibt die Sicherheitslage angespannt.
Das Auswärtige Amt rät deutschen Staatsangehörigen, betroffene Regionen zu meiden, sich über lokale Medien zu informieren und die Anweisungen der Sicherheitskräfte zu beachten.