Joe Biden in Afrika: Die letzte große Reise vor dem Ende seiner Amtszeit

Am Ende seiner Amtszeit unternimmt US-Präsident Joe Biden eine symbolträchtige und strategisch bedeutsame Reise nach Afrika. Während seines Aufenthalts in Angola hat er zentrale Themen wie die Aufarbeitung des transatlantischen Sklavenhandels, die Stärkung von Partnerschaften mit afrikanischen Staaten und die Förderung gemeinsamer Infrastrukturprojekte in den Mittelpunkt gestellt. Die Reise markiert einen Höhepunkt der Afrika-Politik seiner Administration und unterstreicht den wachsenden geopolitischen Wettbewerb auf dem Kontinent.

Historische Anerkennung: Bidens Rede in Luanda

Joe Biden besuchte am 3. Dezember 2024 das Nationalmuseum der Sklaverei in Luanda, einem Ort, der die grausame Geschichte des transatlantischen Sklavenhandels verkörpert. Hier, an einem ehemaligen Umschlagplatz für Sklaven, hielt der Präsident eine emotionale Rede, in der er die USA ihrer Verantwortung gegenüber der Vergangenheit stellte.

„Der transatlantische Sklavenhandel ist ein unauslöschlicher Teil unserer Geschichte. Er ist Amerikas Ursünde, eine offene Wunde, die weiterhin unsere Gesellschaft prägt,“ erklärte Biden.

Er würdigte die Opfer dieses unmenschlichen Systems und betonte die moralische Pflicht der Vereinigten Staaten, diese Geschichte nicht zu verdrängen, sondern sich ihr zu stellen. Dabei stellte er den Sklavenhandel in einen globalen Kontext, der die gemeinsame Verantwortung von Afrika, den USA und anderen beteiligten Staaten in den Fokus rückte.

Humanitäre Hilfe als Zeichen der Solidarität

Neben seiner Rede kündigte Biden eine humanitäre Hilfe von über 1 Milliarde US-Dollar für 31 afrikanische Länder an. Diese Mittel sollen vor allem in Regionen fließen, die von Konflikten, Hungersnöten und den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind.

Laut der US-Behörde für internationale Entwicklung (USAID) umfassen die Mittel Soforthilfen für Nahrung, Unterstützung für Flüchtlinge und Maßnahmen zur Bewältigung klimatischer Katastrophen. „Diese Hilfe zeigt unser anhaltendes Engagement für unsere afrikanischen Partner, um gemeinsam die Herausforderungen der Gegenwart zu meistern,“ erklärte Biden.

Strategischer Fokus: Der Lobito-Korridor

Am 4. Dezember reiste Biden in den Hafen von Lobito, etwa 500 Kilometer südlich von Luanda. Hier steht ein ehrgeiziges Infrastrukturprojekt im Mittelpunkt: der sogenannte Lobito-Korridor, eine Schienenverbindung, die den Atlantik mit dem Indischen Ozean verbinden soll.

Der Korridor wird es ermöglichen, wertvolle Rohstoffe wie Kupfer und Kobalt effizienter von der Demokratischen Republik Kongo und Sambia an die Weltmärkte zu transportieren. Biden kündigte einen US-Kredit in Höhe von 553 Millionen US-Dollar an, um die Modernisierung der Schienennetze voranzutreiben.

„Dieses Projekt zeigt, wie wir durch gezielte Investitionen afrikanische Infrastruktur stärken und gleichzeitig langfristige Handelsbeziehungen fördern können,“ erklärte ein US-Regierungsvertreter.

Der Lobito-Korridor wird als amerikanische Antwort auf Chinas Belt-and-Road-Initiative gesehen. Während China kürzlich ein eigenes Eisenbahnprojekt in Tansania und Sambia angekündigt hat, setzt die Biden-Administration auf Projekte, die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung fördern und lokale Gemeinschaften einbeziehen.

Diplomatie und regionale Stabilität

Die Reise Bidens war auch von intensiver Diplomatie geprägt. In Lobito traf er auf angolanische, sambische, kongolesische und tansanische Staatsoberhäupter, um über den Lobito-Korridor und die Stabilität in der Region zu sprechen.

Besonders die Demokratische Republik Kongo steht im Fokus internationaler Bemühungen. Biden und der kongolesische Präsident Félix Tshisekedi diskutierten die Herausforderungen durch Konflikte in der Region, insbesondere die anhaltenden Spannungen mit Ruanda.

Die USA setzen auf die Vermittlungsrolle Angolas, dessen Präsident João Lourenço als Mediator zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda agiert. Bidens Präsenz bei diesen Gesprächen unterstreicht die Bedeutung, die Washington der Stabilisierung der Region beimisst.

Afrika und die neue geopolitische Ära

Bidens Reise markiert eine strategische Neuausrichtung der amerikanischen Afrika-Politik. Mit gezielten Investitionen und einem Fokus auf Partnerschaften versucht Washington, seine Position auf einem Kontinent zu stärken, der zunehmend Schauplatz globaler Machtkämpfe wird.

Die USA setzen dabei auf den Ausbau wirtschaftlicher Beziehungen und Infrastrukturen, anstatt ausschließlich humanitäre Hilfe zu leisten. Dies soll den Einfluss Chinas und anderer Akteure in Afrika ausgleichen und zugleich nachhaltige Beziehungen schaffen.

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