Chinas Außenminister Wang Yi zu Arbeitsbesuch in Tansania eingetroffen

Der chinesische Außenminister Wang Yi ist am Freitag zu einem zweitägigen offiziellen Arbeitsbesuch in Tansania in Dar es Salaam eingetroffen. Der Besuch ist Teil seiner Afrika-Reise und dient der Vertiefung der strategischen Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und der Vereinigten Republik Tansania. Im Mittelpunkt stehen politische Abstimmung, wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie langfristige Entwicklungsprojekte.

Am Julius-Nyerere-International-Flughafen wurde Wang Yi von Tansanias Außenminister und Minister für Ostafrikanische Zusammenarbeit Mahmoud Thabit Kombo, dem stellvertretenden Außenminister, hochrangigen Beamten des Außenministeriums sowie Vertretern der Regierung empfangen.

Gespräche mit Regierungsspitze in Dar es Salaam

Während seines Aufenthalts führt Wang Yi politische Gespräche mit Außenminister Kombo sowie ein Treffen mit Präsidentin Samia Suluhu Hassan im State House in Dar es Salaam. Nach Angaben der tansanischen Seite übermittelt der chinesische Außenminister dabei persönliche Grüße von Staatspräsident Xi Jinping.

Die Gespräche zielen darauf ab, die umfassende strategische Partnerschaft weiter zu festigen und die politische Abstimmung auf bilateraler und internationaler Ebene zu vertiefen. Beide Seiten bekräftigen dabei die Bedeutung stabiler und verlässlicher Beziehungen in einem zunehmend angespannten globalen Umfeld.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Investitionen

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Tansania und China bilden einen zentralen Pfeiler der bilateralen Partnerschaft. Das bilaterale Handelsvolumen erreichte im Jahr 2024 rund 5,2 Milliarden US-Dollar. China zählt damit zu den wichtigsten Handelspartnern Tansanias.

Chinesische Unternehmen sind in Tansania in zahlreichen Sektoren aktiv, darunter verarbeitende Industrie, Landwirtschaft, Dienstleistungen, Transport, Kommunikation und Tourismus. Allein im Jahr 2025 registrierte die Tanzania Investment and Special Economic Zones Authority (TISEZA) 343 chinesische Investitionsprojekte mit einem Gesamtvolumen von 3,1 Milliarden US-Dollar. Nach offiziellen Angaben entstanden dadurch mehr als 82.000 Arbeitsplätze.

In den Gesprächen wird zudem über eine Ausweitung des bilateralen Handels beraten. China signalisierte Bereitschaft, Tansanias Ziel zu unterstützen, die Exporte in die Volksrepublik bis 2030 deutlich zu steigern. In diesem Zusammenhang spielt der zollfreie Marktzugang für afrikanische Produkte eine wichtige Rolle.

TAZARA-Bahnlinie als strategisches Infrastrukturprojekt

Ein zentrales Symbol der Zusammenarbeit bleibt die TAZARA-Eisenbahnlinie, die Tansania mit Sambia verbindet. Die Strecke umfasst insgesamt 1.860 Kilometer, davon 975 Kilometer auf tansanischem und 885 Kilometer auf sambischem Territorium. Sie gilt seit ihrer Fertigstellung als eines der sichtbarsten Zeichen der chinesisch-afrikanischen Entwicklungskooperation.

Beide Seiten begrüßten den Beginn des Revitalisierungsprojekts der TAZARA-Bahn. China, Tansania und Sambia haben sich darauf verständigt, die Bahnlinie als Entwicklungsachse weiter auszubauen und mit Häfen, Straßen und weiteren Verkehrskorridoren zu verknüpfen. Ziel ist eine stärkere wirtschaftliche Integration entlang des sogenannten TAZARA-Prosperity-Belts.

Gemeinsame politische Positionen zwischen China und Tansania

Im Rahmen der bilateralen Gespräche bekräftigte Tansania erneut seine Unterstützung der Ein-China-Politik. Die Regierung in Dar es Salaam erkennt die Volksrepublik China als einzigen rechtmäßigen Vertreter Chinas an und unterstützt die Wahrung der territorialen Integrität des Landes.

China wiederum würdigte die politischen Entwicklungen in Tansania, insbesondere den ordnungsgemäßen Ablauf der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im Oktober 2025. Beide Seiten betonten ihre Ablehnung von Gewalt, externer Einmischung und Destabilisierung staatlicher Ordnung.

Multilaterale Kooperation und internationale Ordnung

Neben bilateralen Themen nahmen auch multilaterale Fragen breiten Raum ein. Tansania und China verständigten sich auf eine engere Abstimmung in internationalen Organisationen und multilateralen Foren. Beide Seiten betonten die Bedeutung der Vereinten Nationen, des Völkerrechts sowie der Achtung von Souveränität und territorialer Integrität aller Staaten.

Darüber hinaus vereinbarten beide Länder eine verstärkte Zusammenarbeit im Rahmen des China–Afrika-Jahres des Austauschs zwischen den Bevölkerungen 2026. Geplant sind gemeinsame Aktivitäten in den Bereichen Kultur, Bildung, Wissenschaft, Medien, Jugend und Tourismus, um die gesellschaftliche Basis der bilateralen Beziehungen weiter zu festigen.

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