Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan hat heute den Start einer neuen internationalen Partnerschaft für Schulernährung und Bildung bekanntgegeben. Mit dem sogenannten School Meals Accelerator sollen bis 2030 weltweit zusätzlich 100 Millionen Kinder Zugang zu gesundem Schulessen und schulischer Bildung erhalten. Das Programm richtet sich insbesondere an Länder in Afrika, Asien, Lateinamerika und der Karibik und ist Teil des deutschen entwicklungspolitischen Engagements für globale Ernährungssicherheit.
Schulmahlzeiten als entwicklungspolitischer Hebel

Nach Angaben des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wirken Schulmahlzeiten weit über den Bildungsbereich hinaus. Entwicklungsministerin Alabali Radovan erklärte, Schulessen seien ein zentraler Hebel für Bildung, Gesundheit und langfristige gesellschaftliche Entwicklung. Durch die Kombination aus Ernährung, Schulbesuch und lokaler Wertschöpfung verknüpfe der School Meals Accelerator mehrere entwicklungspolitische Zielsetzungen in einem Ansatz.
Bereits heute erhalten weltweit rund 466 Millionen Kinder regelmäßig Schulmahlzeiten. Diese Zahl sei in den vergangenen vier Jahren um etwa 80 Millionen gestiegen. Mit dem neuen Programm sollen bis 2030 weitere 100 Millionen Kinder erreicht werden. Der Schwerpunkt liegt auf Regionen, in denen Hunger, Mangelernährung und Bildungsdefizite eng miteinander verknüpft sind.
Fokus auf Afrika und strukturelle Wirkung
Afrika gehört zu den zentralen Zielregionen des School Meals Accelerators. In vielen Ländern des Kontinents sind Schulernährungsprogramme ein entscheidender Faktor für den Schulbesuch, insbesondere in ländlichen Gebieten und einkommensschwachen Regionen. Schulessen stellen für viele Kinder das einzige vollwertige Essen des Tages dar und wirken sich unmittelbar auf Konzentrationsfähigkeit, Lernerfolge und gesundheitliche Entwicklung aus.
Zugleich adressiert das Programm strukturelle Herausforderungen. Durch die systematische Einbindung lokaler Landwirtschaft soll nicht nur die Ernährungssituation von Kindern verbessert, sondern auch die wirtschaftliche Basis in ländlichen Regionen gestärkt werden. Dieser Ansatz wird als „home-grown school meals“ bezeichnet und bildet einen Kernbestandteil des neuen Programms.
Regionale Beschaffung und lokale Wertschöpfung
Ein zentrales Element des School Meals Accelerators ist die regionale Beschaffung von Lebensmitteln. Schulen sollen ihre Nahrungsmittel möglichst aus dem unmittelbaren Umfeld beziehen und direkt bei lokalen Erzeugerinnen und Erzeugern einkaufen. Auf diese Weise gelangen regionale Produkte auf die Teller der Kinder, während gleichzeitig Einkommen und Beschäftigungsmöglichkeiten vor Ort entstehen.
Dieser Ansatz verbindet Bildungs und Ernährungspolitik mit Agrar und Wirtschaftsentwicklung. Die lokale Nachfrage nach Lebensmitteln schafft Absatzmärkte für kleinbäuerliche Betriebe, stabilisiert Einkommen und kann Anreize für nachhaltige landwirtschaftliche Produktion setzen. Nach Darstellung des Entwicklungsministeriums sollen so langfristige Wertschöpfungsketten entstehen, die über die reine Schulversorgung hinausreichen.
Unterstützung für staatliche Eigenverantwortung
Der School Meals Accelerator versteht sich nicht als kurzfristiges Hilfsprogramm, sondern als strukturaufbauende Initiative. Nationalen Regierungen sollen Wissen, Beratung und technische Unterstützung zur Verfügung gestellt werden, um Schulernährungsprogramme eigenständig, dauerhaft und finanzierbar aufzubauen. Ziel ist es, Länder in die Lage zu versetzen, Schulmahlzeiten langfristig aus eigenen Mitteln zu organisieren.

Damit unterscheidet sich der Ansatz bewusst von klassischer Nahrungsmittelhilfe. Statt punktueller Lieferungen stehen institutionelle Kapazitäten, Finanzierungsmodelle und politische Rahmenbedingungen im Mittelpunkt. Der Accelerator soll Regierungen dabei unterstützen, Schulernährung als festen Bestandteil nationaler Bildungs und Sozialpolitik zu verankern.
Internationale Partnerschaft und multilaterale Einbettung
Gestartet wurde der School Meals Accelerator im Rahmen der Grünen Woche in Berlin. Das Entwicklungsministerium arbeitet dabei mit dem World Food Programme, der Rockefeller Foundation und der Novo Nordisk Foundation zusammen. Das Programm ist in ein globales Netzwerk eingebettet, dem mehr als 100 Staaten und rund 150 Partnerorganisationen angehören.
Diese breite internationale Aufstellung soll den Austausch von Erfahrungen, politischen Ansätzen und Finanzierungsmodellen erleichtern. Schulernährungsprogramme gelten in vielen Ländern als bewährtes Instrument, unterscheiden sich jedoch stark in Ausgestaltung, Reichweite und Qualität. Der Accelerator soll bestehende Programme vernetzen und weiterentwickeln.
Schulernährung als Teil deutscher Entwicklungspolitik
Der Start der Initiative ist Teil des deutschen Engagements für globale Ernährungssicherheit. Innerhalb der entwicklungspolitischen Ausrichtung der Bundesregierung liegt ein besonderer Fokus auf der Ernährung von Kindern, da diese besonders stark unter Hunger und Mangelernährung leiden. Die Folgen reichen von akuten Gesundheitsproblemen bis zu lebenslangen Einschränkungen in Bildung und Erwerbsfähigkeit.
Der School Meals Accelerator ist in die übergeordnete BMZ Initiative „Sichere Ernährung – stark fürs Leben“ eingebettet. Diese setzt auf nachhaltige Strukturen statt kurzfristiger Nothilfe und zielt darauf ab, Ernährungssysteme widerstandsfähiger zu machen. Schulernährung wird dabei als Schnittstelle zwischen sozialer Sicherung, Bildung und wirtschaftlicher Entwicklung verstanden.
Bildungseffekte und Geschlechterdimension
Nach Darstellung des Entwicklungsministeriums entfalten Schulernährungsprogramme auch eine klare bildungspolitische Wirkung. Das Angebot eines regelmäßigen Schulessens ist für viele Familien ein entscheidender Anreiz, Kinder in die Schule zu schicken. Besonders profitieren davon Mädchen, die in zahlreichen Regionen seltener eingeschult werden oder früher die Schule verlassen.
Durch Schulmahlzeiten lassen sich Bildungszugang und Bildungskontinuität erhöhen. In Verbindung mit lokaler Lebensmittelbeschaffung entsteht zudem eine Verbindung zwischen Schule, Gemeinde und regionaler Wirtschaft. Laut Angaben des BMZ zeigt sich die Wirkung dieser Programme nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch in stabileren sozialen und wirtschaftlichen Strukturen.