Ägyptens Präsident Sisi zu Israel: “Unser Land gehört uns!” – Israelischer Minister droht mit Auslöschung der Halbinsel Sinai

„Wer hat Ihnen gesagt, dass wir Krieg führen wollen?“ Ägyptens Präsident Sisi reagiert auf die Drohung des israelischen Finanzministers Smotrich, Ägypten könne bei einem Angriff auf Israel die Sinai-Halbinsel verlieren. Sisi weist jede Angriffsabsicht zurück und bekräftigt den Friedensvertrag von 1979.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat auf die Drohung des israelischen Finanzministers Bezalel Smotrich mit einem erneuten Verlust der Sinai-Halbinsel reagiert und jegliche Angriffsabsichten gegenüber Israel zurückgewiesen. Die Stellungnahme erfolgte am Mittwoch, dem 14. Oktober 2026, in der neuen ägyptischen Verwaltungshauptstadt. Sisi bekräftigte die Gültigkeit des Friedensvertrags mit Israel und stellte klar, dass Ägypten weder territoriale Ansprüche noch geheime militärische Absichten verfolge. Zugleich warf er Teilen der israelischen Öffentlichkeit vor, unbegründete Ängste vor Ägypten zu schüren.

Sisi antwortet auf Drohung des israelischen Finanzministers

„Wer hat Ihnen gesagt, dass wir Krieg führen wollen? Wir haben keine Absichten gegen irgendjemanden. Unser Land gehört uns, wir haben dafür gekämpft, es zurückzuerlangen, und damit ist die Sache abgeschlossen“, erklärte Sisi während einer Gedenkveranstaltung zum 53. Jahrestag des Oktoberkriegs von 1973.

Der ägyptische Präsident reagierte damit auf Äußerungen des israelischen Finanzministers Bezalel Smotrich. Dieser hatte am 5. Oktober in einem Videointerview mit der ultraorthodoxen Plattform Hashtiblach vor einem möglichen ägyptischen Angriff auf Israel gewarnt.

„Was würde Ägypten davon abhalten, uns anzugreifen? Die Erkenntnis, dass es zumindest keinen Sinai mehr geben würde, wenn sie uns angreifen“, sagte Smotrich. Er fügte hinzu, Israel dürfe die Halbinsel bei einem erneuten militärischen Konflikt nicht wieder an Ägypten zurückgeben.

Die Äußerungen lösten in Ägypten Kritik aus. Bereits am 7. Oktober hatte eine gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur MENA zitierte ägyptische Quelle die Aussagen als „leere Drohungen“ bezeichnet, die politischen und wahlkampfbezogenen Zwecken dienten.

Mit seiner Stellungnahme reagierte Sisi nun persönlich auf den israelischen Minister. Er stellte die Frage, ob in bestimmten israelischen Kreisen weiterhin unbegründete Vorstellungen oder Befürchtungen über angebliche ägyptische Gebietsansprüche existierten.

„Mein Ziel ist es, mein Land, seine Grenzen und sein Territorium zu schützen“, sagte Sisi. Ägypten verfolge keine versteckte Agenda. Oberste Priorität hätten die nationale Sicherheit, der Schutz der Grenzen und die Stabilität des Landes.

Friedensvertrag mit Israel bleibt Grundlage der Beziehungen

Sisi bekräftigte zugleich die ägyptische Verpflichtung zum Friedensvertrag von 1979. Das Abkommen bilde weiterhin den verbindlichen Rahmen der bilateralen Beziehungen zwischen Kairo und Tel Aviv.

Ägypten und Israel hatten nach den Camp-David-Verhandlungen von 1978 am 26. März 1979 in Washington einen Friedensvertrag unterzeichnet. Das Abkommen beendete den Kriegszustand zwischen beiden Ländern und regelte den israelischen Rückzug von der Sinai-Halbinsel.

Israel hatte die strategisch wichtige Halbinsel während des Sechstagekriegs 1967 besetzt. Im Oktober 1973 griffen ägyptische Streitkräfte israelische Stellungen am Suezkanal an und überquerten die Wasserstraße. Der Krieg führte nicht unmittelbar zur vollständigen Rückgewinnung des Sinai, eröffnete jedoch den Weg für spätere Verhandlungen. Der israelische Rückzug wurde 1982 weitgehend abgeschlossen. Das umstrittene Grenzgebiet Taba wurde 1989 an Ägypten zurückgegeben.

Der Friedensvertrag bildet seitdem die Grundlage der offiziellen Beziehungen zwischen beiden Staaten. Die Sinai-Halbinsel hat für Ägypten neben ihrer historischen Bedeutung eine zentrale strategische Funktion. Sie verbindet das ägyptische Kernland mit der Grenze zu Israel und dem Gazastreifen.

Ägypten fordert palästinensischen Staat neben Israel

Neben der Zurückweisung israelischer Drohungen bekräftigte Sisi die Unterstützung Ägyptens für eine Zweistaatenlösung im israelisch-palästinensischen Konflikt.

„Ein palästinensischer Staat und ein israelischer Staat, die in Frieden miteinander leben. Ein palästinensischer Staat, der respektiert wird, und ein israelischer Staat, der respektiert wird“, beschrieb der Präsident die ägyptische Position.

Die Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staates neben Israel sei aus Sicht Kairos der realistische Weg zu einem gerechten und dauerhaften Frieden. Ägypten verfolge diese Position seit Langem und strebe eine politische Lösung an, die beiden Staaten Sicherheit und gegenseitige Anerkennung garantiere.

Am selben Tag bekräftigte das ägyptische Außenministerium seine Unterstützung für die vollständige Umsetzung des amerikanischen Gaza-Friedensplans. Anlass war der erste Jahrestag des Gipfeltreffens von Scharm el-Scheich. Kairo forderte die Festigung des Waffenstillstands, die Sicherstellung humanitärer Hilfe und weitere Schritte zu einer eigenständigen palästinensischen Staatlichkeit.

Sisi erklärt Sicherheit der Golfstaaten zur ägyptischen Sicherheitsfrage

Der ägyptische Präsident weitete seine Ausführungen auf die Sicherheitslage im Nahen und Mittleren Osten aus. Er erklärte, dass die nationale Sicherheit der Golfstaaten untrennbar mit der Sicherheit Ägyptens verbunden sei.

Kairo sei bereit, seine Partner am Golf bei der Verringerung regionaler Spannungen zu unterstützen. Dazu gehörten diplomatische Bemühungen um eine Lösung der Golfkrise sowie Maßnahmen zur Sicherung der internationalen Schifffahrt.

Ägypten gehört mit dem Suezkanal zu den wichtigsten Transitstaaten des internationalen Seehandels. Die Sicherheit der Schifffahrtswege im Roten Meer und der angrenzenden Region betrifft damit unmittelbar die ägyptische Wirtschaft und den Handel zwischen Europa und Asien.

Warnung vor psychologischer Kriegsführung und Manipulation der Geschichte

Sisis Äußerungen zu Israel erfolgten während einer Veranstaltung der ägyptischen Streitkräfte unter dem Titel „Heimat der Helden“. Der Präsident verband das Gedenken an den Oktoberkrieg von 1973 mit einer Warnung vor Desinformation und der gezielten Veränderung des historischen Bewusstseins.

„1973 bestand die Herausforderung darin, unser Land zurückzugewinnen. Seit 2013 besteht sie darin, den Staat und seine Identität wiederherzustellen“, sagte Sisi.

Er kritisierte Versuche, die historische Darstellung des Oktoberkriegs zu verändern und den ägyptischen Erfolg infrage zu stellen. Dabei verwies er auf die Rolle sozialer Medien und moderner Kommunikationstechnologien.

„Das Gedächtnis ist die eigentliche Festung jeder Nation“, erklärte der Präsident. Die gezielte Manipulation historischer Ereignisse könne das Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Institutionen und die eigene Geschichte schwächen.

Sisi zog zugleich Parallelen zu den politischen Umbrüchen der Jahre 2011 und 2013. Er warnte vor Kampagnen, die nach seiner Darstellung darauf abzielten, gesellschaftliche Spannungen zu verstärken und die staatliche Stabilität zu gefährden.

Präsident schließt Änderungen an der Verfassung aus

Auch innenpolitisch setzte Sisi ein Signal. Er erklärte, dass die geltende ägyptische Verfassung nicht angetastet werde.

„Wir haben eine Verfassung, der wir zugestimmt haben. Niemand wird sie antasten“, betonte er und wiederholte diese Zusicherung.

Der Präsident wandte sich damit gegen Gerüchte und Spekulationen über mögliche Verfassungsänderungen. Er bezeichnete die Verbreitung falscher Informationen als Bestandteil einer psychologischen Kriegsführung gegen den ägyptischen Staat.

Darüber hinaus verteidigte Sisi den wirtschaftspolitischen Reformkurs seiner Regierung. Anders als unter dem früheren Präsidenten Anwar al-Sadat, dessen Reformvorhaben nach sozialen Protesten teilweise zurückgenommen worden seien, werde Ägypten seine gegenwärtigen Wirtschaftsreformen fortsetzen.

Die Bekämpfung des Terrorismus habe den ägyptischen Staat in den vergangenen 14 Jahren mehr als 120 Milliarden ägyptische Pfund (2 Milliarden Euro) gekostet, erklärte Sisi. Er verwies auf die damit verbundenen wirtschaftlichen Belastungen und die Opfer der Sicherheitskräfte.

Zum Abschluss rief der Präsident die Bevölkerung dazu auf, die staatlichen Institutionen und die nationale Einheit zu schützen. „Schützt euer Land vor dieser Verschwörung. Ich sage nicht: Schützt den Präsidenten“, erklärte Sisi.

Verwandte Beiträge
Total
0
Share