Äthiopien wirbt bei Erdoğan für Unterstützung beim Zugang zum Meer

Äthiopiens Premierminister Abiy Ahmed hat bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan die Unterstützung Ankaras für einen „friedlichen Zugang zum Meer“ eingefordert. Am 17. Februar 2026 erklärte Abiy in Addis Abeba, nachhaltiges Wirtschaftswachstum sei ohne eine Lösung der maritimen Anbindung des Landes nicht zu sichern.

Äthiopien mit mehr als 130 Millionen Einwohnern sei seit Jahrzehnten ohne eigenen Meereszugang und sehe darin ein strukturelles Entwicklungshemmnis.

„Die Nachhaltigkeit unseres Wachstums kann nicht gewährleistet werden, wenn eine Nation mit über 130 Millionen Menschen weiterhin vom Zugang zum Meer ausgeschlossen bleibt und geografisch eingeschlossen ist“, sagte Abiy. Eine solche Situation widerspreche gängigen globalen Praktiken und wirtschaftlichen Trends.

Gespräche über diplomatische Unterstützung

Nach Angaben des Premierministers erörterten beide Seiten, wie befreundete Staaten wie die Türkei eine konstruktive diplomatische Rolle spielen könnten, um Äthiopiens Bestrebungen nach einem friedlichen und für alle Seiten vorteilhaften Zugang zum Meer zu unterstützen.

Logistik bleibe eines der größten Hindernisse für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes, betonte Abiy. Ein maritimer Zugang sei entscheidend, um das wirtschaftliche Potenzial vollständig zu entfalten.

Erdoğan verwies auf die wachsende Bedeutung Äthiopiens am Horn von Afrika und erklärte, Ankara messe den Beziehungen zu dem Land große Bedeutung bei. Die Zusammenarbeit im Bereich Eisenbahn- und Transportinfrastruktur, Industrieanlagen, Tourismus sowie Stromübertragungsleitungen solle weiter ausgebaut werden.

Wirtschafts- und Energieabkommen unterzeichnet

Im Rahmen des Besuchs unterzeichneten beide Regierungen zwei Vereinbarungen. Dazu gehört ein Memorandum über die Ergebnisse der neunten Sitzung der gemeinsamen Wirtschaftskommission sowie eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit im Energiesektor.

Beide Staats- und Regierungschefs kündigten an, das bilaterale Handelsvolumen auf mindestens eine Milliarde US-Dollar zu steigern und weitere türkische Investitionen in Äthiopien zu fördern, sowohl für den Binnenmarkt als auch für Exporte nach Afrika.

Abiy verwies auf ein erwartetes Wirtschaftswachstum von 10,2 Prozent im laufenden Haushaltsjahr und bezeichnete Äthiopien als eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften weltweit.

Zusammenarbeit bei Sicherheit und Klimadiplomatie

Neben wirtschaftlichen Themen bekräftigten beide Seiten die Zusammenarbeit im Bereich Terrorismusbekämpfung. Zudem wollen Ankara und Addis Abeba ihre Koordination auf multilateralen Plattformen vertiefen, unter anderem in der Klimadiplomatie.

Die Türkei richtet in diesem Jahr die UN-Klimakonferenz aus, während Äthiopien für 2027 als Gastgeber vorgesehen ist.

Der Besuch Erdoğans in Addis Abeba gilt als weiterer Schritt zur Vertiefung der strategischen Partnerschaft zwischen beiden Staaten, die in den vergangenen Jahren ihre wirtschaftlichen, politischen und sicherheitspolitischen Beziehungen kontinuierlich ausgebaut haben.

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